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Nettetal
Für ein Jahr ins bolivianische Tiefland

Nettetal: Für ein Jahr ins bolivianische Tiefland
Die Pinnwand mit der Weltkarte schenkten Freunde Julia Steger zum 18. Geburtstag. Die Schnur zeigt die Distanz zwischen Deutschland und Bolivien. Dort wird die Kaldenkirchenerin nun ein Jahr leben und arbeiten. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Nettetal. Julia Steger fliegt heute nach La Paz. Von dort geht es weiter nach San Ignacio de Valesco, wo die Steyler Missionare ein Internat für Kinder und Jugendliche führen. Als "Missionarin auf Zeit" will die 18-Jährige dort ein Jahr leben und arbeiten. Von Birgitta Ronge

Julia Steger hat einen Rucksack und einen Koffer gepackt. Was drin ist, muss reichen für ein Jahr. Die 18-jährige Kaldenkirchenerin macht sich heute Abend auf den Weg in die bolivianische Stadt La Paz. Von dort aus geht es weiter nach San Ignacio de Valesco im Osten des Landes. Dort will die Abiturientin des Albertus-Magnus-Gymnasiums ein Jahr lang bleiben, mitleben, mitarbeiten, mitbeten.

Sie hat sich dafür entschieden, ein Auslandsjahr - Traum vieler junger Leute - in einem Land zu verbringen, in dem sich die Steyler Missionare engagieren. "Ich war Messdienerin, habe eine katholische Schule besucht, das prägt", sagt Julia. Zuletzt betreute sie in ihrer Heimatpfarre St. Clemens eine Eine-Welt-Gruppe für Kinder. "Daher habe ich mich bei den Steylern beworben. Etwas anderes wäre für mich nicht in Frage gekommen."

Sie wollte raus nach dem Abi, raus aus Deutschland, raus aus "diesem Konsumdenken, wo das Handy immer verfügbar ist und wir uns kaufen können, was wir möchten", sagt Julia. Als sie von anderen jungen Leuten, die schon als "MaZ" im Ausland gewesen waren, hörte, welche Erfahrungen sie dort gemacht hatten, was für eine beeindruckende Zeit hinter ihnen lag, da wusste Julia: "Das ist was für mich."

Sie schrieb eine Bewerbung und wurde zum ersten Seminar eingeladen. Weitere Treffen folgten, insgesamt dauerte die Vorbereitungszeit auf den Auslandseinsatz gut ein Jahr. Dass es anderen ebenso erging wie ihr und auch sie das Gefühl hatten, solch ein MaZ-Jahr wäre genau das Richtige, wurde Julia bei diesen Treffen klar: "Das ist der MaZ-Geist", sagt sie, "da waren zehn oder 15 Leute aus ganz Deutschland, und wir hatten alle gleich das Gefühl, wir würden uns schon ewig kennen."

Am Albertus-Magnus-Gymnasium hatte Julia ein Jahr lang Spanischunterricht, zusätzlich besuchte sie Kurse bei der Volkshochschule. Nun hofft sie, dass ihre Sprachkenntnisse für den Anfang reichen werden. "Ich habe seitdem weiter Vokabeln gelernt und hoffe, dass ich mich verständigen kann."

Sie ließ sich impfen, beantragte einen Reisepass, sagte den Freunden auf Wiedersehen. Einige schenkten ihr zum Geburtstag eine Pinnwand mit aufgemalter Weltkarte. Den Abstand zwischen Deutschland und Bolivien kennzeichneten sie mit Pins. Eine weiße Schnur steht für die Distanz zwischen den Ländern. Über Skype und E-Mail werden Julia und ihre Freunde Kontakt halten können. Auch will sie per E-Mail Berichte verschicken an alle, die wissen möchten, wie es ihr geht und was sie gerade macht. Sie war schon in Barcelona und in Rom. Aber noch nie so weit weg von zu Hause.

Im Koffer liegen eine dicke Jacke und ein warmer Pullover - sicherheitshalber. Denn in La Paz kann es kalt werden, die Stadt liegt auf bis zu 4100 Meter Höhe. Anders ist das in San Ignacio im bolivianischen Tiefland - da ist es eher warm und feucht. Sommerkleidung reicht. Was im Gepäck fehlt, ist Julias Klarinette. Gern würde sie den 13- bis 18-jährigen Mädchen in dem Internat, in dem es auch eine Musikschule gibt, Unterricht geben, doch die Klarinette würde die Reise kaum überstehen, "sie ist aus Holz, das geht mit der Hitze und der Feuchtigkeit dort nicht". Julia hofft nun, dass es ihr gelingt, in Bolivien zwei Klarinetten aufzutreiben, "denn wenn ich Unterricht geben will, brauche ich ja zwei".

Wenn Julia zurückkehrt, will sie Psychologie und Soziologie studieren. Sie könnte sich auch vorstellen, später erneut für eine Zeit lang ins Ausland zu gehen. Dass ihr Weg sie nun zunächst nach Bolivien führt, ist einfach so. Julia hätte in jedem Land eingesetzt werden können, in dem sich die Steyler engagieren. "Die Rückkehrer haben gesagt: ,Es ist egal, ich welches Land du gehst. Jedes Land wird dein Land werden", erzählt Julia. Ob es ein tolles Jahr wird, liege an jedem selbst. So lautet auch das Motto des Projekts: "MaZ ist, was du draus machst."

Quelle: RP
 
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