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Nettetal
Der Seemann ist wieder da

Nettetal: Der Seemann ist wieder da
Der Seemann an der Englischen Post in Kaldenkirchen wurde aufwendig restauriert. FOTO: jobu
Nettetal. Die historische Englische Post in Kaldenkirchen ist von außen fertig restauriert. Zwei Künstler haben das alte und beliebte Symbol des Speditionsgewerbes und der Handelsschifffahrt erneuert Von Joachim Burghardt

Ein Seemann blickt von oben auf Kaldenkirchen herab. Ein kräftiges, markantes Mannsbild, das, wenn auch mit Bart, als Vorlage gedient haben könnte für die Comic-Figur Popeye. Frisch und lebendig sieht er nun aus. Doch vor Monaten noch war er verblasst, zerfleddert, schien er verschluckt vom Nebel der See, als löse er sich darin auf. Die Frischzellenkur verpassten ihm zwei Kaldenkirchener Künstler dem Seemann an der Fassade der historischen "Englischen Post", die gerade restauriert und renoviert wird. "Holger Seeling und ich haben das Bild in rund vier Wochen mit Liebe und Mühe wiederhergestellt", sagt Nicole Terstappen.

Jahrzehnte lang war der Seemann das Wahrzeichen für das geschäftige Treiben in der Englischen Post an der Leuther Straße 2 hinterm Bahnhof: Dort wurden Pakete abgefertigt, die von der damaligen Grenzstadt Kaldenkirchen über die Niederlande per Schiff nach England transportiert wurden - daher der Name Englische Post. "Dort kam auch der Tabak aus Ostindien für die Zigarrenindustrie in Kaldenkirchen an", sagt Seeling. So war das Bild des Seemanns gleichsam das Symbol für die internationalen Transporte auf dem Seeweg, die seit 1880 federführend von der Spedition C.A. Niessen betrieben wurden. Von Kaldenkirchen aus via Hoek van Holland und Harwich. Weshalb der Name der Spedition ebenfalls runderneuert an der Giebelseite unterm Bild des Seemanns prangt.

Noch vor wenigen Monaten war die Farbe am Gebäude abgeblättert, der Seemann an der rechten Seite der Fassade war stark verblasst. FOTO: Burghardt Joachim

"Der Besitzer der Englischen Post, Ingo Friebe, hatte uns gefragt, ob wir das Bild nicht erneuern könnten", sagt Terstappen. Für die beiden nicht nur eine künstlerische Herausforderung. Seeling: "Wir kennen wie viele Kaldenkirchener noch das Originalbild aus unserer Kindheit, da ist es schon was Besonderes, ein Merkmal des historischen Stadtbildes wieder herzustellen."

Doch bevor es an Farben und Pinsel ging, hieß es recherchieren: "An der Fassade waren nur noch Fragmente des Bildes zu erkennen, es gab kaum brauchbare Dokumente, die beste Darstellung des Originals fanden wir klitzeklein auf einer alten holländischen Briefmarke", erzählt Seeling. Die kleinen Darstellungen vergrößern, eine reproduzierbare Vorlage erstellen, das farbliche Konzept an die beige Fassade anpassen - die Vorbereitungen waren aufwendig. "Wir haben nach dem Wunsch von Ingo Friebe alles in Grautönen gehalten, arbeiteten hoch oben auf dem Gerüst, und nach jedem Vorgang mussten wir immer erst alles trocknen lassen", schildert Terstappen ihr Vorgehen.

Nur wenige Tage dauerten die reinen Malerarbeiten, doch mit den Trockenphasen und Nachstrichen kamen schnell vier Wochen zusammen. "Die Nachbarn und einige Kaldenkirchener, die die Fassade schon gesehen haben, freuen sich, dass der Seemann wieder da ist", sagt Seeling. Terstappen ergänzt: "Wir sind glücklich, dass wir dazu beitragen konnten, dass die Englische Post jetzt wieder so schön aussieht." Auch Friebe ist zufrieden: "Es ist sehr gut gelungen." Das Bild habe nach den Vorgaben des Denkmalsschutzes möglichst originalgetreu nachempfunden werden müssen. Und das sei eine anspruchsvolle Aufgabe gewesen, die "hervorragend umgesetzt" wurde.

Der Besitzer will das historische Gebäude als Wohnhaus herrichten. Außen ist fast alles fertig, die Sanierung innen könne sich noch "bis Herbst nächsten Jahres hinziehen". Umso schöner sei es "sicher für viele Kaldenkirchener", sagt Friebe, dass "nun eins der Wahrzeichen der alten Grenzstadt wieder zu sehen ist".

Quelle: RP
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