| 18.15 Uhr

Nettetal
"Ein Behindertenbeauftragter ist wichtig"

Nettetal. Interview mit Karl Boland, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes im Kreis Viersen

Die Diskussion über die Installierung eines Behindertenbeauftragten in Nettetal ist kontrovers verlaufen. Sozialdezernent Armin Schönfelder will nicht, wie von der WIN-Fraktion gefordert, einen Behindertenbeauftragten installieren. RP-Mitarbeiter Robert Rist sprach mit Karl Boland, dem Geschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV) im Kreis Viersen, über die Probleme von Menschen mit Behinderungen und die Bedeutung eines ständigen Beauftragten.

Was halten Sie davon, dass der Sozialdezernent in Nettetal keinen Behindertenbetreuer installieren möchte?

Boland So weit ich es überblicken kann, gibt es gute Angebote für Menschen mit Behinderungen in Nettetal. Aber die Vielzahl der Angebote ist zahlreichen Betroffenen überhaupt nicht bekannt, sie sind zu sehr im Stadtgebiet verstreut. Ein Beauftragter wäre notwendig, um als eine zentrale Anlaufstelle zu fungieren.

Reicht ein Beauftragter dann aus?

Boland Nein. Zusätzlich zu ihm würde ich die Bildung eines Arbeitskreises für Menschen mit Behinderung empfehlen, bestehend aus Betroffenen und Vertretern von Behindertenorganisationen. Durch einen stetigen Erfahrungsaustausch erfährt der Beauftragte, wo konkret es in Nettetal Probleme gibt und wo etwas geändert und verbessert werden muss.

An was denken Sie dabei?

Boland Das ergibt sich aus der täglichen Praxis. Es gibt unterschiedlich betroffene Behinderte, die unterschiedlicher Unterstützung bedürfen, wie zum Beispiel Blinde oder Rollstuhlfahrer. In konkreten Planungs- bzw. Bauvorhaben zwischen den Interessen unterschiedlicher Behindertengruppen zu vermitteln, wäre auch eine wichtige Aufgabe des Beauftragten.

Welche Voraussetzungen sollte jemand mitbringen?

Boland Die geeignete Person sollte als Persönlichkeit die erforderliche Kompetenz haben und vor allen Dingen vermittelnd wirken können. Das wichtigste ist aber, dass sie von Politik, Verwaltung und den Menschen mit Behinderung akzeptiert wird. Als in Nettetal vor einigen Jahren ein Behindertenbeauftragter seinen Dienst antrat, scheiterte er daran, dass er von der Verwaltung nicht wirklich akzeptiert worden ist. Und wie gut es laufen kann, zeigt das Beispiel Viersen. Herr Antwerpes, der Behindertenbeauftragte der Stadt Viersen, hat in der Kreisstadt in den vergangenen Jahren eine Menge bewirkt.

Warum ist ein Behindertenbeauftragter wichtig für Nettetal?

Boland Ein Behindertenbeauftragter ist nicht nur für Nettetal wichtig, sondern für jede Stadt in Deutschland. Schauen wir mal nach vorn: In etwa 20 Jahren wird mehr als ein Drittel der Deutschen über 65 Jahre alt sein. Die öffentliche Infrastruktur unserer Städte muss umgekrempelt und darauf vorbereitet werden, dass ein Großteil aller Bürger mit einer Behinderung unterwegs sein wird. Bordsteine müssen abgesenkt sein, damit mit Rollatoren und Rollstühlen gefahren werden kann. Ampeln sollten mit Blindensignalen versehen und natürlich sollten die Toiletten in allen öffentlich zugänglichen Gebäuden umgestaltet werden.

Von selbst wird er aber solche Dinge nicht erfahren können. Er muss also an vielen Stellen eingebunden sein.

Boland Deswegen ist es ganz wichtig, dass ein Beauftragter nicht nur regelmäßig im Sozialausschuss sitzt, es sollte auch jemand im Bau- und Planungsausschuss sitzen, damit Barriefreiheit von Anfang an Vorgabe der Planungsverwaltung ist. Bei der Umsetzung der Barrierefreiheit steckt die Tücke wirklich im Detail. Deswegen ist dies nur zusammen mit den Betroffenen zu machen. Dies ist zeitintensiv, aber wichtig. Die Alltagsprobleme für Menschen mit Behinderungen liegen im einzelnen Detail der Orte, die von Behinderten aufgesucht bzw. bewohnt werden. Diese Details können nur Betroffene offenlegen.

Quelle: RP
 
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