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Nettetal
Für Yaser (17) ist das Turnier ein Traum

Nettetal: Für Yaser (17) ist das Turnier ein Traum
Von der Tribüne aus, auf der sich viele Gespräche unter den Jugendlichen entwickelten, schauten auch die pausierenden Teams den Spielen in der Lobbericher Sporthalle zu. FOTO: Busch
Nettetal. Zum 28. Mal organisierten Streetwork Nettetal und die örtlichen Jugendzentren das multikulturelle Fußballturnier in der Lobbericher Sporthalle an der Süchtelner Straße. Teams aus der Flüchtlingsunterkunft nebenan waren dabei. Von Matthias Mertens

Eifrig verfolgt Yaser Hashemi das Geschehen auf dem Fußballplatz. Er feuert seine Mannschaftskameraden lautstark und leidenschaftlich von der Seitenlinie aus an. Dann wird er eingewechselt und schießt direkt ein Tor. Eigentlich ist das eine ganz normale Szene in einer Turnhalle. Doch für Yaser Hashemi ist es trotzdem etwas Besonderes. Vor nicht einmal zwei Monaten flüchtete Yaser aus seiner Heimat Afghanistan. "Dass ich nun in Lobberich an einem Fußballturnier für Jugendliche teilnehmen kann, ist eigentlich unglaublich", sagt der 17-Jährige.

Beim 28. Midnight Soccer treten 26 Fußballteams aus ganz Nettetal in der Sporthalle an der Süchtelner Straße in Lobberich gegeneinander an. Auch drei Mannschaften mit jungen Flüchtlingen nehmen mit sichtlich großem Spaß teil. Die Nettetaler Jugendzentren richten das Fußballturnier gemeinsam mit der Jugendarbeit Kolibri Bracht aus. Schon vor mehr als 13 Jahren riefen Nettetals Streetwork mit den Jugendzentren das Fußballfest ins Leben.

"Das Turnier hat sich inzwischen in Nettetal zu einer festen Intuition entwickelt. Heute kicken hier Kinder und Jugendliche aus der ganzen Welt zusammen. Das ist gelebte Integration", freut sich Streetworkerin Marie-Luise Hellekamps, während vor ihren Augen die verschiedenen Jugendlichen gemeinsam dem runden Ball hinterherjagen. "Mit Fußball erreicht man eigentlich jeden. Wer zusammen kickt, versteht sich auch neben dem Platz", stellt Hellekamps begeistert fest. Die Idee ist in jedem Turnier wieder frisch.

Auch andere Teams und Zuschauer feuern die Mannschaften der Flüchtlinge mit Begeisterung von der voll besetzten Tribüne aus an. Mitten unter den jubelnden Fans sitzt Jakob Thevessen. Er betreut im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres die minderjährigen Flüchtlinge, die gleich neben der Turnhalle in der früheren Hauptschule Lobberich ohne Eltern untergebracht sind. Deutschlehrer, Arztbegleiter Fußballtrainer - die Aufgaben von Jakob Thevessen sind abwechslungsreich und sehr unterschiedlich.

"Es macht einfach unglaublich Spaß, den Jugendlichen in den verschiedenen Bereichen helfen zu können. Vor allem, wenn man hier sieht, wie Jugendliche aus der ganzen Welt, die sich bisher überhaupt nicht kannten, zu einer Mannschaft werden", berichtet Jakob Thevessen begeistert von seiner Arbeit.

Neben dem sportlichen Wettkampf in der Halle gibt es natürlich auch wieder ein Rahmenprogramm für die Jugendlichen. Die Diakonie berät sie über Verhütung und Schwangerschaft. Auf Wunsch gibt es immer wieder auch individuelle, ganz persönliche Gespräche darüber. Beim interaktiven Infostand der Suchtberatung des Vereins "Kontakt, Rat, Hilfe" kann man mit einer speziellen "Rauschbrille" erleben, wie wenig Kontrolle man noch über sich selber besitzt, wenn man betrunken ist.

Vor der Halle steht, wie in jedem Jahr ein kleiner Bus. Der Chauffeur bringt damit Jugendliche auch noch ganz spät am Abend sicher nach Hause. Das Turnier der älteren Jahrgänge ist bis 1 Uhr angesetzt. So wollen die jugendlichen Kicker noch bis tief in die Nacht Fußballspielen. Allen voran, ist Yaser aus Afghanisatan dabei, der sein Glück mitzumachen, kaum fassen kann: "Beim Fußball kann man alles andere um sich herum vergessen und einfach einmal Spaß haben."

Quelle: RP
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