| 00.00 Uhr

Nettetal
Der Klimamanager muss es richten

Nettetal. Die Stadt Nettetal unterstützt die aktuelle Aktion der NRW-Verbraucherzentrale zur Energieberatung. Sie selbst will demnächst ihre eigenen 70 Gebäude auf Möglichkeiten der Energieeinsparung untersuchen lassen. Von Manfred Meis

Susanne Fritzsche ist eine ziemlich coole Frau. Die Technische Beigeordnete der Stadt strahlte nur 34,1 Grad Wärme ab, als sie sich im Flur des Rathauses als Model für ein Thermographiefoto zur Verfügung stellte. Ihre linke Hand steckte zudem in einem dick gepolsterten Handschuh; durch ihn drang keinerlei Wärme nach draußen, wie die dunkelblaugrüne Färbung auf dem Foto später signalisierte. Die rechte Hand dagegen leuchtete gelbrot: Da wird Wärme nach außen abgegeben. Die Demonstration am lebenden Objekt war der Clou einer Aktion der NRW-Verbraucherzentrale zur Energieberatung.

Weil bei zahlreichen Häusern immer noch zu viel teuer erzeugte Energie durch Türen, Fenster und Dächer nach außen dringt, will die Verbraucherzentrale den Eigentümern von Ein- und Zweifamilienhäusern helfen, Energielecks aufzuspüren. Dazu macht ein professioneller Thermograf Außenaufnahmen eines Hauses, die von einem Energieberater gedeutet und den Hausbesitzern in einem 90-Minuten-Gespräch erläutert werden. "Wir wollen zielgerichtet Schwachstellen erkennen. Die Thermo-Fotos sind nicht selbsterklärend, sondern können zu Fehlschlüssen führen", erläutert Energieberater Oliver Grybowski von der Verbraucherzentrale. Sie seien mit dem Ortstermin "eine sehr gute Grundlage, um ein Gesamtkonzept für Energieeinsparungen zu erarbeiten".

Weil die Verbraucherzentrale eine neutrale Energieberatung garantiere, unterstütze der Kreis Viersen die Aktion, sagte Andreas Budde, Technischer Dezernent der Kreisverwaltung. Der Kreis wolle in Sachen Energieberatung koordinieren und bündeln und auch kleineren Gemeinden, die keine eigenen Berater einstellen, helfen. So lasse sich Niederkrüchten durch den Kreis beraten. Weiterer Baustein ist die Aktion "Ökoprofit" für Unternehmen, die jetzt mit zwölf Firmen angelaufen ist, darunter vier aus Nettetal. Die Stadt hatte das Projekt vor einigen Jahren auch schon umgesetzt.

Als wichtig sah Budde die Unabhängigkeit der Beratung an, weil nur so die bestmögliche Beratung garantiert werden könne. Nach einem Auftritt in Viersen war nun Nettetal im Kreis die zweite Station der Verbraucherzentrale, um der Aktion zur Popularität zu verhelfen. Die für Thermographie und Beratung verlangten 165 Euro seien gut angelegtes Geld, meinte Budde. Dem stimmte seine Nettetaler Kollegin Fritzsche zu: "Man kann vieles falsch machen und Geld verbrennen, denn nicht alles, was angeboten wird, ist auch sinnvoll."

Geld packt demnächst auch die Stadt Nettetal an, die "ja Vorbild sein muss", teilte Fritzsche mit. Nach dem vom Stadtrat beschlossenen Klimaschutzkonzept wird ein voraussichtlich zusätzlich ein Bauingenieur eingestellt: "Die Ausschreibung läuft." Er oder sie soll sich als Klimamanager für drei Jahre vor allem um die 70 Gebäude der Stadt kümmern und herausfinden, wo bei ihnen Energie gespart werden kann und was dies zunächst einmal in Investitionen kostet. Fritzsche rechnet damit, dass vor allem die Gebäude aus den 1950er- und 1960er-Jahren erheblich "energetisch ertüchtigt" werden müssten.

Einen weiteren möglichen Beitrag der Stadt zur Energiewende sieht die Beigeordnete in der Windenergie. "Das ist der nächste Bereich, den wir untersuchen werden", kündigte sie an, nannte aber keine näheren Einzelheiten. Windenergie wird in Nettetal bisher nur auf den Hinsbecker Höhen und westlich von Schaag erzeugt.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Nettetal: Der Klimamanager muss es richten


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.