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Nettetal
Die "Alte Kirche" wird auch das überstehen

Nettetal: Die "Alte Kirche" wird auch das überstehen
Im April gastierte das "bernsteyn-Ensemble" mit Klezmer-Musik in der Alten Kirche. Dazu wurden Texte von Hanns-Dieter Hüsch gelesen. FOTO: Busch
Nettetal. Das Bistum Aachen wird Lobberichs Wahrzeichen ebenso wie einige andere Kirchen in der GdG Nettetal nicht länger finanzieren. Von Ludger Peters

Werner Backes ist ungehalten. Ihn ärgert schon seit Wochen, dass das Bistum Aachen sich allmählich überall aus der Mitfinanzierung kirchlicher Immobilien herauszieht. In Nettetal wird die Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) künftig nur noch Fördermittel aus Aachen für die drei großen Kirchen in Lobberich, Breyell und Kaldenkirchen erhalten. Backes kennt die Hintergründe. Das "Kirchliche Immobilienmanagement" des Bistums Aachen - kurz KIM - steht fest.

1967 hat Werner Backes mit etlichen anderen jungen Menschen in der Pfarrgemeinde St. Sebastian die Ärmel aufgekrempelt und ist in die Alte Kirche, die auch dem heiligen Sebastian geweiht ist, vom Schutt befreit. Sie war durch den Beschuss Lobberich durch die Artillerie US-amerikanischer Truppen im März 1945 erheblich beschädigt worden. Soldaten der Wehrmacht hatten es sich in den Kopf gesetzt, den Ort noch einmal zu verteidigen. Ein unsinniges Unterfangen, das zahlreiche Tote und Verwundete forderte und im Ort für weitere kriegsbedingte Zerstörung sorgte.

1969 las der damalige Kaplan Günter Klußmeier eine Messe, die vor allem viele junge Menschen anzog. FOTO: Meis/Repro: Busch

Mehr als zwanzig Jahre dauerte es, bis sich in der Aufbruchstimmung der Jugend in damaliger Zeit eine Gruppe in der Pfarre darauf besann, die alte Kirche dürfe so nicht vernachlässigt werden. Seite an Seite schufteten sie und räumten den Schutt aus der Kirche heraus. Damit setzten sie die Tradition fort, den Abbruch der Kirche zu verhindern. Denn als die neue doppeltürmige Kirche St. Sebastian 1893 geweiht wurde und auch die wirtschaftliche Stärke Lobberichs als Standort von Textil- und Metallindustrie in aller Deutlichkeit demonstrierte, sollte das alte Gotteshaus abgetragen werden.

Lobbericher Bürger wollten sich damit nicht abfinden. Sie sammelten Geld und stemmten sich mit Erfolg gegen den drohenden Verlust. Das war damals höchste zeit, denn die Abrissgenehmigung war bereits erteilt worden. Sie diente vorwiegend der nahen Rektoratschule als Kirche, außerdem wurden zu besonderen Anlässen hier auch Messen gelesen und Andachten gehalten. Allerdings war sie in keinem guten Zustand, als zuerst die Folgen des V-1-Absturzes in der Hochstraße und dann der Beschuss weitere Schäden verursachten. Bis heute ist ein Treffer in der Turmmauer noch gut zu erkennen.

Werner Backes wird die Geschichte dieses Gotteshauses am Denkmaltag anhand vieler Dokumente und Erinnerungen erzählen. Er wird daran erinnern, dass einige künstlerische Arbeiten verlorengingen. Notdürftig war das Dach zwar repariert worden, aber erst die gemeinsame Aktion der Pfarrjugend Ende der 1960er-Jahre brachte wieder Leben und Gottesdienste in das Gemäuer. Seine Geschundenheit wurde bewusst nicht verändert, es gab keine Schönheitsreparaturen, nichts wurde mehr instandgesetzt. Allein daraus leitete sich die ungewöhnliche Atmosphäre im Inneren ab, die seit Jahrzehnten Besucher in ihren Bann zieht.

Darauf baut auch der Förderverein für die Alte Kirche mit dem 2012 vom Arbeitskreis Alte Kirche entwickelten Konzept "Gott - Mensch - Kultur". Vorsitzender Stefan Hauertz und Programmgestalter Dr. Bastian Rütten sind zwar ebenso wie viele andere wenig begeistert über die Sparwelle des Bistums. Aber möglicherweise haben sie und ihre Mitstreiter rechtzeitig erkannt, dass die Kirche eines Tages nicht mehr von Aachen gefördert werden wird. " Wir sehen uns gut aufgestellt und müssen gleichzeitig noch weitere Spender auftun", meinen beide. Rund Hundert Mitglieder hat der Verein bereits. Das kulturelle Programm der nächsten Zeit wird in Kürze vorgestellt - verbunden mit einer Offensive zum Erhalt der Alten Kirche.

Quelle: RP
 
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