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Nettetal
Ein Klassiker zum 25. Geburtstag

Nettetal. Das "Theater unter'm Dach" führt nach 18 Jahren wieder sein Stück "Die zwölf Geschworenen" auf. Die Rollen haben gewechselt, die Spannung bleibt

Knisternde Spannung und aufwühlende Unruhe sind garantiert, wenn das "Theater unter´m Dach" den hausinternen Klassiker "Die zwölf Geschworenen" spielt. Den Zuschauer lässt das packend inszenierte Gerichtsdrama um Rollenverhalten und gruppendynamische Prozesse nicht so schnell los - zumal er über die ungewöhnliche Sitzanordnung in Dieter Fackendahls Bühnenbild ganz nah am Geschehen sitzt.

Das ambitionierte Laientheater feiert mit der Wiederaufnahme des vor 18 Jahren aufgeführten Stücks sein 25-jähriges Bestehen. Auf den Eintrittskarten ist vermerkt, dass die Premiere die 70. Inszenierung und 372. Aufführung des Theaters ist. Dem Programm ist zu entnehmen, dass Darsteller Ralph Pastors im zeitlichen Brückenschlag mit dem Obmann die gleiche Rolle wie damals einstudiert hat.

Für ihn bedeutet dies, jetzt "reifer, älter und entsprechend näher dran" an der Figur zu sein. Ebenso beteiligt war seinerzeit Axel Dammer als Gerichtsdiener. Nun überzeugt er durch Regieführung und Darstellung. Erzählt wird, wie zwölf Geschworene über Schuld und Unschuld eines jungen Mannes befinden müssen. Ein Schuldspruch würde die Todesstrafe bedeuten. Das Urteil erscheint eindeutig, doch eine Geschworene hat Zweifel.

Das Ensemble baut Spannung auf. Die Darsteller nehmen Platz an einem Konferenztisch, der zentral im Raum, von beiden Seiten durch die Zuschauerreihen eingezwängt ist. Scheinbar alltägliche Gespräche lassen ahnen, dass den Beteiligten die Schwüle eines heißen Tages zu schaffen macht. In geschickter Steigerung treibt das Ensemble die Reizbarkeit im sich entwickelnden Diskurs voran.

Wybke Reuther gibt die Geschworene, die der vorherrschenden Meinung widerspricht und Zweifel äußert. Überzeugend mimt sie Beharrlichkeit, Nachdenklichkeit und die Gabe zur analytischen Rekonstruktion. Fabian Matussek setzt geschickt amüsante Akzente und macht dabei doch erschütternd die Verantwortungslosigkeit des Baseballfans transparent, der bei der Urteilsfindung getrieben ist von der Sorge, ein Match zu verpassen.

Mit zündender Power legt Dammer seinen Part an und lässt ahnen, dass hinter dem verbohrten Auftreten seiner Figur ein persönliches Drama steht. Kribbelig aufgewühlt fühlt sich der Zuschauer durch die Aggressivität, die Frederik Derendorf seinem Part entlockt, als er dynamisch einen Mann mit seinen Vorurteilen Gestalt verleiht. Er lässt körperlich spüren, wie sein Protagonist die Stimmung aufwühlt. Ein ausgezeichnetes Gegengewicht findet er in Björn Rudakowski als Intellektuellen, dem allmählich Zweifel an der Schuld des Angeklagten kommen.

Die Darsteller entfalten persönliche Geschichten hinter dem Auftreten ihrer Figuren. Als sie am Ende den Saal verlassen, ist es, als ließen sie diese aus einer Ausnahmesituation in den Alltag zurückkehren. Dafür gab es langanhaltenden Beifall.

Weitere Aufführungen finden am 29. und 30. April, jeweils um 20 Uhr im "Theater unter'm Dach" statt.

(anw)
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