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Nettetal
Diesmal lasen die Jungs am besten vor

Nettetal: Diesmal lasen die Jungs am besten vor
Unterm Tisch angespannt, drüber souverän: Leo Banzhaf. FOTO: Burghardt
Nettetal. Elf Sechstklässler aus dem Südwesten des Kreises Viersen nehmen am Regionalentscheid im Vorlesewettbewerb teil. Die Jury in der Werner-Jaeger-Halle vergibt die ersten drei Plätze an Jungen. Der Sieger kommt aus Schwalmtal. Von Joachim Burghardt

Die Anspannung verrät ein Blick untern Tisch: Als wäre er sprungbereit, so sitzt Leo ganz knapp vorn auf der Stuhlkante. Das rechte Bein hat er nach hinten abgewinkelt, das linke vorgestreckt, mit der Fußspitze wippt er auf und ab. Über dem Tisch aber strahlt der Nettetaler Gesamtschüler Ruhe und Routine aus. Er liest ruhig und flüssig, laut und lebendig von Zyklopen und Monstern. Dafür bekommt er viel Beifall von den Zuhörern in der Werner-Jaeger-Halle im Regionalentscheid im Vorlesewettbewerb.

Leo Banzhaf ist einer von elf Schülern der 6. Klassen, die es in die Endausscheidung in der Region Südwest des Kreises Viersen geschafft haben. Sie gingen als Sieger der Lesewettbewerbe in ihren Schulen in Brüggen, Schwalmtal, Nettetal, Niederkrüchten und Viersen hervor. An diesem Nachmittag wetteifern sie lesend aus selbst ausgewählter Lektüre ums Weiterkommen. Zur Unterstützung haben sie ihre Fans mitgebracht: Familien und Freunde.

"Lesen ist nach wie vor die Schnittstelle, über die man Wissen aufbaut", erklärte Kreisdirektor Ingo Schabrich vorab den Sinn des Wettbewerbs. Die "alte Kulturtechnik" des Lesens und vor allem das Vorlesen in der Gruppe, sei ein Merkmal unseres Bildungssystems. Entsprechend legen sich die Schulen im Kreis alljährlich ins Zeug. Sie machen mit beim bundesweiten Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Der will bei den rund 600.000 teilnehmenden Schülern "Lesefreude und Lesemotivation fördern", wie es in der Ausschreibung heißt. Denn "Lesen ist die Grundlage aller Bildung", und "das Sprechen vor Publikum fördert das Selbstbewusstsein".

Tatsächlich geben sich die meisten der elf Schüler an diesem Nachmittag in der Werner-Jaeger-Halle durchaus selbstbewusst. Özgur Kutlu von der Viersener Realschule an der Josefskirche spricht flüssig und locker, deutlich dazu: "Ich lese aus dem Buch 'Insel der blauen Delfine' vor", sagt er mit unüberhörbar niederrheinischem Akzent.

Für die jungen Leseratten gibt's viel Lob von Verena Liebscher: "Manche lesen wirklich beeindruckend gut", sagt die Lehrerin des Werner-Jaeger-Gymnasiums, die den Nachmittag organisiert hat. Dabei bestätige sich die landläufige Meinung, Lesen sei vor allem eine Mädchen-Domäne, diesmal nicht. Auffällig sei vielmehr, dass in diesem Jahr vor allem die Jungen überzeugen: "Von den Mädchen sind manche doch sehr nervös."

Aufgeregt allerdings sind sie vorher wohl alle. Florian Wagner zum Beispiel gibt zu: "Ja, ein bisschen schon." Für ihn und die anderen heißt es schließlich, hoch auf die Bühne zum Tisch zu gehen und dort und drei Minuten zu lesen. Viele Fantasy-Geschichten sind dabei wie Leos Buch "Helden des Olymp". Aber es gibt auch andere Lesestoffe. So liest Julia Cadmann von der Johannes-Kepler-Realschule in Süchteln aus einem Mädchenroman über einen Reitstall: "Charlottes Traumpferd" von Nele Neuhaus.

Dann heißt es für alle, die Entscheidung der Jury abwarten. Sigrid Meyer-Süsterhenn vom Medienzentrum des Kreises, Birgitt Mager von der Stadtbücherei Nettetal, Bärbel Luyken vom Werner-Jaeger-Gymnasium und Buchhändlerin Melanie Matussek aus Lobberich nennen nach 20 Minuten die sechs Sieger der ersten Runde.

Wer weitergekommen ist, darf noch einmal auf die Bühne, um zwei Minuten aus einem vorgegebenen "Fremdtext" vorzulesen. Es ist der bei Jugendlichen hoch im Kurs stehende Abenteuerroman von Richard Dübell: "Last Secrets - Das Rätsel von Loch Ness". Dabei wirken die jungen Vorleser doch schon ruhiger und geübter. Ein bisschen Nervosität äußert sich erst hinterher: Rote Wangen, verknotete Finger und zusammengepresste Lippen, als nach zwei Stunden Lesewettbewerb die Jury die Sieger kürt. Trost für alle, die nicht gewinnen: Jeder Teilnehmer bekommt einen Preis, sinnigerweise ein Buch. Das kann dann jeder in Ruhe für sich lesen - ohne Publikum.

Quelle: RP
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