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Nettetal
Bürger sorgen sich um kranke Bäume

Nettetal: Bürger sorgen sich um kranke Bäume
Heike zeigt die beschädigten Blätter einer Rosskastanie. Viele Nettetaler sind deshalb besorgt. Foto: Joachim Burghardt FOTO: Meinert
Nettetal. Anwohner fragen sich: Müssen die hässlich aussehenden Rosskastanien in Lobberich gefällt werden? "Nein", sagt Heike Meinert, Leiterin des Grünflächenamtes. Das Problem ist ein winziger Schädling: die Miniermotte Von Joachim Burghardt

Sie sind winzig und richten doch große Schäden an, lassen selbst kräftige Bäume ganz schön alt aussehen: "Die Miniermotten haben nahezu alle Rosskastanien im Stadtgebiet befallen, das ist kein schönes Bild", klagt Heike Meinert. Die Leiterin des Grünflächenamtes ist leidgeprüft in Sachen kränkelnde Kastanien: "Von den 90 Bäumen im öffentlichen Raum mussten in den letzten fünf Jahren 20 gefällt werden."

Ursachen seien, wie in ganz Nordrhein-Westfalen, schädliche Bakterien und Pilze gewesen. Nun wollen besorgte Bürger auch Bäume abholzen lassen, die von der Rosskastanien-Miniermotte befallen sind. Doch die Stadt sucht nach anderen Lösungen.

"Uns liegen Bürgeranträge vor, vier befallene Rosskastanien an einer Straße in Lobberich zu fällen", berichtet Meinert. Die Baumkommission aus Verwaltung und Politik habe vor Ort die Sachlage geprüft - Ergebnis: "Die Bäume sollen bleiben. Es handelt sich lediglich um ein ästhetisches Problem, weil die Blätter hässlich aussehen." Noch drohten, so Meinert, die Rosskastanien nicht abzusterben. Deshalb folge die Stadt dem Prinzip, auf chemische Mittel im Stadtgebiet zu verzichten.

Die nur wenige Millimeter großen Motten stammen ursprünglich aus Südosteuropa, sie breiten sich seit Jahrzehnten immer weiter aus. Von dort wurden vor Jahrhunderten auch die Rosskastanien hier eingeführt und gehören seitdem zu den beliebtesten Gehölzen.

Seit dem Jahr 2000 etwa wird die Motte laut Meinert nun auch in Nettetal in Massen registriert. Die Folge: Kastanienblätter welken schon ab dem Frühsommer, bekommen braune Flecken und Löcher. Denn die kleinen Schmetterlinge legen in den Blättern ihre Eier ab. Daraus schlüpfen Larven, die sich durchs Blattgewebe fressen, dabei hohle Minengänge hinterlassen, sich verpuppen, als Motten schlüpfen und bald selbst Eier in die Blätter legen. Doch ohne gesunde Blätter könne ein Baum nicht genug Photosynthese betreiben und Kraft für den Winter sammeln.

"Man sieht an den Blättern die Minen und das abgestorbene Gewebe ringsum und die Schlupflöcher", sagt Meinert und zeigt auf das Laub einer mächtigen Rosskastanie auf dem Friedhof in Breyell. Laut Nettetaler Baumkataster stammt die Kastanie aus dem Jahr 1890.

Das Problem: Die Motten haben hier keine natürlichen Fressfeinde. Ähnlich wie beim berüchtigten Buchsbaum-Zünsler meiden Spinnentiere und vor allem Vögel die fremden Falter und ihre Motten - noch: "Nach neuen Untersuchungen wurden jetzt vermehrt Meisen beobachtet, die sich die Minierlarven picken", sagt Meinert.

Diese Erkenntnisse will sich die Stadt zunutze machen: "Wir werden im Frühjahr die Rosskastanien mit Leimringen behandeln, um die Ausbreitung der Motte zu hemmen. Vor allem aber wollen wir in den Bäumen Nistkästen aufhängen, etwa für Kohlmeisen und Blaumeisen", kündigt Meinert an. Sie sei zuversichtlich, dass die Vögel die Mottenlarven in den Bäumen als Nahrung annehmen.

Andernfalls könnten langfristig doch Probleme drohen: "Durch die Rosskastanien-Miniermotte dürfte ein gesunder Baum zwar kaum absterben, aber er könnte so geschwächt werden, dass er anfällig wird für gefährliche Bakterien", sagt die Baum-Fachfrau.

Quelle: RP
 
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