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Nettetal
Bürgerhaus könnte Inklusionscafé werden

Nettetal: Bürgerhaus könnte Inklusionscafé werden
Das Bürgerhaus in Kaldenkirchen soll wieder belebter werden. Deshalb unterstützt die Stadtverwaltung die Idee, ein Inklusionscafé zu eröffnen. Derzeit sind dort eine Nebenstelle des Bürgerservices und der Bücherei untergebracht. FOTO: busch
Nettetal. Das denkmalgeschütze Gebäude an der Kehrstraße in Kaldenkirchen ist weiterhin im Gespräch. Der Verein Kindertraum möchte dort gerne ein Café eröffnen sowie Wohnungen für Menschen mit Behinderung schaffen Von Christina Böttner

Es soll ein Ort der Begegnung werden. Lautes Stimmengewirr, klappernde Teller, Kellner, die durch den Laden wuseln. "Wir würden gerne ein Inklusionscafé eröffnen - nach dem Vorbild einer französischen Brasserie", sagt Ludger Peters, Vorsitzender der Elterninitiative Kindertraum, die sich um Menschen mit Behinderungen kümmert. "Diesen Traum habe ich schon seit zehn Jahren." Jetzt könnte er Wirklichkeit werden - und zwar im Bürgerhaus in Kaldenkirchen. Peters ist in Gesprächen mit der Stadt und dem Bürgerverein Kaldenkirchen, der derzeit Pächter des denkmalgeschützen Gebäudes ist.

"Für uns ist das ein gutes Konzept, das wir jederzeit mit tragen werden", sagt Bürgervereinsvorsitzender Heinz-Willi Schmitz. Auch die Stadtverwaltung Nettetal reagierte positiv auf Peters' Idee: "Das Projekt vom Verein Kindertraum finden wir gut", sagt Bürgermeister Christian Wagner (CDU) und ergänzt: "Wir wollen das Bürgerhaus wieder beleben." Denn gerade der Bürgersaal in der ersten Etage würde nicht mehr so häufig genutzt. "Es finden dort noch Trauungen statt sowie wenige Festivitäten", sagt Wagner. "Auf Dauer ist das nicht wirtschaftlich." Dass der Bürgersaal zu wenig genutzt wird, sieht Schmitz nicht ganz so, betont aber auch, dass "es auch noch andere Orte in Kaldenkirchen gibt, an denen größere Feiern veranstaltet werden können".

Womit sich der Bürgermeister hingegen schwerer tut, ist die Überlegung, die Nebenstelle des Bürgerservices und die Stadtteilbibliothek zu schließen. Beide sind derzeit in dem Gebäude an der Kehrstraße untergebracht. Deshalb suchen die Verwaltung und Peters derzeit eine Lösung. "Man könnte etwa in geringerer Form eine Ausleihe anbieten. Etwa mit Buchvorbestellungen und einem Bring- und Holdienst der Stadtbücherei", sagt Wagner. Auch Peters betont, dass ihm die Bücherei wichtig sei. "Wir werden einige Modelle durchsprechen, wie die Bürger trotzdem an ihre Bücher kommen." Das liegt auch Ulrich Schmitter, Leiter der Stadtbücherei, sehr am Herzen. "Wir wollen die Zweigstelle in Kaldenkirchen behalten. Sie ist die älteste Bibliothek in Nettetal. Wir haben viele ältere Menschen und Kinder als Kunden, die nicht motorisiert sind", sagt er. 2015 wurden in der Zweigstelle in Kaldenkirchen rund 10.000 Medien ausgeliehen.

Für den Bürgerservice, der die letzte Nebenstelle in Nettetal ist, schlägt Wagner vor: "Dort könnten wir über eine moderne E-Government-Servicestelle nachdenken."

Vor zwei Jahren ist Peters an die Stadtverwaltung herangetreten und hat seine Idee vorgestellt. Am meisten Probleme bereitet hat ihm der direkte Nachbar: die Bundeszollverwaltung. Denn um das denkmalgeschütze Gebäude barrierefrei zu machen, müsse außen ein Aufzug angebracht werden. "Nach anderthalb Jahren haben wir endlich die Genehmigung dafür erhalten", sagt Wagner. Im nächsten Schritt stehe nun ein Termin beim Landschaftsverband an, der für Menschen mit Behinderung zuständig ist.

Peters plant, neben der Brasserie im Erdgeschoss auch Apartments für Menschen mit Behinderung in der ersten Etage zu schaffen. "Dort können etwa Angestellte des Cafés leben", erläutert der Vorsitzende von Kindertraum. Im Dachgeschoss könne zusätzlich ein Büro oder eine weitere Wohnung entstehen, "in der etwa ein Betreuer untergebracht würde. Allein, um die Sicherheit der Bewohner zu gewährleisten", betont Peters, der mit der Elterninitiative mittlerweile 29 Menschen mit Behinderung im Nettetal und dem Kreis Viersen untergebracht hat.

In der Brasserie soll im Schichtdienst gearbeitet werden - fünf bis sechs der Angestellten werden Menschen mit Behinderung sein. Sie sollen dort zusammen mit Menschen ohne Behinderung arbeiten. Bis der Traum von Peters jedoch Wirklichkeit werden könnte, vergehen sicher noch zwei Jahre, sagt er.

Quelle: RP
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