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Nettetal
Deutsch lernen im Müttercafé

Nettetal. Das Bürgerbüro und die Flüchtlingshilfe haben in Breyell ein Mutter-Kind-Café für Asylsuchende ins Leben gerufen Von Jannetta Janssen

Grace strahlt, als sie zur Tür des Bürgerbüros Breyell hereinkommt. Ihre beiden Töchter hat die Nigerianerin zum Start des Mutter-Kind-Cafés mitgebracht. Die kleine Mawena zieht es sofort auf den Spielteppich zu den Bauklötzen. Nach und nach kommen immer mehr Frauen, die ihr Heimatland aus unterschiedlichen Beweggründen verlassen mussten. Sie leben nun seit einiger Zeit in der Erstaufnahme in Nettetal und warten darauf, auf die Kommunen verteilt zu werden. Betty aus Eritrea ist da schon viel weiter. Sie lebt mit ihrem Sohn in einer Wohngemeinschaft in Breyell und spricht schon gut Deutsch. Auch sie ist neugierig auf die Frauenrunde.

Auf Anhieb herrscht Sympathie füreinander. Die Frauen sprechen unterschiedliche Sprachen und doch lachen sie miteinander, als wären sie seit langem befreundet und würden sich im Bürgerbüro zum Kaffeeklatsch treffen. Genau das ist es, was Manuela Nazemi, Leiterin des Bürgerbüros Breyell, einer Trägerschaft des Caritasverbandes Viersen, in Kooperation mit der Flüchtlingshilfe Nettetal erreichen wollte: "Wir wollten einen offenen Treff schaffen, wo sich Mütter aus aller Welt mit ihren Kleinkindern regelmäßig austauschen können."

Zudem sollen die anderthalb Stunden auch fürs Deutschlernen genutzt werden. Und da haben die Frauen von der Flüchtlingshilfe verschiedene Ideen, die sie nach und nach umsetzen wollen. Niemand soll sich sofort zu Anfang überfordert fühlen. Deshalb stimmt Hayfa Kassas, Vorsitzende des Integrationsrats der Stadt Nettetal, ein Kinderlied an, das den sieben Müttern am Tisch bekannt zu sein scheint und alle singen und klatschen fröhlich mit. Auch die Kinder stehen sofort vom Spielteppich auf und bewegen ihre Lippen zu dem fröhlichen Kinderlied mit.

Alle 14 Tage wollen sie sich deshalb jeden Donnerstag an der Berliner Straße 8 in Breyell treffen. Aber: "Sie hoffen täglich darauf, Nachricht von der Bezirksregierung zu erhalten, um dann endlich mit ihren Familien den nächsten Schritt gehen zu können", sagt Hayfa Kassas. Doch es sind genau solche Veranstaltungen, die die Frauen für einige Stunden von dem, was sie auf ihrer Flucht nach Deutschland erlebt haben und ihrem Alltag in Flüchtlingsunterkünften, ablenken.

Manuela Nazemi erklärt ihnen den weiteren Ablauf. Sie spricht ganz langsam. Die Frauen verstehen nicht alles. Zur Sicherheit wird noch in Englisch und Arabisch übersetzt. Zum Abschluss gibt es ein einfaches Zahlenspiel. Jede der Frauen bekommt eine Zahl vorab zugewiesen. Nun müssen sie genau aufpassen. Grace versucht es: "Wer hat die Nummer eins?", sagt sie laut in die Frauenrunde. Angela von der Flüchtlingshilfe Nettetal meldet sich: "Ich habe die Nummer eins" und hält ihr Kärtchen hoch.

So vergeht die Zeit wie im Fluge und die Frauen freuen sich bereits auf das nächste Treffen.

Quelle: RP
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