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Nettetal
Durch den Tunnel oder über die Brücke

Nettetal: Durch den Tunnel oder über die Brücke
Wer in Kaldenkirchen den Zug erreichen will, verschwindet im Untergrund und muss Treppen steigen. Genau auf der gegenüberliegenden Seite könnte später einmal ein neuer, leichter erreichbarer Zugang geschaffen werden. FOTO: Busch
Nettetal. Von der Nordseite her soll ein neuer Zugang zu den Bahnsteigen im Kaldenkirchener Bahnhof gebaut werden. Fachplaner schlagen einen Tunneldurchstich oder eine Brücke mit zwei Aufzügen vor. Die CDU hat dazu einige Fragen. Von Ludger Peters

Ein bisschen fühlt man sich an graue TV-Zeiten erinnert, als Robert Lemke noch beim heiteren Beruferaten fragte, welches Schweinderl der Kandidat am liebsten hätte. So ist es auch mit dem Zwischenergebnis einer Machbarkeitsstudie zum geplanten P+R-Platz an der Nordseite des Kaldenkirchener Bahnhofs. Kommt der Reisende nun weiterhin durch einen Tunnel zum oder vom Bahnsteig? Oder lässt man ihn über eine schicke Fußgängerbrücke mit Lift den Zug erreichen?

Das Düsseldorfer Ingenieurbüro Schüßler-Plan stellte dem Planungsausschuss jetzt vor, zu welchen Überlegungen es gekommen ist. Vom Herrenpfad-Nord aus will das Unternehmen an den äußeren Bahnsteig herankommen. Vorgelagert werden bis zu 200 Parkplätze und ein Unterstellplatz für etwa 100 Fahrräder. Die Zufahrt wird so gestaltet, dass Linienbusse direkt bis an den Gleiskörper heranfahren können. Selbstverständlich werden beide Varianten barrierefrei gestaltet - mit Rampen und/oder Aufzügen.

Es gibt offensichtlich schon die Präferenz für die Brücke übers Gleis. Der Tunnel sei eben nicht gut einsehbar und sei spätestens abends und nachts ein Angstraum. So eine moderne Brücke aus Stahl und Glas wirkt offener und ist deutlich besser einsehbar.

Um Einsicht allein geht es der Politik allerdings nicht. Sie ist schon froh, dass nach dem Werkstattverfahren im Jahr 2011 und der Entscheidung für eine Machbarkeitsstudie 2013 nun, zwei Jahre später, die Aussicht gestiegen ist, dass mal was auf den Beratungstisch gelegt wird. CDU-Fraktionsvorsitzender Ingo Heymann gab im Planungsausschuss den Schüßler-Gesandten diese Hoffnung und dazu ein Paket mit Fragen und Aufgaben auf den Weg, die die Fraktion im Zuge der Machbarkeitsüberlegungen gerne beantwortet sähe. Eine vorausgehende Festlegung gegen den Tunneldurchstich in Richtung Dahlweg sieht die CDU nicht gerne. Sie wundert sich auch darüber, dass der P+R-Platz und der Zugang zu den Bahnsteigen nicht vom Dahlweg her, sondern vom Herrenpfad-Nord her erschlossen wird. Eine Brücke sei vermutlich für Radfahrer nur schwierig zu überwinden, vermutet Heymann. "Der touristische Aspekt dieses Bahnhofs dürfte beträchtlich sein", meinte er.

Wissen möchte die CDU außerdem, ob in der Studie auch geprüft wurde, ob der direkte Zugang vom heutigen Bahnhofsvorplatz zu den Gleisen bautechnisch möglich ist und ob der vorhandene Tunnel zum Dahlweg durchgestochen werden könnte. Schüßler-Plan hat sich hinsichtlich des vorgeschlagenen Tunneldurchstichs nach Norden nämlich für eine stark versetzte Variante entschieden.

Überhaupt möchte die CDU wissen, ob am heutigen Bahnhof vorhandene Infrastruktur in die Überlegungen einbezogen und berücksichtigt wurden. Das betrifft neben den beiden bestehenden Tunnelröhren den Eingangsbereich am Empfangsgebäude mit den Treppen und den Fahrkartenautomaten.

Ein leidiges Thema sind die vergleichsweise niedrigen Bahnsteige. Man muss als ältere Mensch viel Vertrauen in eigene Kletterfähigkeiten haben, um Züge zu besteigen. Es liegt nahe, dass die CDU nun auch wissen will, ob im Zuge der geplanten Arbeiten Bahnsteige erhöht werden.

Wie dem auch sei: Die Kosten für den neuen Zugang schätzen die Planer auf jeweils etwa fünf Millionen Euro. Das Geld muss die Stadt allerdings nicht alleine aufbringen. Auf die Frage von Guido Gahlings (Grüne) nach möglichen Zuschüssen, berichtete die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche, dass die Stadt danach Ausschau hält. Eher skeptisch bewertet sie Chancen der Stadt, Geld aus der Modernisierungsoffensive der Deutschen Bahn zu erhalten. Wahrscheinlich kommt die Stadt aufgrund zahlreicher Verzögerungen nicht mehr zeitig genug. Kontakte hat sie aber auch zum Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und zum Land NRW aufgenommen. Sei man zu einem Eigenanteil in Höhe von 20 Prozent, also etwa einer Million Euro, bereit, bestehe die Chance auf Zuwendungen. Der Topf wird nämlich wegen der Eigenbeteiligung nicht so schnell angezapft. Zu prüfen ist allerdings auch, was überhaupt an einem solchen Plan förderfähig ist.

Quelle: RP
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