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Nettetal
Biologische Station wird 30 Jahre alt

Nettetal: Biologische Station wird 30 Jahre alt
Schloss Krickenbeck mit wiederhergestellten Röhrichten und Kleingewässern im Zentrum des Naturschutzgebiets. Das Foto entstand Anfang der 1990er-Jahre. FOTO: Georg Sennert
Nettetal. Aus einer Gruppe von Vogelkundlern entstand im März 1988 die Biologische Station Krickenbecker Seen. Heute betreuen die Mitarbeiter rund 3300 Hektar Fläche. Im Herbst soll mit der Öffentlichkeit gefeiert werden Von Emily Senf

Der kleine Junge ist enttäuscht. "Ist heute zu?", fragt er auf seinem Fahrrad sitzend. Er seufzt. Ganz so schlimm ist es dann aber doch nicht, dass er an diesem Tag nicht in das Info-Zentrum am Hinsbecker Bruch kann, denn: "Ich bin ganz oft hier", sagt er noch. Dann radelt er mit seinem Vater davon.

Die Biologische Station Krickenbecker Seen (BSKS), zu der das Info-Zentrum gehört, feiert in diesem Jahr das 30-jährige Bestehen. Vorläufer war eine kleine Arbeitsgruppe, die sich auf die Vogelbeobachtung und -zählung rund um die Krickenbecker Seen spezialisiert hatte. Heute ist das Gebiet, das die Mitarbeiter der Station betreuen, rund 3300 Hektar groß.

Drei Moorschnucken-Herden leben heute im Naturschutzgebiet. FOTO: BSKS

Die damalige "Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Krickenbeck" (OAG) war 1970 unter anderem von Georg Sennert, Heino Thier und Herbert Hubatsch aus Nettetal ins Leben gerufen worden, berichtet Ansgar Reichmann, seit 2002 Leiter der Biologischen Station. Im März 1988 gründeten die Mitglieder den Trägerverein der BSKS. Ziel war die Professionalisierung der ehrenamtlichen Naturschutzarbeit. Ermöglicht wurde dies durch einen mit dem Kreis Viersen geschlossenen Betreuungsvertrag über die Naturschutzgebiete. Zwei Jahre später konnten hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt werden, 1992 wurde als Sitz das Holzhaus an der Krickenbecker Allee in Hombergen gebaut. Das Grundstück hatte die BSKS in Erbpacht von der Stadt Nettetal bekommen. Weil es bis dahin eine wilde Deponie gewesen war, musste zunächst eine Betonplatte in den Boden eingelassen werden.

Vorbild für die Niederrheiner war die Biologische Station Rieselfelder in Münster. "Das war die erste", sagt Reichmann. Sie entstand 1968, ebenfalls durch Mitarbeiter einer ornithologischen Arbeitsgemeinschaft. Die OAG-Mitglieder aus dem Kreis Viersen fuhren hin, schauten sich die Arbeit dort an - hatten sich aber auch selbst bereits einen sehr guten Ausgangspunkt geschaffen: Die OAG hatte nicht nur ornithologische Beobachtungen gemacht, sondern auch sonstige faunistische und floristische Untersuchungen durchgeführt und ihre Ergebnisse kartiert, darunter Rote-Liste-Pflanzen, Vegetationstypen, die Zählung der Brutvögel, das Erfassen von Reptilien, Amphibien, Heuschrecken und Fledermäusen. "Das Fundament war toll", sagt Reichmann.

BSKS-Leiter Ansgar Reichmann vor der Blockhütte in Hombergen. FOTO: Senf

Das Aufgabengebiet der BSKS wuchs stetig, etwa um das Brachter Depot, das bis 1996 als Munitionsdepot genutzt wurde. 1998 kaufte es die NRW-Stiftung zum größten Teil. "Die Übernahme damals war eine große Herausforderung, aber sehr wichtig für die Natur", sagt der heutige Leiter der Station. Nach dem Weggang der Briten wurde die rund 1200 Hektar große Heidefläche nicht mehr betreut, wilder Wuchs machte sich breit. Daraufhin wurden zusammen mit dem Kreis Viersen und mit Hilfe der Sparkassen-Stiftung 554 Moorschnucken angeschafft. Seitdem halten die Tiere die Heide in Schuss, drei Herden gibt es heute. Ein weiterer großer Akt war es laut Reichmann, aus dem Elmpter Schwalmbruch, einer ehemals nur noch 60 Hektar großen Gagelmoor-Landschaft, das heutige Naturerlebnisgebiet zu machen. "Man muss die Menschen lenken und es schaffen, sie für den Naturschutz zu begeistern", sagt Reichmann. So gibt es gekennzeichnete Wege, einen Aussichtsturm sowie einen barrierefreien Bohlensteg.

In den 1990er-Jahren intensivierte die BSKS ihre Öffentlichkeitsarbeit, seitdem leiten die Mitarbeiter Führungen und halten Vorträge. 1996 kam das Info-Zentrum dazu. Dort zeigt die BSKS sich, ihre Arbeit und ihr Gebiet in einer Dauerausstellung, dazu gibt es wechselnde Ausstellungen. In der BSKS arbeiten heute fünf Biologen, zwei Mitarbeiter für Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen, zwei Mitarbeiter für das Info-Zentrum, zwei Sekretärinnen sowie ein Geograf. Zusätzlich gibt es in der BSKS jedes Jahr vier FÖJler (Freiwilliges Ökologisches Jahr) und zwei Bufdis (Bundesfreiwilligendienst). Die Kosten für regelmäßige biologische Untersuchungen übernimmt zu 80 Prozent das Land, 20 Prozent kommen vom Kreis. Die Gelder für zusätzliche Forschungsprojekte wie das Rohrdommel-Projekt zur Wiederansiedlung des Vogels (2008 bis 2012) stammen von anderen Unterstützern wie etwa der Deutschen Umweltstiftung.

Das Foto entstand 1994 vom damals neuen Aussichtsturm mit Blick auf die Wacholderheide im Elmpter Schwalmbruch. FOTO: Biologische Station Krickenbecker Seen
Quelle: RP
 
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