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Nettetal
Bürger wollen Müllumladung verhindern

Nettetal: Bürger wollen Müllumladung verhindern
Der Saal in der Mühle in Kaldenkirchen war voll, nicht alle Besucher bekamen einen Stuhl. Laut Veranstalter kamen mehr als 300 Interessierte. FOTO: emy
Nettetal. Bei einer Bürgerversammlung am Donnerstagabend zeigte sich deutlich: Viele sind gegen die Müllumlade-Station in Kaldenkirchen. Bürgermeister Christian Wagner sagte gestern, er sei offen für ein Gespräch Von Emily Senf

Der Slogan der Bürgerinitiative "VeNeTe - So nicht!" ist eindeutig: "Lasst uns diesen Wahnsinn stoppen." Gemeint ist die geplante Müllumlade-Station im Kaldenkirchener Gewerbegebiet Venete. Mehr als 300 Personen waren laut Veranstalterangaben zur Bürgerversammlung am Donnerstagabend gekommen. "Wir sind überwältigt", sagte Sprecher Claus Albrecht. Bürgermeister Christian Wagner (CDU) zeigte sich gestern gesprächsbereit. "Ich finde es sinnvoll, dass wir und die Vertreter der Bürgerinitiative uns zeitnah zusammensetzen", sagte er gegenüber unserer Redaktion.

Vereinfacht dargestellt sind es vier Punkte, die die Initiative befürchtet: steigende Abfallgebühren, eine Belastung durch Müllgeruch und Lkw-Verkehr, einen Wertverlust des Gebiets sowie eine Verhinderung von möglichen Arbeitsplätzen. Die Bedenken trug Sprecher Albrecht, der nach eigenen Angaben rund zehn Jahre in der Entsorgungsbranche tätig war, vor. Seit der Informationsveranstaltung durch den Abfallbetrieb des Kreises Viersen (ABV) Mitte Oktober hätten er und seine Mitstreiter viel Zeit in Recherche investiert, Zahlen zusammengetragen und mit Unternehmen und Abfallbetrieben in anderen Städten gesprochen.

Demnach trägt der ABV das volle wirtschaftliche Risiko der Anlage. "Wenn er sich verkalkuliert, zahlen wir Bürger", sagte Albrecht. Für sinkende Kosten, wie es sich der Kreis erhofft, gebe es keine belegbaren Zahlen. Zudem gebe es die Sortieranlage für Sperrmüll und Gewerbeabfälle in Viersen-Süchteln, "wozu brauchen wir eine weitere Anlage in Kaldenkirchen?" Albrecht befürchtet Belästigung nicht nur durch fahrende, sondern auch durch wartende Lkw, "es kann jeweils nur einer be- oder entladen werden". Laut Kreis soll eine Abluftbehandlungsanlage sicherstellen, dass keine Gerüche austreten. Wie Albrecht aber berichtete, habe eine Abfrage anderer Anlagen ergeben, dass die Praxis anders aussieht. "Müll stinkt ganz einfach", sagte er. Sein Fazit: "Venete ist ein tolles Gewerbegebiet, aber es ist tot und nicht mehr zu vermarkten, wenn die Müllumlade-Station kommt."

Die anwesenden Bürger stellten viele Fragen. Warum wird das Gelände erst jetzt vermarktet? Wer hat das entschieden? Was können wir dagegen tun? Dass etwas getan werden muss, darin waren sie sich einig. Die Initiative will nun ihre Möglichkeiten prüfen, beispielsweise einen Sternenmarsch als Protest organisieren, ein Bürgerbegehren anstreben, sich an den Petitionsausschuss des Landtags wenden oder einen gemeinnützigen Verein gründen, um Spenden für ein Gegengutachten annehmen zu können.

Bürgermeister Christian Wagner (CDU) war nicht bei der Versammlung dabei, verfolgte die Ergebnisse unter anderem in der Facebook-Gruppe der Initiative, zu der bis gestern Abend mehr als 1500 Personen gehörten. Den Einwand der Vertreter, dass es einen Interessenten mit Ansiedlungsabsicht und 250 Arbeitsplätzen gebe, der abspringe, wenn die Umlade-Station kommt, wies er zurück: "Wir hätten gerne einen so großen Betrieb, aber davon ist der Stadtverwaltung und der Wirtschaftsförderung nichts bekannt." Angesichts der großen Zahl an Gegnern sei er bereit, mit der Initiative zu sprechen, so Wagner: "Ich möchte die Sorgen ernst nehmen."

Quelle: RP
 
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