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Nettetal
Den Kellner haben sie mitgenommen

Nettetal: Den Kellner haben sie mitgenommen
Sandra und Jürgen Peterburs sind mit ihrem Restaurant-Pizzeria "Frontiera" umgezogen von der Steyler Straße zur Bürdestraße. Im ehemaligen "Kolbenklemmer" wollen sie ihre Gäste bewirten. Der alte Kellner ging mit. FOTO: Burghardt
Nettetal. Die Pizzeria Frontiera hat nun ihren Sitz an Bürdestraße im ehemaligen Kolbenklemmer. Eröffnet wurde das Ristorante vor fast 40 Jahren an der Steyler Straße und ist damit wohl eine der ältesten Pizzerien der Region. Von Joachim Burghardt

Still und steif steht er da. Er hält unerschütterlich sein Tablett hoch. Vielleicht spekulierte der Kellner früher auf ein Trinkgeld, heute präsentiert er auf dem Tablett Visitenkarten. "Der Kellner war von Anfang an da" erinnert sich Jürgen Peterburs. Scherzhaft nimmt er mit seiner Frau Sandra die hölzerne Kellnerfigur im Kolonialstil in den Arm. Sie ist zu einem Markenzeichen der Pizzeria Frontiera in Kaldenkirchen geworden. Es gibt sie zwar fast 40 Jahre lang an der Steyler Straße 25. Nun ist sie umgezogen an die Bürdestraße 22a, an den Rand des Grenzwaldes im Kreuzmönchdorf.

"Ja, fast 40 Jahre lang, damit ist Frontiera hier wohl die älteste Pizzeria", vermutet Sandra Peterburs. Sie erzählt von Traditionen und Stammgästen und natürlich vom Gründer der Pizzeria: "Mein Schwiegervater Vittorio di Marino hat das Lokal damals eröffnet." Aus Neapel sei er "der Liebe wegen" nach Kaldenkirchen gekommen. Bald schon wurde der stets freundliche Italiener mit dem zuletzt weißen Haar zu einer beliebten Institution. Legendär sind heute manche Weinrunden in seiner Pizzeria mit befreundeten Kaldenkirchener Geschäftsleuten.

Vittorio starb vor rund drei Jahren. Geblieben sind die Pizzeria, das Konzept und die Leidenschaft: "Vittorio war mit Leib und Seele Koch. Sein Sohn, mein Mann also, ist das auch", sagt Sandra Peterburs. So seien seit Jahrzehnten die Involtini, sizilianische Rouladen, sowie die Pizza Pit, eine vegetarische Pizza, Hits auf der Speisekarte: "Manche Stammgäste sind uns seit der Eröffnung treu, darunter sind auch sehr viele Niederländer", erzählt sie.

Alles lief also gut an der Steyler Straße. Trotzdem gibt es nun den Umzug, der Bewegung in die Kaldenkirchener Gastronomie-Szene bringt. "Die Idee hatte schon mein Schwiegervater. Es müsse ein Lokal mit einer Terrasse oder einem Biergarten her", erinnert sich die Kaldenkirchenerin. Tradition und Nostalgie allein seien auf Dauer keine Erfolgsgaranten in der Gastronomie-Szene, auch wenn für viele Stammgäste das Lokal an der Steyler Straße "das kleine alte Wohnzimmer" war: "Vieles hat sich geändert, die Kunden heute erwarten Platz, sie wollen vor allen Dingen auch draußen sitzen."

All das bietet die neue Lokalität, in der früher das Restaurant "Zum Kolbenklemmer" zuhause war: Draußen hat es viele Sitzplätze auf der Terrasse mit Blick auf den Saum des Grenzwaldes. Zusätzlich soll noch ein Spielplatz hinterm Haus hergerichtet werden. Drinnen ist - gerade im Vergleich zum früheren Restaurant - alles großzügig und trotzdem immer noch behaglich. Große Blumenkästen und antike Möbel prägen den Raum, sie teilen ihn auch auf.

Wer eintritt und sich umsieht, wird als Stammgast über dem Eingang das alte Original-Schild "Frontiera", was übrigens "Grenze" heißt, wieder sehen. Es hing über viele Jahre am Restaurant in der Steyler Straße. An der Wand gegenüber prangt ein mediterranes Gemälde mit der Inschrift "Grazie di tutto" über einem Bild des Gründers: "Das heißt 'Danke für alles', und Vittorio ist auch hier noch bei uns", lächelt Sandra.

Sie und die knapp ein Dutzend Mitarbeiter sind überzeugt, dass Stammgäste und neue Kunden leicht den Weg zur neuen Adresse an der Bürdestraße finden und sich auch dort wohlfühlen werden. "Wir planen ja auch weiter. So werden wir dem Wunsch nach preiswertem Mittagstisch nachkommen, vielleicht auch mal Abende mit Musik anbieten", sagt die Chefin und verrät: "Im Juni feiern wir dann offiziell das 40-jährige Bestehen unserer Pizzeria Frontiera". Auch im Mittelpunkt wird dann wohl die alte Kellnerfigur stehen, ist sie doch ein Schmuckstück aus Gründertagen - Jürgen Peterburs: "Der Kellner gehört einfach dazu."

Quelle: RP
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