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Nettetal
Biologen planen ökologische Schnitzeljagd

Nettetal: Biologen planen ökologische Schnitzeljagd
Ansgar Reichmann und sein Team in der Biologischen Station bereiten zur Zeit eine Reihe von Projekten vor. Unter anderem will die Station auch von Leader profitieren, einem EU-Projekt, an dem sich die Stadt Nettetal beteiligt. FOTO: Busch
Nettetal. Mit Spannung schaut die Biologische Station Krickenbecker Seen auf die weitere Entwicklung des ehemaligen Flughafengeländes in Elmpt. Die Biologen wollen in diesem Jahr auch weiter zur Festigung von Naturräumen auf der Maas-Schwalm-Nette-Platte beitragen. Von Ludger Peters

Ansgar Reichmann und seine Kollegen in der Biologischen Station Krickenbecker Seen sind nie frei von Sorgen. Die von Menschen geprägte Kulturlandschaft ändert sich fortwährend. Zwar sind Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Aber es gibt immer irgendwo Konflikte, nicht selten auch Begehrlichkeiten, vermeintlich freie Flächen wirtschaftlich zu nutzen.

"Wir verfolgen jetzt natürlich mit einiger Spannung den Entwicklungsprozess des früheren Militärflughafens in Elmpt. Wir möchten gerne die besonders wertvollen Flächen für die Natur schützen und entwickeln. Neben der Erstaufnahme von Flüchtlingen, die ja zeitlich begrenzt sein wird, sollen Gewerbeflächen und ein Windpark ausgewiesen werden", erklärt Reichmann. Die Biologen gehen davon aus, dass es an einigen Stellen durchaus Interessenkollisionen geben wird.

In die dritte Tranche des Nationalen Naturerbes sind 725 Hektar des ehemaligen Militärgeländes in Elmpt und 158 Hektar des einstigen Bundeswehr-Depots Herongen aufgenommen worden. Es handelt sich stets um "national bedeutsame Naturschutzflächen in Bundesbesitz", die nicht privatisiert werden dürfen. Die dritte Tranche betrifft Militärflächen, deren Übertragung "unter anspruchsvollen Naturschutzauflagen an die Bundesländer" erfolgt, wie es auf der Seite der in Erfurt ansässigen Naturstiftung David heißt. Grundlagen stehen in der Koalitionsvereinbarung von CDU/CSU und SPD vom Herbst 2013.

Wie Reichmann berichtet, strebt die Biologische Station die bessere Vernetzung des Vogelschutzgebietes auf der maas-Schwalm-Nette-Platte an. "Wir möchten gerne über die vorhandenen Naturschutzgebiete hinaus Konzepte entwickeln und umsetzen, die bisher nicht vorhanden sind", sagt er. Auf einer Karte zeigt Reichmann Vorkommen seltener Vögel wie Ziegenmelker, Heidelerche oder Wespenbussard. Das frühere britische Depot im Brachter Wald hat diesen und anderen Tieren (und Pflanzengesellschaften) einen Überlebensraum garantiert. Inzwischen haben die Biologen festgestellt, dass manche Tierart so gestärkt wurde, dass sie über den streng geschützten Raum des Naturschutzgebietes hinaus Fuß fassen. Sie möchten diese Entwicklung gerne stärken.

Die Zahl der Bürger, die sich für fachkundige Informationen über die Natur interessieren, wächst. Die Exkursionen und Ausstellungen der Biologischen Station werden immer mehr wahrgenommen. Reichmann und seine Kollegen wollen ihre Gäste künftig aktiv einbinden und nicht nur erklären. "Exkursionen wollen wir interaktiv gestalten", sagt er. Vor allem das für Spaziergänger leicht erreichbare Rohrdommelprojekt an der Nette in Leuth hat ganz offensichtlich bei vielen Menschen Interesse geweckt. Die Biologen wollen Bestimmungshilfen zum Beispiel für Wasservögel liefern oder auch das Geocaching - Reichmann: "So eine Art ökologische Schnitzjagd." - für sich nutzen.

Zunehmend stellen Interessenten auch Fragen, was noch geht und was eben nicht mehr geht in der Natur. Auch darauf will die Station Antworten geben. "Es gibt Erklärungsbedarf, dem werden wir uns verstärkt stellen", kündigt Reichmann an. Überarbeiten wird die Station außerdem ihren in die Jahre gekommenen Internetauftritt.

Im Informationszentrum am Ende der Krickenbecker Allee steht seit Beginn das Modell der Nettetaler Landschaft. Es soll nun plastischer und damit für Betrachter anschaulicher gestaltet werden. Finanziert wird das durch Spenden. Reichmann plant weiterhin eine "kleine Hauszeitung" für Mitglieder im Verein. Sehr gut besucht werden auch die Fachvorträge im Informationszentrum. "Wir erreichen 25 bis mehr als 60 Besucher. Es gibt einen harten Kern, der fast immer kommt. Wir freuen uns ohnehin sehr darüber, dass das Info-Zentrum so gut besucht wird."

Quelle: RP
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