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Nettetal
Die Städte-Connection Neuordnung war notwendig

Nettetal. Bei der „Nettetal“-Lösung sieht sich vor allem Breyell im Hintertreffen, das „nur Gemeinde“ ist und sich nicht „Stadt“ nennen darf wie Lobberich und Kaldenkirchen. Mit dieser Befürchtung hat sich Walter Karnatz auseinanderzusetzen, der als junger Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes viele Gespräche mit alteingesessenen Ratsmitgliedern seiner Partei führen musste. „Die neue Situation ist schließlich akzeptiert worden“, blickt er zurück, zumal auch ein „Papier“ entschärft und verändert wurde, das in der Achse Kaldenkirchen-Lobberich entworfen worden war und die „Kleinen“ vor den Kopf stieß.

Kein „Amt Krickenbeck“

Nachdem der Traum vom Wiederaufleben des alten Amtes Krickenbeck (Hinsbeck, Leuth, Herongen, Wachtendonk) keine Chance auf Realisierung hatte und „Nettetal“ immer näher rückte, wurde auch in Hinsbeck neu nachgedacht, erinnert sich Hans Kohnen. Der Ur-Hinsbecker hatte gar zehn Jahre in Lobberich gearbeitet und war mit den Menschen dort recht gut ausgekommen. „Es war unlogisch, auf kleinen Lösung zu bestehen, wenn man die Entwicklung in der Nachbarschaft sah“, meint er heute.

Nicht erfüllt hat sich der Wunsch des FDP-Granden Josef Ringendahl, im Endspurt könne doch noch die Kreisklasse gegen den Landesligisten nach einem 0:2-Rückstand ein Unentschieden herausholen. Es blieb beim Bäumer-Sieg auf ganzer Linie, denn er erhielt schließlich von Innenminister Willy Weyer (FDP) die nötige Rückenstärkung.

Nettetal Fast fünf Jahrzehnte ist der Kaldenkirchener Hanns Backes politisch aktiv gewesen: im Stadtrat Kaldenkirchen (1952 bis 1970), im Kreistag Viersen (1970 bis 1999) und im Landtag Düsseldorf (1980 bis 1990). Von 1975 bis 1999 war er (ehrenamtlicher) Landrat. Über die Neugliederung der Gemeinden sprach RP-Mitarbeiter Manfred Meis mit dem heute 83-Jährigen.

War eine Neuordnung der Verwaltungsstrukturen notwendig oder erschien der Gedanke der Großgemeinden als absurd?

Backes Wenn man die Ausgangslage betrachtet – damals gab es 32 Gemeinden im Kreis Kempen-Krefeld –, dann wird klar, dass bei allmählich wachsenden wirtschaftlichen Strukturen auch die Gemeinden größer werden mussten. Denn die Verwaltungskraft war höchst unterschiedlich.

Nun wurden die Vorschläge zur Neuordnung zwischen 1966 und 1968 sozusagen von Monat zu Monat größer. Drohte nicht ein Verlust der Identität?

Backes Das werden sicher die kleinen Gemeinden so gesehen haben. Leuth beispielsweise hatte erst einige Jahre zuvor die Verwaltungsgemeinschaft mit Kaldenkirchen gelöst, jetzt sollte alles rückgängig gemacht werden. Da kamen Emotionen hoch. Kaldenkirchen hatte dagegen nichts zu verlieren. Erst sollte Leuth dazu kommen, dann auch noch Bracht.

Und dann war plötzlich vom ganz großen Nettetal die Rede…

Backes Ja, als Viersen mit in den Kreis kam und mit Süchteln und Dülken zusammengelegt wurde, konnten wir uns gegen Nettetal nicht mehr wehren. Da noch auf die Barrikaden zu gehen, hätte nichts genutzt.

Ist denn Nettetal zum Erfolg geworden?

Backes Die riesigen Erwartungen mit neuer Stadtmitte zwischen Lobberich und Breyell haben sich nicht erfüllt; da hat das Land seine zunächst vorgegebenen Wachstumsprognosen auch ziemlich schnell korrigiert. Insgesamt gesehen war Nettetal eine kluge und erfolgreiche Lösung, auch wenn Kaldenkirchen nicht mehr – aus der Sicht eines damaligen Ratsherrn – der Nabel der Welt war.

Quelle: RP
 
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