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Nettetal
Christus-Bilder in vielen Facetten

Nettetal: Christus-Bilder in vielen Facetten
"Meditative Christusporträts" hat die Künstlerin Bettina Klos gemalt. 15 dieser Arbeiten zeigt sie bis zum Karfreitag, 25. März, in der Schaager Pfarrkirche St. Anna. Besichtigt werden können sie vor und nach Gottesdiensten. FOTO: Busch
Nettetal. Die Malerin und Glasgestalterin Bettina Klos zeigt in der Schaager Pfarrkirche St. Anna 15 Bilder mit dem Christus-Kopf, der dem Schweißtuch der Veronika nachempfunden ist. Von Manfred Meis

Immer wieder hat Bettina Klos einen Druck mit dem Kopf des gekreuzigten Christus auf den Ateliertisch gelegt und weitergemalt. Hier blieb das scherenschnitthafte Gesicht erhalten, dort wurde es teilweise übermalt. Die Farben verändern den Eindruck, den das Bild beim Betrachter hervorruft. 15 dieser "meditativen Christusporträts" sind nun bis Karfreitag in St. Anna vor und nach den Gottesdiensten zu sehen.

Bettina Klos kehrt damit wieder einmal nach Schaag zurück, wo sie Jahrzehnte im Elternhaus und im Atelier ihres Vaters Joachim verbrachte. So kam die heute 56-Jährige schon früh mit der Kunst in Berührung, denn Joachim Klos war ein vielgefragter Glaskünstler, dessen Arbeiten in rund hundert Kirchen vornehmlich am Niederrhein zu sehen sind.

Sie machte zunächst eine grundsolide Ausbildung als Glasmalerin in der bekannten Glasmalereiwerkstatt Hein Derix in Kevelaer, deren Mitarbeiter sie schon bei Restaurierungsarbeiten der Katzgrau-Fenster in St. Anna bewundert hatte. Dann weist sie auf ein altes Seitenfenster mit Ornamenten, das den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hat, hin: "Das ist Grisaillemalerei, die habe ich auch noch gelernt." Doch nur schwarz und grau wollte sie später nicht mehr arbeiten, sie nahm Farben hinzu.

Bevor sie sich ins freie Künstlerleben stürzte, studierte sie ab 1984 Glasgestaltung am Stained Glass College in Swansea (Wales). 1981 hatte sie ihren Vater als Übersetzerin begleitet, als er dort einen Workshop abhielt. Zum Diplom 1987 erhielt sie den Howard Martin Design Award für eine der vier besten Abschlussarbeiten. In Deutschland setzte sie ihre Studien bis 1990 an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart fort, so dass sie sich Diplom-Designerin nennen darf. Zwischendurch war sie jeweils für einige Wochen noch Teaching Assistant bei Kursen in den USA, Australien und Neuseeland.

Bettina Klos sieht sich als Glasgestalterin, die "Bilder in die Architektur des Raumes einbezieht". Als Vorteil sieht sie ihre handwerkliche Ausbildung an, denn damit weiß sie, "was machbar ist, was verbleit, verlötet und vorn und hinten verkittet werden muss". So hat sie 2005 das Auferstehungsfenster in der Schaager Friedhofskapelle vom Entwurf über die Auswahl der Gläser bis zur letzten Lötnaht gestalten können - ganz ihr eigenes Werk. Ihr handwerkliches Können überzeugte die Auftraggeber bei den Reinigungs- und Restaurierungsarbeiten der Fenster in der Mariä-Himmelfahrtskirche (heute City-Kirche) Mönchengladbach, die einst ihr Vater geschaffen hatte. Auch die Benediktinerinnen der Abtei Mariendonk in Grefrath vertrauten ihr die Restaurierung des Klosterkreuzgangs an.

Die Glasgestalterin ist aber auch Malerin. Bei ihren Christusbildern, die zuletzt in St. Cosmas und Damien in Rees-Bienen unter den Glasfenstern ihres Vaters gezeigt wurden, setzt sie Pastellkreide, Druck-, Blei- und Ölfarben ein und schafft Zyklen: Blau, rosa-violett, grün und gold charakterisieren Mysterium, Passion, Hoffnung und "Allumfassende Liebe". Kräftige Flächen wechseln mit zarten Strichen ab. Den vielen Deutungen des legendären Schweißtuch-Abdrucks fügt sie weitere hinzu, doch "es bleibt ein Mysterium".

"Kreative Porträtmalerei" lehrte und lehrt Bettina Klos an den Grundschulen in Schaag und Breyell, damit Kinder sich ein Gefühl für Form und Farbe aneignen. Sie widmet sich aber auch Porträts von Mensch und Tieren. Ein "freier Künstler muss auch von etwas leben, denn die Aufträge für Glasgestaltung sind rar geworden", sagt sie. Ihre Bilder hat Klos in zahlreichen Ausstellungen bundesweit und in Tschechien gezeigt; besonders gefreut hat sie, dass sie auch in Weida (Thüringen), der Geburtsstadt ihres Vaters, ihre Arbeiten zeigen konnte. In St. Anna hatte sie schon einmal Bilder ausgestellt, in der Werner-Jaeger-Halle waren ihre Werke zuletzt 2006 zu sehen. Anfang vergangenen Jahres hatte sie Pfeilgiftfrösche aus dem Amazonasgebiet "porträtiert", die im Info-Zentrum der Biologischen Station Krickenbecker Seen gezeigt wurden. Grelle Öl- und Acrylfarben signalisierten: Vorsicht, nicht berühren! Doch die Tiere versprühten kein Gift. Sie sahen aber so aus, als ob sie es könnten.

Quelle: RP
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