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Nettetal
Das Ehrenamt findet zu wenig Respekt

Nettetal: Das Ehrenamt findet zu wenig Respekt
Renate Dyck ist eine der erfahrensten Politikerinnen im Nettetaler Stadtrat. Bereits in den 1970er-Jahren gehörte sie dem Rat an, nach kurzer Unterbrechung kehrte sie vor sechs Jahren zurück in die Fraktion. FOTO: Busch
Nettetal. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Renate Dyck beklagt den Umgang mit ehrenamtlich arbeitenden Menschen. Die Flüchtlings- und Schulpolitik sowie die Beratungen über die Werner-Jaeger-Halle prägen die kommenden Monate. Von Ludger Peters

Die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen, die Entscheidung über die Zukunft der Werner-Jaeger-Halle sowie über die künftige Schullandschaft in der Stadt sind nach Auffassung der SPD-Fraktionsvorsitzenden Renate Dyck die politischen Themenschwerpunkte im kommenden Halbjahr.

Harsche Kritik übt sie generell am Umgang mit ehrenamtlich tätigen Bürgern. Vor allen Dingen Behörden handelten häufig im krassen Widerspruch zu den Lobreden führender Politiker und Amtsträger: "Das sind Sonntagsreden ohne besondere Bedeutung. Man beruhigt sich und die Zuhörer. Die Wirklichkeit ist eine ganz andere. In Briefen und Unterredungen schlagen manche Behördenvertreter einen Ton an, der nicht angemessen und respektlos ist. Das kann man auch nicht hinter angeblichen Pflichten verbergen, die man als Behördenvertreter hat", klagt Dyck. "Vielfach fehlt die Willkommenskultur für Ehrenamtliche", fügt sie hinzu.

Das sei einerseits eine ganz persönliche Erfahrung, das höre sie aber auch immer wieder von anderen. Renate Dyck ist seit Jahren im Vorstand des Sportvereins SuS Schaag tätig. Sie weiß, dass es "eine lange Liste von Bürgern gibt, die sich in der Stadt engagieren. Sie opfern ihre knapp bemessene Freizeit über berufliche Verpflichtungen hinaus, das gilt selbst für den Urlaub. Leider gibt es auch in der Stadtverwaltung eine manchmal unfreundliche Haltung gegenüber dem Ehrenamt. In einigen Bereichen weiß ich von Dauer-Ärger auch mit anderen Behörden", berichtet sie.

Für Renate Dyck grenzt es an ein kleines Wunder, dass viele Bürger dennoch weitermachten und sich nicht entmutigen ließen. Allerdings dürfe sich niemand darüber wundern, dass in jüngeren Generationen die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Verantwortung gegen Null tendiere. "Ich kann sehr gut nachvollziehen, wenn Frauen und Männer sagen, sie hätte es nicht nötig, sich in Behörden herunterputzen und gar mit Maßnahmen bedrohen zu lassen, weil sie als Ehrenamtler nicht perfekt sind."

Eine ganz andere Herausforderung muss der Stadtrat in den kommenden Monaten abwenden. Die Gemeindeprüfungsanstalt hat eine Reihe von Aufgaben zum städtischen Haushalt verordnet. Große parteipolitische Auseinandersetzungen erwartet die SPD-Politikerin nicht. Ihre Fraktion vertrete etliche Positionen, die auch die CDU und FDP verfolgen. "Eventuell liegen auch die Grünen grob auf dieser Linie. Aber viel Spielraum bleibt uns allen ohnehin nicht", sagt sie.

Große Sorgen bereitet ihr, wie die Stadt die Zuweisungen von Asylbewerbern bewältigen kann. Dankbar ist sie der Verwaltung dafür, dass es vor wenigen Tagen ein Informationsgespräch mit den Fraktionsspitzen gab. "Wir fühlten uns anschließend gut und umfassend informiert. Nach unserem Eindruck wird da sehr engagiert und zielgerichtet gearbeitet", meint der Fraktionsvorsitzende. Der rasante Anstieg zuletzt sei nur noch sehr schwer zu meisten. "Unsere Kapazitäten sind nahezu erschöpft. Es gibt Gespräche über Immobilien, aber selbst bei erfolgreichem Abschluss können die nicht sofort bezogen werden", berichtet sie mit Blick auf den soeben gefassten Dringlichkeitsbeschluss für weitere Mietverträge.

"Ganz klare und konkrete Inhalte" erwartet Renate Dyck nach den Ferien von der Verwaltung zur weiteren Beratung über die Werner-Jaeger-Halle. Die SPD fordert, dass wegen der Fachlichkeit ein Theaterplaner eingeschaltet wird. Es gehe jetzt darum, eine wirtschaftlich vertretbare, sinnvolle und auf Nachhaltigkeit ausgelegte Entscheidung zu treffen. Auf jeden Fall gelte jetzt: "Die Verwaltung muss liefern."

Auf einem grundsätzlich guten Weg sei die Stadt inzwischen in der Schulentwicklung. Hier gebe es in den Fraktionen weitgehende Übereinstimmungen in der Beurteilung der Zukunft der weiterführenden Schulen. Dringend erforderlich ist aus Sicht der SPD, dass die Kommunikation mit den Schulleitern in den Beratungen verbessert wird. Sie sollten frühzeitig gehört werden.

Quelle: RP
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