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Nettetal
Ein Stück Vergangenheit

Nettetal. Direkt am Bahndamm steht an der Feldstraße in Kaldenkirchen noch eine Einmann-Splitterschutzzelle. Wie geht man damit künftig um? Das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege warnt davor, sie einfach zu übergehen. Von Ludger Peters

Die Spuren des Zweiten Weltkriegs sind in Nettetal weitgehend getilgt. Hier und da gibt es Relikte, die kaum mehr auffallen. Der Zufall hat die Erinnerung daran aufgefrischt, dass es beispielsweise in Kaldenkirchen das eine oder andere Bauwerk aus der Zeit gibt. Die WIN-Fraktion hatte nach einem "Bunker" an der Bahnstrecke Kaldenkirchen-Breyell, direkt an den früheren Fortinwerken, gefragt.

Da die Stadt dazu keine Auskunft geben konnte, bat sie den Bürgerverein Kaldenkirchen darum, sich des Themas anzunehmen. Aber der kann mit dem kleinen Bauwerk nicht viel anfangen, hält sich aber alle Türen offen. Die "Wachpostenunterstände" an der Feldstraße könnten erhalten werden, wenn keine unverhältnismäßig hohen Kosten entstünden, empfiehlt der Bürgerverein.

Warum beschäftigen?

Weiter heißt es: "Die Anlagen erinnern an das dunkelste Kapitel der jüngsten Vergangenheit, und es wird auch die Frage gestellt, warum sich überhaupt noch jemand mit dieser Hinterlassenschaft beschäftigt, statt die Vergangenheit ruhen zu lassen." Es könne höchstens darum gehen, Anschauungsobjekte zu erhalten. Wolle man das Thema aufgreifen, sollten weitere Bunker, die im Stadtgebiet vorhanden sind, einbeziehen. Dort, wo sie wahrnehmbar oder erreichbar seien, könne man sie beschildern.

Die Neigung, sich der eigenen Geschichte zu entziehen, ist mitunter immer noch erstaunlich ausgeprägt. Wie man sinnvoll damit umgeht, beschreibt das Vorwort des Doppelbandes "Der Westwall" von 1998. Der Untertitel "Vom Denkmalwert des Unerfreulichen" sagt bereits aus, um was es geht. "Es darf keinen Zweifel geben, dass auch das Unerfreuliche, das der Mensch im Laufe seiner Geschichte ... an sichtbaren Zeugnissen hervorgebracht hat, einen Denkmalwert besitzt. Und dies gleich in doppeltem Sinne: Einerseits als Materie zur Mahnung in moralischer Hinsicht, andererseits sozusagen als Dokument der zivilisatorisch-technischen Entwicklung vor dem Hintergrund des jeweiligen Zeitgeistes." Es sei richtig, dass Relikten jener Zeit "dieselbe kritische Wertschätzung entgegengebracht" werde, wie sie für viele Stätten aus der Vorzeit und aus dem Mittelalter gilt".

Nettetal begeht am 12. September den Denkmaltag in Kaldenkirchen. Die Einmann-Splitterschutzzelle wird keine Rolle spielen. Aber sie sind da. Manfred Groß, ein Autor von "Der Westwall", bittet darum, dass Zustand und Änderungen von Anlagen dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege übermittelt werden sollten. FRAGE DES TAGES

Quelle: RP
 
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