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Nettetal
Die letzten Geheimnisse von St. Peter

Nettetal: Die letzten Geheimnisse von St. Peter
Der markante Turm der St.-Peter-Kirche in Hinsbeck. FOTO: F.H. Busch
Nettetal. Was geschah mit der alten Glocke, warum hatte das Taufbecken lange einen Deckel aus Holz? Und wie sah die Kirche um 1900 aus? Diese Fragen beantwortet Heinz Kochs Chronik zu 150 Jahren St. Peter Von Daniela Buschkamp

Wenn es jemanden gibt, der die Hinsbecker Pfarrkirche kennt, dann ist es Heinz Koch. Nicht nur, weil er unweit von St. Peter wohnt und den Kirchturm jeden Tag im Blick hat, fühlt er sich dem markanten Gotteshaus auf besondere Weise verbunden. "Sobald ich den Kirchturm von St. Peter sehe, fühle ich mich zuhause", sagt der Hinsbecker, der vielen als Heimatchronist bekannt ist. Jetzt ist sein Band zur Pfarrkirche noch enger geknüpft worden: Mehr als ein Jahr lang hat sich der Rentner intensiv mit der wechselvollen Geschichte von St. Peter beschäftigt. Zu deren 150. Geburtstag wird Koch eine Chronik vorlegen - und wird darin einige Geheimnisse der Kirche lüften.

Bereits vor sieben Jahren hat Koch mit seinen Forschungen über St. Peter begonnen - damals für zwei Aufsätze im Heimatbuch des Kreises. Auf dieser Grundlage ist jetzt auch die Chronik entstanden. Allerdings hat Koch auch so manche Fleißarbeit erledigt: Dazu zählt eine Liste aller Priester und Kirchenvorstände mit Namen und - soweit vorhanden - Bild ab 1600. Dafür hat er viele Stunden im Kreisarchiv in Kempen verbacht: "Ich weiß gar nicht mehr, wie viele", sagt er lächelnd. Viele Gespräche mit Hinsbecker folgten - gekrönt von der Freude, wenn wieder ein Name komplettiert oder ein Foto der richtigen Person zugeordnet werden konnte.

Heinz Koch kennt die Pfarrkirche so gut wie kaum jemand. FOTO: buschkamp

Das Aufspüren von Unbekanntem, die Freude, etwas Neues mitteilen zu können: Das hat Heinz Koch bei seiner Arbeit an der Chronik begleitet. So fand er ein Foto, dessen Motiv auch für ihn als Kirchenkenner neu war: Es zeigt den Inneraum von St. Peter um 1900. Anhand späterer Fotos kann Koch jetzt zeigen, wie die Kirche verändert wurde - etwa die Kirchenfenster. "Sie sind drei Mal ersetzt worden", sagt der Chronist.

Eine historische Randnotiz: Im 30-jährigen Krieg nahmen Kroaten das bronzene Taufbecken mit. Auf dem Weg nach Lobberich ließen sie es aber zurück - es war ihnen zu schwer. Sie behielten nur den ebenfalls bronzenen Deckel. Das Taufbecken wurde wieder gefunden, in die Kirche zurückgebracht und erhielt einen Holzdeckel. Erst 1840 konnte dann ein neuer Deckel aus Bronze finanziert werden. "Zufällig", so Heinz Koch, fand er auch ein Foto von einem schweren Unwetter 1891. Durch die Taubenei-großen Hagelkörner waren alle Fenster auf der Westseite der Kirche zerstört worden. Auch die Rechnungen über die neuen Fenster entdeckte Koch. Anhand der Rechnungen konnte der Hinsbecker auch nachvollziehen, was mit einer der alten Glocken von 1514 geschehen war - sie kam nach Bremen. "Bisher wurde immer vermutet, dass die alte Glocke während des Krieges eingeschmolzen worden war", sagt er. Doch stattdessen war sie bei einer Firma eingelagert. Das fiel erst auf, als das Unternehmen verkauft wurde.

In einem Kirchenbuch fand er zudem eine Abbildung des Vorgängergebäudes. Diese Kirche wurde 1868 abgerissen, ein Jahr zuvor war das Schiff erneuert worden. In einem zweiten Schritt wurde ein neuer Kirchturm errichtet - das Schiff und der Turm sind also zwei einzelne Bauten. Dies sei Koch zufolge für die Bausubstanz der Kirche schwierig. Zurzeit wird der Turm von St. Peter umfangreich saniert.

Mitte Juni soll die Chronik fertig sein. Verkauft wird sie zum Kirchweihfest am 1. und 2. Juli.

Quelle: RP
 
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