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Nettetal
Führerschein: Prüfung bald in Arabisch

Nettetal: Führerschein: Prüfung bald in Arabisch
Nimet Said freut sich. Ihre Petition war erfolgreich. Künftig kann die theoretische Führerscheinprüfung wieder in arabischer Sprache abgelegt werden - das war schon bis 2011 möglich, wurde damals aber abgeschafft. FOTO: Burghardt
Nettetal. Nimet Said von der Nettetaler Flüchtlingshilfe startete eine Petition und wurde unterstützt von Uwe Schummer MdB. Möglich war das bis 2011, doch wurde die Sprache damals gestrichen. Minister Dobrindt ändert die Bestimmungen. Von Joachim Burghardt

Lange schon setzt sich Nimet Said aktiv ein für die Belange von Flüchtlingen und für ihre Integration. Das macht sie in Nettetal, aber wenn's sein muss, auch bei der Bundesregierung in Berlin. So hat sie jetzt mit einer Petition, unterstützt vom Willicher Bundestagsabgeordneten Uwe Schummer (CDU), dazu beigetragen, dass die theoretische Führerscheinprüfung auch wieder auf Arabisch möglich ist. "Das ist natürlich gut für viele Asylbewerber bei ihrer Integration in Deutschland", freute sich Said, als sie die Mitteilung aus Berlin erhielt.

"Ich appelliere an die Bundesregierung, den Führerschein in arabischer Sprache wieder einzuführen", schrieb Said, die Mitglied im Vorstand des Fördervereins Flüchtlingshilfe und im Integrationsrat ist, in ihrer Online-Petition im Juni letzten Jahres. Und fand schnell viele Unterstützer. Als Schummer im November Flüchtlingseinrichtungen in Nettetal besuchte, berichtete sie auch ihm von ihrem Anliegen, hakte Anfang dieses Jahres nach. "Ich habe ihr zugesichert, mich zeitnah zu kümmern", berichtete Schummer auf Nachfrage.

Arabisch gehörte lange zu den Sprachen, in denen die theoretische Prüfung absolviert werden konnte. 2011 jedoch wurde der Katalog der möglichen Prüfungssprachen in Deutschland auf elf reduziert. Arabisch fiel damals raus. Dann aber, fand Said, sei der Bedarf an "Führerscheinfragebögen in arabischer Sprache aufgrund der Flüchtlingssituation, insbesondere aus Syrien, wieder angestiegen". In ihrer Petition verwies sie auf ihre "Erfahrungen als Mitglied des Flüchtlingsrates in Nettetal".

Tatsächlich kennt die 50-jährige gelernte Bürokauffrau, die im Alter von zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland kam, "etliche Flüchtlinge, die ohne Führerschein kaum eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt" hätten. Der syrische Asylbewerber Mahud* zum Beispiel ist Wirtschaftsjurist. Er besucht einen Integrationskursus und weiß, dass er "mobil sein muss, um hier Arbeit zu finden". Oder Ahmed* aus Afghanistan, der eine Ausbildung in der Kfz-Branche anstrebt: "Da hätte ich natürlich ohne Führerschein schlechte Karten."

Das Problem bei beiden ist identisch: Sie können bereits prima Deutsch reden, aber mit der Schriftsprache hapert's noch. Gegen mögliche Einwände, Flüchtlinge sollten erst die deutsche Sprache komplett beherrschen, bevor sie sich in den Straßenverkehr wagen, argumentierte Said freundlich, aber bestimmt: "Die Prüfung ist ja auch in anderen Sprachen möglich, und eine Fahrerlaubnis ist hilfreich bei der Integration."

Das waren ihr Gründe genug für ihre Petition. Was auch Schummer so sah: "Wer eine schnelle Integration von Flüchtlingen will, der muss sie in Arbeit vermitteln, für die Arbeitsaufnahme ist der Führerschein oft Voraussetzung." Deshalb habe er Nimet Saids Anliegen unterstützt "und Bundesminister Dobrindt informiert". Schummer schrieb ihm und sprach persönlich mit dem CSU-Politiker.

Die Petition hatte Erfolg, zumal immer häufiger das Thema angesichts vieler Flüchtlinge aus arabischsprachigen Ländern diskutiert wurde: Dobrindt habe aufgrund der aktuellen Entwicklungen "entschieden, Arabisch wieder als Prüfungssprache in die Fahrerlaubnis-Verordnung aufzunehmen", schrieb jetzt die Parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär an Schummer, der sogleich Said informierte: "Der Bundesminister hat in Ihrem Sinne entschieden".

"Ich bin natürlich superfroh", lächelte Said, die viel Lob von Flüchtlingen beim Treffen im Café Begegnung der evangelischen Kirchengemeinde Lobberich-Hinsbeck bekam. Solch ehrenamtlicher Einsatz nötigte Schummer Respekt ab: "Für Ihr Engagement danke ich Ihnen", schrieb er Said. Darüber hinaus hob er grundsätzlich bei der Flüchtlingsarbeit in Nettetal "das vorbildliche Miteinander von bürgerschaftlichem Engagement und städtischer Verwaltung" hervor.

Worauf Nimet Said jetzt noch wartet, ist die Umsetzung des Minister-Entscheids mit Fragebögen in arabischer Sprache. Dazu erklärt Staatssekretärin Bär: "Eine entsprechende Änderung der Fahrerlaubnis-Verordnung ist in Vorbereitung."

* Namen sind auf Bitten der Flüchtlinge geändert.

Quelle: RP
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