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Nettetal
Der Erdwolf trifft auf Kriegskinder

Nettetal. Eröffnung der Ausstellung "Atelierhaus Lierenfelder Straße" am Sonntag in der Werner-Jaeger-Halle.

In der Städtischen Galerie Werner-Jaeger-Halle wird am Sonntag um 12 Uhr eine ganz besondere Ausstellung eröffnet. Der Titel "Atelierhaus Lierenfelder Straße" führt nach Düsseldorf. Sechs Künstler, die dort in dieser früheren Gewerbeimmobilie ihr Atelier haben, wurden ausgewählt und nach Nettetal eingeladen. Und wer das Foyer der Halle betritt, sieht mit einem Blick, dass es sich um höchst unterschiedliche Arbeiten - Themen, Stile, Materialien - handelt.

In alphabetischer Reihenfolge beginnt der Künstlerreigen bei Jon Thor Gislason. Der gebürtige Isländer, der in seiner Heimat einst Rockmusiker war, studierte Malerei in Stuttgart, bevor er ins Rheinland kam. Im Mittelpunkt seiner oftmals verstörenden Bilder stehen Kinder, für ihn Zeichen für Zukunft. In "Kriegskinder" verarbeitet er tägliche Nachrichtenbilder, Graffiti an Großstadtwänden und philosophische Gedanken zum Individuum.

Schriften und Tierfiguren spielen eine große Rolle bei Mechthild Hagemann. Reale gesellschaftliche Konfliktfelder werden durch Tiere ("Erdwolf") keineswegs verharmlost, sondern durch bissige Texte pointiert. Sie studierte in Münster und Düsseldorf, etwa bei Gotthard Graubner. Monika Held, die ebenda bei Erwin Heerich studierte, malt das, was sie sieht, wenn sie in ihrem Atelier an der Lierenfelder Straße aus dem Fenster schaut. Es sind kühle, sachlich dargestellte Gewerbebauten und Bäume. Das Motiv tritt dabei zurück, die Farbe und der malerische Prozess gewinnen an Bedeutung. In der oberen Galerie hat sie Farbreste auf Pappteller gekleckst und zeichnerisch in witzige, neue Zusammenhänge gebracht.

Alexandra Klawitter ist die einzige in der Ausstellung, die plastisch arbeitet. In ihren Bronzeplastiken widmet sie sich mit Vorliebe der Tierwelt, vom kleinen Vogel bis zur lebensgroßen "Ziege Heidrun". Andererseits lässt sie kleine Landschaften entstehen, Bäume mit Affen oder einen Alu-Bonsai mit Nutria. Klawitter studierte in Bremen und Halle. Uwe Kubiak kombiniert in seinen Schwarz-Weiß-Arbeiten Strukturen: Er fügt nach ausgeklügelter Methodik Dreiecke und Quadrate zusammen - mit ganz überraschenden Effekten. Judith Nothnagel kombiniert Fotografie, Malerei und Bildbearbeitung am Computer zu Motiven, die das Leben auf öffentlichen Plätzen reflektieren.

Die Ausstellung läuft bis 27. November. Zur Eröffnung am Sonntag 12 Uhr spricht RP-Redakteur Heribert Brinkmann zu den Werken.

(hb)
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