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Nettetal
Breyell und die "Feuerrösser"

Nettetal. Über Jahrhunderte war Breyell ein bedeutender Handelsort. Er profitierte durch die Einführung der Eisenbahn vor 150 Jahren

Das Verhältnis der Breyeller zum Anschluss an das Eisenbahnnetz und an die neuartige Technologie der "Feuerrösser" war nicht unbedingt von überschäumender Begeisterung. Breyell war seit Jahrhunderten ein bedeutender Handelsort. Neben den Kleinhändlern und Krämern gab es eine nicht unbedeutende Anzahl an Einwohner, die vom Fernverkehr mit Pferdefuhren lebten. Durch den Anschluss an das Eisenbahnnetz waren die Nordseehäfen und größeren Handelsorte viel leichter zu erreichen. Der Handelsverkehr mit Pferdefuhrwerken war nicht mehr zeitgemäß und lohnte sich nicht mehr. Breyell verlor somit seine Bedeutung als Handelsplatz.

Die Bedeutung der Eisenbahn für die Industrie erkannte der aus Wesel stammende Franz Max Beckmann. Er errichtete 1871 in der Nähe des Breyeller Bahnhofs eine größere Samt- und Seidenfabrik. Beckmann stammte aus einer Unternehmerfamilie, die seit dem 17. Jahrhundert eng mit Textilbetrieben in den Städten Bocholt, Wesel und Rhede verbunden waren.

Nach dem frühen Tod von Franz Max Beckmann 1882 verlor das Textilwerk in Breyell stetig an Bedeutung. Ab 1933 errichtete der Unternehmer Christian Rötzel in den leerstehenden Werkshallen ein Stahlwalzwerk, das für den Warenverkehr sogar einen eigenen Bahnanschluss hatte. Auch für die 1909 gegründete Dachpappenfabrik Genenger, die Lederfabrik Hoffmanns und das Breyeller Gaswerk, das im Vorbruch stand, war der Warenverkehr mit der Eisenbahn äußerst wichtig. Und: 1930 und 1954 brachte die Eisenbahn die neuen Kirchenglocken in den Ort.

Aber nicht nur für den Warenverkehr, sondern auch für den Personenverkehr taten sich mit dem Bahnanschluss neue Möglichkeiten auf. Der Breyeller Personenbahnhof wurde 1987 abgebrochen. Die Stadt Nettetal plant aber bereits seit mehreren Jahren, den Eisenbahnhaltpunkt Breyell als Knotenpunkt für den öffentlichen Nahverkehr auszubauen. Ein zweispuriger Ausbau der Bahnstrecke und eine Verbesserung der Verbindungen wäre gerade für die vielen Großstadt-Pendler, die in Breyell leben, wichtig.

Das Misstrauen der Breyeller gegenüber neuen Entwicklungen spiegelt sich sehr gut an Bescheinigungen wider, die 1866 der Breyeller Pastor für W. Deberath und L. Jansen ausgestellt hat. Beide waren in Bahnwärterhäusern an der neuen Bahnstrecke beschäftigt. Pastor Schumacher bescheinigte ihnen, dass sie gebeichtet und an der Kommunion teilgenommen haben. Auch wenn die neue Eisenbahnstrecke einen neuen Arbeitsplatz sicherte, war man sich wohl nicht sicher, ob man diesen Feuerrössern trauen durfte oder ob sie Unheil bringen würden.

Im zweiten Weltkrieg wurde die Eisenbahnstrecke auf Breyeller Gebiet mehrmals durch alliierte Flugzeuge angegriffen, wobei zahlreiche Zivilisten getötet wurden.

Quelle: RP
 
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