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Nettetal
Die Einzigartigkeit der Zeichnung

Nettetal. Der in Kaldenkirchen geborene Künstler Hans-Gerd Lamers stellt Fotografien und Zeichnungen im Lobbericher Rathaus aus. Die Zeichnungen gehen so sehr ins Detail, dass sie wie Trotz gegen die Schnelllebigkeit unserer Zeit wirken. Von Angela Wilms-Adrians

Als sich Hans-Gerd Lamers zum Lithographen ausbilden ließ, war das Berufsfeld schon weitgehend technisch bestimmt. Dennoch erlernte er im ersten Lehrjahr auch das handwerkliche Rüstzeug, wie das Zeichnen. Es schlummerte eine Zeit lang in ihm, doch dann brach es in den 1990er-Jahren unaufhaltsam hervor. Seine Leidenschaft für die Zeichnung, ergänzt um die Hingabe für die Fotografie, lässt sich bis zum 24. Oktober in seiner Ausstellung in der städtischen Galerie des Rathauses in Lobberich ablesen. Beim Rundgang durch die Etagenflure erkennt der Besucher neben vereinzelten Reisemotiven vielfach Ansichten von Leuth, Kaldenkirchen und Lobberich. Sie wirken vertraut und charakteristisch eingefangen: Zuweilen scheint sich das diesige Licht der Region vor Motive zu schieben, manchmal spielt sich ein Hauch Melancholie ein, der ebenso bezeichnend für den Niederrhein ist.

Dabei lehren Lamers' Fotografien und insbesondere die Bleistiftzeichnungen zugleich Bekanntes neu und vor allem mit der Bereitschaft für Zeit zu entdecken. Der Künstler widmet den häufig unspektakulären Dingen mit dem Bleistift eine liebevolle Aufmerksamkeit, die in der sorgfältigen und akkuraten Ausgestaltung zum Innehalten und Verweilen einlädt. Entlaubte Bäume entfalten ihr filigranes Geäst, Mauerwerk aus Klinkerstein und Holzstrukturen lassen die Spuren der Zeit ablesen. Gerade die Zeichnungen gehen so sehr ins Detail und Behutsame, dass es wie Trotz gegen die Schnelllebigkeit des Mainstreams wirkt. Ist dies eine Revolte gegen das Schnelle? "Ja", sagt der Künstler und ergänzt, "vor allem gegen das Beliebige". Der 1954 geborene Lamers strahlt Ruhe und Gelassenheit aus und erzählt entsprechend von seinem erlernten Beruf, den es so eigentlich nicht mehr gibt. Er arbeitet als Mediengestalter, da ist alles ins Digitale umgestaltet. "Da fehlte mir das Zeichnen", sagt er schlicht und lässt stattdessen seine Bilder mehr erzählen von der intensiven Auseinandersetzung.

Bürgermeister Christian Wagner gestand zur Vernissage, dass es ihn besonders freue, einen Künstler aus der Stadt Nettetal vorzustellen, der, in Kaldenkirchen geboren, dort auch seinen Lebensmittelpunkt habe. Die Kunsthistorikerin Eva Marie Ehrig verband die Einführung ins Werk mit Zitaten von Walter Benjamin, der in der technischen Reproduzierbarkeit von Kunstwerken die Einbuße der besonderen Aura, Originalität und Authentizität vermutete. Ehrig bescheinigte dem Künstler, dass er "einen sehr eigenen, konsequenten Weg auf der Suche nach der in der medialen Bildwelt verlorenen Zeit" gehe. "Das unendlich reproduzierbare, möglicherweise auch manipulierende Medium der Fotografie führt er zurück zur Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit der Handzeichnung", so Ehrig in ihrer einfühlsamen und reflektierenden Einführung. Lamers vermag nicht zu sagen, nach welchen Gesichtspunkten er die Fotografien auswählt, aus denen er Motive für seine Zeichnungen zieht. Das Atmosphärische ist in beiden Genres präsent.

Die Ausstellung ist bis zum 24. Oktober in der städtischen Galerie im Rathaus in Lobberich, Doerkesplatz 11, zu sehen. Geöffnet ist montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr, dienstags und mittwochs von 8 bis 16.30 Uhr, freitags von 8 bis 12 Uhr sowie samstags von 10 bis 12 Uhr.

Quelle: RP
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