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Nettetal
"Ein Küken ist kein Kuscheltier"

Nettetal: "Ein Küken ist kein Kuscheltier"
Chiara Pohl (links) und Runa Dahmen kümmern sich zurzeit intensiv um die Henne und ihr Küken. Aber ihre Aufgaben auf dem Naturschutzhof sind im Freiwilligen Ökologischen Jahr sehr viel abwechslungsreicher. FOTO: Burghardt
Nettetal. Auf dem Naturschutzhof in Sassenfeld absolvieren Chiara Pohl und Runa Dahmen ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr. Mit Freude an praktischem Umweltschutz überbrücken sie die Zeit bis zur Ausbildung oder zum Studium. Von Joachim Burghardt

Neugierig lugt ein klitzekleiner Federball unterm Bauch der Henne hervor. Das Huhn äugt vorsichtig, erhebt sich und lässt sein Küken unterm Bauch hervortippeln. Als wüsste das Tier: Dem Kleinen droht keine Gefahr von den beiden Mädchen an der offenen Stalltür. Im Gegenteil: Chiara und Runa streuen Haferflocken in die Futterschüssel, sie kümmern sich auch sonst um die Hühner auf dem Naturschutzhof in Sassenfeld. Beide absolvieren hier nämlich ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ).

"Das ist das letzte von vielen Küken", erzählt Chiara Pohl. Möglicherweise seien die anderen Kleinen "von Marder, Fuchs, Katze oder Schleiereule geholt worden", vermutet Runa Dahmen. Damit wenigstens dieses Kleine überlebt, wächst es nun mit seiner Mutter sicher vor Gefahren im Stall heran, während die "anderen Hühner weiter frei laufen dürfen", erläutert Chiara. Die beiden jungen Damen wissen schon eine Menge über alte Hühnerrassen. Sie kennen sich mittlerweile aber auch aus auf der Streuobstwiese: "Dass es so viele alte Apfelsorten gibt, hätte ich nicht gedacht", gibt Runa zu.

Mit Hühnern und Äpfeln haben die beiden seit Anfang August zu tun. "Das sind genau die Dinge, die mich gereizt haben, mein Ökologisches Jahr auf dem Naturschutzhof zu leisten", sagt Chiara. Die 18-jährige Abiturientin aus Niederkrüchten würde gern ein Studium mit den Themen Ökologie und Umwelt aufnehmen: "Aber ich möchte mich erst mal über die verschiedenen Möglichkeiten orientieren", sagt sie. Die Chance, zunächst ein Jahr lang praktische Erfahrung im Naturschutz zu sammeln, sei für sie "deshalb ideal". Runa hingegen hat schon ein festes Ziel vor Augen: "Ich möchte Holzbildhauerin werden!" Doch nach dem Realschulabschluss fühlt sich die die 17-Jährige aus Dülken "noch ein bisschen jung, für diese Ausbildung alleine nach Bayern zu gehen". Dort gebe es nämlich gute Holzbildhauer-Schulen. So geht sie nun bis nächsten Sommer ihrer Neigung nach, "für die Natur etwas zu tun, im Garten mitzuhelfen". Veranstaltungen vorbereiten, Äpfel für den Verkauf in Kisten füllen, Besucher betreuen, Programme des Naturschutzbundes vor allem mit Kindern umsetzen - dabei mitzuhelfen, liegt den beiden. "Aber es gibt hier auch anderes zu tun", schränkt Runa ein und zählt auf: "Aufräumen und saubermachen, Unkraut jäten, auch bei Kälte draußen sein..." Das indes nähmen sie "gerne in Kauf".

Neben der praktischen Arbeit auf dem Gelände gebe es jede Menge Theorie zu lernen, erzählt Chiara: "Wir haben auch Seminare zusammen mit anderen FÖJlern, zum Beispiel über Ökologie und Umweltpädagogik."

Besonders am Herzen freilich liegt ihnen das Küken: "Das ist so niedlich", schwärmt Chiara. Beiden sieht man an, dass sie das Kleine am liebsten streicheln würden. "Aber wir nehmen es nicht in die Hand", meint Runa, "es soll natürlich aufwachsen, ein Küken ist ja kein Kuscheltier".

Quelle: RP
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