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Nettetal
Die Vielfalt der Natur verstehen lernen

Nettetal: Die Vielfalt der Natur verstehen lernen
Im Laufe der Zeit entstanden auf dem Anwesen große Gartenbereiche, in denen sich Gartenliebhaber viele Anregungen holen können - hier eine Kräuterspirale, die sich auch zu Hause anlegen lässt. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Nettetal. Vor 30 Jahren legten Vogelschützer in einem Schweinestall im Sassenfeld den Grundstein für ein heute angesehenes Informationszentrum. Kontinuierlich bauten ehrenamtliche Naturfreunde den Hof und seine Umgebung aus. Von Inge von den Bruck

Vor dreißig Jahren hatte eine kleine Gruppe von Naturschutzaktivisten die anfangs belächelte Idee, einen Bauernhof naturnah zu gestalten und Menschen wieder mehr für die Natur zu interessieren. Dank vielfältigen Engagements vieler Ehrenamtler hat sich der "Naturschutzhof" als Projekt des Naturschutzbundes zum Magnet für naturinteressierte Bürger entwickelt. Das 30-jährige Bestehen soll in diesem Jahr gefeiert werden.

In Lobberich gründete sich bereits eine Ortgruppe des Deutschen Bundes für Vogelschutz (DBV), heute Naturschutzbund (Nabu). Die Mitglieder setzten sich aktiv mit Pflegearbeiten für den Schutz von Flora und Fauna ein. Es fehlten aber bald Räume, um das Gerät unterzustellen. Außerdem wuchs das Interesse an Umweltschutzthemen seinerzeit stark. Gerne nahmen die Naturschützer das Angebot von Landwirt Matthias Lynders im Sassenfeld gerne an, seinen nicht mehr genutzten Schweinestall zum Geräteschuppen umzubauen.

Ein Teil des Stalls wurde zum Informationszentrum, das im Mai 1985 eingeweiht wurde. Der Naturschutzhof war geboren. Die überaus positive Resonanz motivierte die Naturschützer dazu, weitere Flächen des Anwesens zu pachten. So entstanden auf einer über 2000 Quadratmeter großen Fläche ein Schau- und Kräutergarten, ein Kleingewässer und eine Blumenwiese. In unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit brachten Mitglieder der Ortgruppe den Hof und ihre Ideen tausenden Gästen jeden Alters nahe. Als sich 1993 die Gelegenheit bot, eine rund 12 000 Quadratmeter große Fläche zu pachten, entstanden weitere Teiche, ein Bauerngarten, eine Obst- und Blumenwiese sowie ein hölzernes Klassenzimmer unter einer Libelle. Auch ein rollstuhlgerechter Hochteich, ein Apfelsortenlehrpfad mit Hochstämmen und eine Sandmagerwiese wurden geschaffen. Später gesellten sich weitere Biotope und naturnahe Gestaltungselemente, wie ein Steingarten und eine Sonnenuhr, dazu. Die Feuchtwiese mit Solarpumpe und Windrad, ein Moortümpel und eine Heidefläche wurden angelegt. Inspiriert durch einen früheren Wachturm an der polnischen Grenze errichteten sie 2000 den "Lebensturm" - heute Wahrzeichen der Anlage. Er dient als "sozialer Wohnungsbau" für Vögel, Solitärbienen und kleine Säugetiere.

Ein Moorbeet mit der typischen Vegetation Wollgras, Sonnentau und Gagel erinnert an die Niedermoore, die das Nettetal vor der Austorfung im 18. Jahrhundert prägten. Um das Außengelände für Sehbehinderte attraktiv zu machen, wurde ein Blindenbeet mit verschiedenen Mineralien und Pflanzen angelegt. Kindergärten und (Grund-)Schulen nutzen den Naturschutzhof als außerschulischen Lernort. Das in Holzständerbauweise errichtete Strohballenhaus dient als Beispiel für Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen. Ein großes Holzhaus dient als geräumiger Verkaufs- und Schulungsraum. Vor zehn Jahren hatte der Naturschutzhof eine Größe erreicht, die ehrenamtliche Arbeit überforderte. Die diplomierte Ingenieurin für Landschaftsentwicklung, Wiebke Esmann, wurde hauptamtliche Leiterin. Der vor 16 Jahren gegründete Förderverein trägt zum Unterhalt des Hofes bei.

Quelle: RP
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