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Nettetal
Ferkelei vor dem Rathaus

Nettetal. Vor 100 Jahren fand in Lobberich der erste Schweinemarkt statt. Während 1910 noch 299 Ferkel auf dem Markt quiekten, wechselten zwei Jahre später 3000 Schweine den Besitzer. Das Interesse war groß, sowohl seitens der Landwirtschaft als auch des kleinen Mannes für den privaten Schweinestall. Von Manfred Meis

Genau 299 Ferkel quiekten am Donnerstag, dem 13. Oktober 1910, von morgens um 7 bis mittags um 13 Uhr auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Neun Landwirte und zwölf Händler aus Lobberich, Hinsbeck, Breyell, Schaag, Boisheim, Kaldenkirchen, Leutherheide, Niederdorf, Herongen, St. Hubert, Aldekerk und Anrath brauchten nur 47 wieder mit nach Hause zu nehmen, alle anderen fanden einen neuen Stall in Lobberich und Umgebung.

So ist verständlich, dass Bürgermeister Peter Felder seine Bemühungen um die Einrichtung dieses Marktes von Erfolg gekrönt sah. Schließlich nahm die Gemeinde 14,95 Mark Standgelder ein, wie es penibel in den Akten vermerkt wurde.

Nur die damals in Lobberich tonangebende Zeitung "Rhein u. Maas" mäkelte etwas, da ihr die Beteiligung der Landwirtschaft zu gering erschien, hatte sie doch am Tag vor dem ersten Schweinemarkt geschrieben: "Deshalb auf, ihr Landwirte und Schweinehändler, sorget für reiche Beschickung des Marktes, dann wird der Erfolg nicht ausbleiben."

Und nun wurde ihre Erwartung enttäuscht, "dass das landwirtschaftliche Element vorherrschend auf dem Markt vertreten gewesen wäre, um so eher, weil derselbe auf den Antrag der Landwirte ins Leben gerufen worden ist". Die Zeitung setzte dann für die Zukunft auf das "große Solidaritätsgefühl unserer Landwirte".

Mehrere tausend Schweine

Bürgermeister Felder hatte im August 1909 erste Fühler an das Landratsamt und Veterinärämter ringsum ausgestreckt, um zu erfahren, welche Viehmärkte denn vorhanden seien. Obwohl es Schweine- und Rindermärkte bereits in Burgwaldniel, Süchteln und Kempen gab, sah er es im April 1910 als notwendig an, auch in Lobberich einen Schweinemarkt "sowohl im Interesse der Landwirtschaft als auch des kleinen Mannes" zu veranstalten.

Im damaligen August wurde er genehmigt; drei fanden noch bis zum Jahresende statt, bei denen insgesamt 860 Schweine angeboten wurden. 1911 waren es bereits 1831, im Jahr darauf gar 3000. Der zunächst monatlichen "Ferkesmarkt", wie er schon bald hieß, fand wenig später alle zwei Wochen statt, nach dem Zweiten Weltkrieg gar an jedem Mittwoch.

Bis Mitte der 1930er-Jahre breitete sich die Ferkelei vor dem Rathaus aus, wie von den Geschäftsleuten am Markt in einer Eingabe an den "löbl. Gemeinderat" gewünscht worden war. Dann wurde der Markt auf den Platz zwischen Bongartzstift und Saal Dammer-Kessels an der Hochstraße verlegt.

Schüler der "Gymnasialen Zubringeschule" (Vorläufer des Werner-Jaeger-Gymnasiums) konnten in den 1950er-Jahren auf ihrem Weg vom Schulgottesdienst in St. Sebastian zum Gebäude an der Burgstraße (heute Moschee) beobachten, wie Verkäufe nach heftigem Rededuell mit einem kräftigen Handschlag abgeschlossen wurden. Die Geschäfte boomten, denn manchmal wechselten 300 bis 440 Tiere den Besitzer.

Quelle: RP
 
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