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Nettetal
Der Jugend über Grenzen hinweghelfen

Nettetal: Der Jugend über Grenzen hinweghelfen
Weitgehend leer liegt die Villa Flora, eines der Hauptgebäude der Floriade 2012, mancher Traum einer Anschlussnutzung zerplatzte. Mit dem Projekt "Brightland" der Fachhochschule HAS verknüpft Venlo neue Hoffnungen. FOTO: Busch
Nettetal. Die Euregio Rhein-Maas-Nord will mit dem Projekt "Xperience" berufliche Bildungswege in ihrem Gebiet ebnen. Parallel dazu baut die Fachhochschule HAS am Greenport Venlo ihr Campus-Projekt "Brightlands" in nächster Zeit auf. Von Ludger Peters

Nimmt ein junger Mensch aus Nettetal einen Ausbildungsplatz in Venlo an oder umgekehrt ein Venloer in Kaldenkirchen, dann ist das eine Rarität. Die Zahl der beruflichen Grenzpendler zwischen Limburg und dem Niederrhein ist ohnehin viel geringer, als landläufig vielleicht geglaubt wird. Die Euregio Rhein-Maas-Nord will im Rahmen der neuen Förderkulisse Interreg V nun ein Projekt auflegen, das junge Menschen aus dem jeweils anderen Land die Ausbildungs- und Arbeitswelt näher bringt.

Die Verbandsversammlung billigte gestern in Krefeld das Projekt "Xperience", das Geschäftsführer Andy Dritty ausführlich vorstellte. Ob es kommende Woche den Lenkungsausschuss überzeugt, ist offen. Der neue, für Euregionalität verantwortliche Deputierte der Provinz Limburg, Hans Teunissen, wies auf Bedenken in Maastricht hin. Vorbehaltlich der Vollfinanzierung durch EU (50 Prozent), Land NRW und Limburg (je 15 Prozent) wird die Euregio (Eigenanteil 30 Prozent oder 33 000 Euro) am 1. Juli starten.

Deutsche und niederländische Berufskollegs im Euregiogebiet sind bereit mitzumachen. Es gibt an einigen Schulen konkrete Startvorbereitungen für den Beginn des neuen Schuljahrs im August. Sie sind, im Gegensatz den den Hochschulen im Grenzraum, nicht sonderlich gut vernetzt (wenn überhaupt). Gewinnen will das Projekt die jungen Menschen, die Kollegs und auch Betriebe für Workshops, Praktika, Dozententätigkeit und anderes mehr. "Wir wollen jungen Menschen den Zugang zum Arbeitsmarkt im gesamten Grenzraum öffnen, ihr Bewusstsein dafür schärfen, dass im anderen Land auch ausgebildet und gearbeitet wird", erklärte Dritty.

In Workshops werden die unterschiedlichen Kulturen beider Länder erarbeitet - in den Niederlanden kennt man keine Ausbildungsvergütung. Es geht um sprachliche und interkulturelle Kompetenzen, um die Entwicklung einer euregionalen Bildungslandschaft und vor allem auch darum, die Nachfrage und das Angebot nach und für Fachkräfte zu bündeln.

Der Businessclub Maas-Rhein hat für die Arbeitgeberseite bereits seine Unterstützung zugesichert. Er will im Rahmen seiner Möglichkeiten beispielsweise Firmenbesuche und die Vermittlung von Praktika anstoßen. Das Projekt soll vier jahre laufen und wird in zwei Jahren evaluiert. Dritty weiß auch, dass die Euregio damit nicht das Rad neu erfindet, sondern anknüpft an ähnliche Projekte. So richtig gezündet haben sie aber alle nicht. Es gab zeitweilig deutsche Schüler in der Venloer berufsschule (Gilde Opleidingen), auch die Kreishandwerkerschaft hat den Austausch deutscher und niederländischer Jugendlicher ge- und befördert. Nachhaltig sind diese Projekte alle nie gewesen, weil die Strukturen des jeweils anderen Landes nicht passen. Einmal mehr wurde auch die beschränkte Mobilität im Grenzraum angesprochen. Ein Jugendlicher kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln gar nicht oder nur mit hohem Aufwand Berufscollegs und Arbeitsstellen im anderen Land erreichen.

Der Verbandsversammlung präsentierte gestern außerdem Frans Van Leijden die Pläne des Campus Greenport Venlo. Auf dem Floriadegelände wird die auf Agrobusiness spezialisierte Fachhochschule HAS aus s'Hertogenbosch einen virtuellen Campus "Brightlands" einrichten. Er ist offen für Betriebe und andere Beteiligte, soll Grundlagen- und Produktforschung betreiben und im Prinzip Innovationen selbst oder mit anderen entwickeln. Einbinden will Brightland alle Bildungseinrichtungen vom Berufskolleg bis zur Universität - es gibt Kontakte zur RWTH Aachen und zum Fraunhofer Institut. Zusammenarbeit gibt es mit Green-Tech-Lab oder auch dem Blue Innovation Center Venlo. Im Innovaturm auf dem einstigen Floriadegelände wird seit Februar an konkreten Vorhaben gearbeitet. Das auf zehn bis 15 Jahre angelegte Projekt wird von der Provinz Limburg und der Stadt Venlo wird nach Angaben des Euregio-Präsidenten Antoin Scholten, Bürgermeister in Venlo, mit annähernd 200 Millionen Euro gefördert.

Quelle: RP
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