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Nettetal
Die Treckerfahrer sind angekommen

Nettetal. Insgesamt 2851 Kilometer haben Johannes Thodam und sein Freund Gerd Lemkens auf ihrer Pilgertour über den Jakobsweg zurückgelegt Von Heinz Koch

"Wir sind am Ziel", jubelte Johannes Thodam. Gemeinsam mit Freund Gerd Lemkens erreichte er auf seiner Treckerpilgerfahrt am Dienstagmorgen die Stadtgrenze von Santiago de Compostela. "Was unsere ja immerhin über 60 Jahre alten Trecker-Oldtimer mit ihrer geringen Leistung geschafft haben, ist aller Ehren wert." Als sie vor Ort ihre Traktoren in einem Parkhaus unterstellen wollten, war der dortige Verantwortliche total aus dem Häuschen. "Er winkte uns direkt durch", sagte Thodam. "Jetzt können wir hier für ´nen Appel und ´n Ei zwei Tage lang parken."

Insgesamt 2851 Kilometer haben der Eicher EKL 15/II und der Schlüter AS 22 sie zuverlässig auf dem Camino von Nettetal nach Spanien gefahren. Lediglich ein Deichselbruch in der dritten Woche musste repariert werden, doch war dies an ihrem kleinen Anhänger, die Traktoren hielten sich tadellos. Weder Steigungen noch Gefälle oder schlechte Straßen machten ihnen etwas aus. Doch die Straßenbeläge der engen Straßen in Santiago, die aus senkrecht stehenden Schieferplatten bestanden, waren noch einmal eine harte Prüfung. "Da kann man noch so langsam und vorsichtig fahren, man fühlt jeden Stein", sagte Thodam.

Auf ihrem Weg zur Kathedrale wurde es dann für beide emotional. Vor Reisebeginn Ende April hatte sie der RP-Fotograf Hans-Heinrich Busch für ein Foto in Lobberich besucht und ihnen von den Dudelsackspielern am Eingang der Kathedrale erzählt, die dort seit dem 15. Jahrhundert die Pilger empfangen. Das hatte ihn so beeindruckt, dass er in Lobberich spontan einen Dudelsack aus seinem Wagen herausholte und ihnen ein Pilgerlied vorspielte. Er überreichte ihnen ein wenig Geld, das sie dem Dudelsackspieler geben sollten. Nun vor Ort trafen sie diesen und zeigten ihm auf ihrem Handy ein Video von Buschs Vortrag.

Der Dudelsackspieler war natürlich begeistert - und spielte ihnen das gleiche Pilgerlied vor. Dankbar legten sie das Geld, und natürlich eine eigene Spende, in den bereitstehenden Korb. Beim Betreten der Kathedrale fiel die Anspannung von beiden ab. "Das war schon überwältigt", so Thodam und Lemkens einhellig. Als sie wie die anderen Pilger die Jakobsfigur von hinten umarmten, kullerten auch ein paar Tränen. "Da wird einem erst mal klar, was wir in den letzten vier Wochen erlebt und durchlebt haben."

Da zählte auch nicht mehr, dass von den 30 Fahrttagen 21 verregnet waren - sie hatten es geschafft. "Während der stundenlangen Fahrt, einsam auf seinem Trecker sitzend, hatten wir viel Zeit zum Nachdenken", so Thodam. "Ohne unsere Frauen, die von Anfang an hinter der Tour gestanden haben, wäre das nicht möglich gewesen. Ihnen gilt daher unser herzlichster Dank."

Ihre Pilgerurkunden haben die Beiden inzwischen abgeholt, es folgte ein Ruhetag in Santiago de Compostela, wo der Stein mit der Jakobsmuschel noch "90,0 Kilometer" anzeigt.

Heute geht es weiter bis zum westlichsten Zipfel Europas, zum Kap Finisterre - dies ist das Endziel ihrer Tour.

Quelle: RP
 
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