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Nettetal
Flugschau zum runden Geburtstag

Nettetal: Flugschau zum runden Geburtstag
Waghalsige Flugkünste zeigten einige der Modellbauer über den Feldern von Natt während der Flugschau des MFC Grenzland. Vorher mussten die Modelle aber am Boden sorgfältig flugbereit gemacht werden. Jede Schraube wird noch einmal nachgezogen. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Nettetal. Seit 40 Jahren ist der Modellflug-Club Grenzland auf seinem Gelände in Breyell-Natt zu Hause. Leider litt die zweitägige Veranstaltung unter Regen und Wind - Modellflieger mögen solche unsicheren Verhältnisse absolut nicht. Von Inge von den Bruck

Wer am Wochenende in den Feldern zwischen Breyell und Kaldenkirchen unterwegs war, hörte zuweilen ein gespenstisches Heulen am Himmel. Der Blick nach oben brachte allerdings keinen näheren Aufschluss darüber, was da los sein könnte. Vögel waren es jedenfalls nicht. Vielmehr waren es die Turbinen von Modell-Jets, die vom Gelände des Modellflug-Clubs (MFC) Grenzland aufstiegen und über die umgebenden Felder hinwegfegten.

Der Modellflug-Club feierte das 40-jährige Bestehen seines Flugplatzes in der Weite der Äcker in Breyeller Sektion Natt. Bereits im Jahr 1956 hatte sich der MFC Luftsportverein Grefrath gegründet. Er siedelte 1975 vom Flugplatz Niershorst um nach Breyell. Der Verein pachtete ein rund 18 500 Quadratmeter großes Gelände, das die Bezirksregierung für Flugmodelle mit bis zu 25 Kilogramm Abfluggewicht genehmigte.

Hatte der MFC Grenzland anfangs 40 Mitglieder, so zählt er mittlerweile 130. Damit gehört der Modellflug-Club Grenzland zu den größten Modellflugvereinen am Linken Niederrhein. Die meisten Mitglieder stammen aus dem Kreis Viersen, es kommen noch einige weitere Modellflieger aus der weiteren Umgebung dazu. Besonders wichtig ist dem MFC die Förderung seines Nachwuchses. Jugendliche lernen hier nicht nur den Modellbau, sondern auch fliegerische Fähigkeiten und damit das Verständnis für physikalische Abläufe.

Zum 40-jährigen Bestehen des Modellflugplatzes richtete der Verein jetzt ein Schaufliegen aus. Dazu waren neben den eigenen Piloten zahlreiche Gastflieger aus mehreren Ländern angereist. Mit Geschwindigkeiten von deutlich mehr als 100 km/h zogen die Modellflugzeuge vor einem sehr interessierten Publikum ihre Runden. Der Pilot steht dabei mit seinem Steuergerät am Boden. Im Cockpit der täuschend echt nachgebildeten Maschinen sitzen nur Nachbildungen von Piloten, oft stilecht mit Fliegerhaube und Brille. Das für die Modellfliegerei schlechte Wetter zwang leider viele angekündigte Gastflieger zur Absage.

Unter ihnen war der niederländische Gastflieger ab, der sein Modell der "Blériot" vorführen wollte. Die Maschine hat eine Spannweite von 5,50 Metern. "Für dieses Modell hatten wir eigens eine Start-Sondergenehmigung bei der Bezirksregierung Düsseldorf eingeholt. Sie wurde wegen der Größe und des Gewichts erforderlich", sagte Schriftführer Hans Arnold Paulsen bedauernd. Mit dem Original solch einer "Drahtkiste" flog der Franzose Blériot 1909 von Calais über den Ärmelkanal nach Dover - damals eine Weltsensation. In Nettetal blieb die über die Felder hinwegfliegende "Sensation" nur wenigen Zuschauern vorbehalten. "Wolken machen uns nicht fertig, aber der Regen und der damit verbundene Wind sind ein Problem für Modellflieger", erklärte Hans Arnold Paulsen.

Dennoch kamen die Besucher auf ihre Kosten. Sie sahen einen Querschnitt der zahlreichen, sehr unterschiedlichen Modelle. Darunter war auch eine täuschend gut nachgebildete Transall Transportmaschine, die ein Modellflugpilot aus Limburg an der Lahn vorführte. Auch Hubschrauber unterschiedlicher Größen und Bauarten erhoben sich über dem Flugfeld und drehten ihre Runden. Bei einigen Zuschauern stießen extreme Leichtflugzeuge der Modellbauer auf ganz besonderes Interesse. Die unscheinbaren und fragilen Flieger sind kleine technische Wunderwerke.

Immer wieder applaudierten die Zuschauer, wenn Modellflugzeuge über die Felder "torkelten", wie es in der Fliegersprache heißt. "Der Druck auf die Tragflächen ist sehr groß, es muss schon eine stabile Kiste sein", erklärte Hans Arnold Paulsen. Jede einzelne Schraube müsse vor dem nächsten Flug kontrolliert werden, bestätigte der 19-jährige Pilot Patrick Stahlmann. Er steuerte sein erstes Modell bereits mit sieben Jahren. "Nur das mit dem Raucheffekt in der Luft hat nicht geklappt", sagte er enttäuscht nach der Landung seines Modells. Sofort machte er sich auf Ursachensuche. Eine halbe Stunde später stieg seine Maschine wieder auf. Nun klappte die Vorstellung des Raucheffektes, und der Pilot bekam einen Sonderapplaus.

Quelle: RP
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