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Nettetal
CDU schlägt einen Begräbniswald vor

Nettetal: CDU schlägt einen Begräbniswald vor
Den Deutschen wird eine besondere Nähe zum Wald nachgesagt. Die CDU schlägt vor, die Bestattung unter Bäumen zu ermöglichen. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Nettetal. Die Bestattungskultur hat sich in den vergangenen Jahren rapide verändert. Die Frauen-Union beschäftigt sich zurzeit mit dem Themen Alter und Tod. Daraus resultierte der Vorschlag, in Nettetal einen Friedwald anzulegen. Von Ludger Peters

In der Stadt könnte demnächst ein Begräbniswald eingerichtet werden. Auf Initiative der Frauen-Union (FU) hat die CDU-Fraktion einen entsprechenden Antrag bei Bürgermeister Christian Wagner eingereicht. "Bekanntlich befasst sich die FU Nettetal oft mit sozialen Themen. Wir haben uns in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Thema Alter und Tod befasst. Dabei ging es um Vorsorgevollmachten und Patientenverfügung und den Besuch in einem Hospiz. Demnächst steht abschließend der Besuch eines Bestattungsunternehmens an", erklärt die FU-Vorsitzende Gaby Glatz.

In diesem Zusammenhang diskutierte die Frauen-Union andere Formen der Bestattungskultur. Denn immer mehr Bürger ziehen die Feuerbestattung der bisher verbreiteten Erdbestattung vor. Sie wurde lange, auch aus christlicher Sicht, lange abgelehnt. Doch diese Bedenken sind völlig verschwunden. Zugleich gibt es immer häufiger den Wunsch, in "natürlicher Umgebung" bestattet zu werden - unter einem Baum oder in einem Wald.

Eine solche Möglichkeit gibt es in Nettetal und Umgebung nicht. Ausnahme: In Venlo gibt es einen Friedwald, dorthin sind inzwischen auch zahlreiche Nettetaler ausgewichen, weil das Angebot dieser Begräbnisform fehlt.

"Wir haben darüber durchaus mit unterschiedlichen Ansätzen beraten, sind aber am Ende darin übereingekommen, den Antrag an die Stadt zu stellen", berichtet Parteivorsitzender Hans-Jürgen Boyxen. Er räumt offen ein, selbst Bedenken geäußert zu haben. Boyxen knüpfte an seine Zustimmung die Bedingung, dass die Begräbnisse nicht anonymisiert sein sollten. "Wenn wir unser Leben für wertvoll halten, dann muss nach dem Tod eine Form der Erinnerungskultur gepflegt werden", sagt Boyxen. Er selbst besuche häufig das Grab seiner Eltern, und er besuche auch in anderen Städten schon mal Friedhöfe. Dann betrachte er auch andere Grabstätten. "Die Namen auf den Gräbern geben Menschen ihre Identität und erinnern daran, dass jeder seine Geschichte hat. Dass es Bestrebungen gibt, Gräber namenlos zu gestalten und Menschen ganz spurlos verschwinden zu lassen kommt nicht zufällig daher. Es ist bedenklich, das Leben zu bagatellisieren und nicht mehr offen zu halten, dass nach dem Tod etwas kommt. Das Signal, Asche im Wind zu zerstreuen, heißt doch, dass damit Schluss ist. Damit will ich mich nicht abfinden."

In einem Begräbniswald findet die Bestattung unter den Wurzeln von Bäumen statt. Metallschildchen oder ähnliche Hinweise erinnern an den Menschen, der hier begraben ist. Christliche Zeremonien sowie Erdbestattungen sind möglich, die Grabpflege entfällt. Die CDU regt an, eine Nutzungsgebühr zu erheben oder den Erwerb des Begräbnisbaums zu prüfen. Es sei auch denkbar, auf einer Fläche die Pflanzung eines eigenen Baumes zu ermöglichen.

Wie sich der Antrag auf das höchst angespannte Gebührensystem für Friedhöfe auswirken wird, sei nicht Gegenstand des Antrags betont Boyxen. Darüber müsse zu gegebener Zeit dann im Fachausschuss beraten werden. Es laufe ohnehin eine Prüfung des Bestattungswesens.

Quelle: RP
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