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Nettetal
Erinnerung ans Baden im "Breyeller See"

Nettetal: Erinnerung ans Baden im "Breyeller See"
Blick vom Sprungturm im Nettebruch auf das Strandlokal Ludwigs, links schloss sich die Badeanstalt an. FOTO: Krapohl
Nettetal. Eine Postkarte der Gartenwirtschaft von Willi Ludwigs am Nettebruch löst bei der Stammtischrunde eine lebhafte Debatte über einstiges Schwimmen und Kahnfahren aus. Die Anfänge waren bescheiden und sittsam. Von Manfred Meis

Der Anblick ist idyllisch: Stühle und Tische unter hohen Laubbäumen, dann der See mit einem Segelboot, am Horizont die Pappelreihe am Breyeller Ufer des Nettebruchs. "Wir haben früher immer nur Breyeller See gesagt", erinnert sich Heinz-Josef Voormans. Früher – das sind die 1950er und 1960er-Jahre, als vermutlich das Bild entstand, das Ralf Schmeink über den Panorama-Bildschirm des Hotels Stadt Lobberich zeigt. Der Leiter der Stammtischrunde hatte in seinem Archiv einige alte Postkarten ausgegraben.

Den Volksmund-"Breyeller See" hat inzwischen die amtliche Bezeichnung Nettebruch abgelöst, weil es den Breyeller See oberhalb zwischen Schänzchen und Kothmühle gibt. Ihn teilt die Autobahn 61 dort, wo der Reichsarbeitsdienst in den 1930er-Jahren einen schmalen Damm angelegt hatte. Während dieser See nur zum Angeln genutzt wird, wurde schon seit Vorväter-Zeiten im Nettebruch geschwommen.

Albert Ludwigs erhielt 1878 die Konzession für die Wirtschaft am "Breyeller See", die er nach und nach um eine Gartenwirtschaft und eine Badeanstalt erweiterte. Nur ging es jahrzehntelang höchst einfach zu. Man kleidete sich hinter Riedwänden um. Später wurde der Badeplatz umzäunt, es kamen ein Laufsteg und Sprungturm hinzu. Badezeiten für Frauen und Männer waren getrennt. Für Frauen gab es gar eine eigene Badeanstalt mit drei getrennten Zellenbädern. Ihre Umkleideräumen waren aus Holz im Wasser erbaut.

Das änderte sich in den 1920er-Jahren unter August und Willy Ludwigs, als das Familienbad in Mode kam. Sie legten einen großen Strand an, schufen Umkleideräume und 1934 eine praktische Kleiderabgabe. Die Bauwerke überstanden den Zweiten Weltkrieg, nur wurden die Ritzen zwischen den Brettern größer. "Vorwitzige Jungs schauten dann immer mal bei den Mädchen vorbei", weiß Voormans noch.

Während in den 30er Jahren alle zu Ludwigs zogen, bot die Gemeindebadeanstalt zwei Grundstücke weiter ein trostloses Bild. Das änderte sich nach einigen Investitionen Anfang der 50er Jahre, weil die DLRG ihre Wachstation aufbaute. Ein Nichtschwimmerbereich wurde abgetrennt. "Hier haben wir mit Lehrer Roth schwimmen gelernt", hat Heinz-Jürgen van Hasenhorst in Erinnerung.

"Ludwigs Will an et Water" hatte seinen Platz im Gartenrestaurant an der Nordwestecke, wo er den Kahnverleih beaufsichtigte. "50 Pfennig kostete eine Stunde", hat sich Lore Schmitter gemerkt. Walter Brandt, seit einem halben Jahrhundert DLRG-Mitglied, weiß noch, wie "wir als junge Leute als Taucher unbemerkt die Ketten der schweren Eisenkähne lösten", so dass sie herrenlos auf dem See trieben. "Als DLRG haben wir sie eingesammelt, dafür gab es immer eine Limo."

Auch die Strandfeste des Verkehrs- und Verschönerungsvereins mit Tanzzelt auf dem "Dyk" (zwischen See und Breyeller Straße), mit Lampionkorso und bengalischem Feuer tauchten wieder in der Erinnerung auf. "Das war jedenfalls toll damals", meint van Hasenhorst. Tolle Feste sind auch in den beiden kleinen Ludwigs-Sälen gefeiert worden, besonders zu Karneval. "Zuletzt ist dort Horst Peschkes 1981 als Prinz aufgezogen", berichtet Walter Brandt. Wenig später wurde das Lokal aufgegeben. Zunächst wollte das Bistum Aachen eine Jugendbegegnungsstätte einrichten, dann sollte ein Apartmenthotel entstehen. Alle Pläne zerschlugen sich, heute ist dort eine Grünfläche. Und die Gemeindebadeanstalt gibt es längst nicht mehr.

Übrigens: Die erste Lobbericher Badeanstalt befand sich bis 1865 an der oberen Breyeller Straße am Windmühlenbruch. Sie gehörte zur Wirtschaft August Sanders; später wurde in dem Haus die Niedieck'sche Konsumanstalt untergebracht.

Quelle: RP
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