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Nettetal
Gefährlich: Hundekot auf Kuhwiesen

Nettetal. Neun Fehlgeburten bei seinen Kühen musste ein Milchbauer aus Nettetal im Frühjahr verkraften. Ursache dafür sind wahrscheinlich Hunde, die ihr Geschäft auf seinen Weideflächen verrichten. Doch die Hundebesitzer sind uneinsichtig. Von Laura Lotz

Für einen Milchviehbetrieb in Nettetal war es ein schwarzes Frühjahr. Neun Kälber sind auf dem Hof tot geboren worden. Grund ist aller Wahrscheinlichkeit nach der Krankheitserreger Neospora caninum, der sogenannte Hundeparasit, der bei Kühen meist zu Aborten führt. Der Erreger kann unter anderem durch Hundekot übertragen werden. Der Landwirt, der namentlich nicht genannt werden möchte, hat wenig Verständnis für die ignorante Haltung mancher Hundeliebhaber. "Viele lassen ihre Hunde von der Leine, die laufen dann auf die Wiesen und verrichten ihre Geschäft dort", sagt er. Spricht man die Besitzer darauf an, reagieren viele gereizt.

Wenn der Hund, der den Einzeller in sich trägt, seinen Kot auf beweideten Flächen hinterlässt und die Kühe diesen zu fressen bekommen, geht der Parasit auf das Vieh über. "Neosporose ist einer der häufigsten Ursachen für Fehlgeburten bei Kühen", erklärt Annette Forro, Tierärztin auf dem betroffenen Hof. Der Erreger sei extrem resistent. Hitze wie Kälte könnten ihm nicht viel anhaben. Zurzeit gibt es weder Behandlungsmethoden noch einen in Deutschland zugelassenen Impfstoff.

Kreislandwirt Paul-Christian Küskens ist die Hundekot-Problematik bekannt. "Das ist ein leidiges Thema. Aber wir Landwirte sind dagegen leider machtlos." Auch er hat erlebt, dass Hundehalter extrem empfindlich reagieren, wenn man sie auf ihre freilaufenden Vierbeiner anspricht. "Viele sind der Ansicht, weil sie Hundesteuer zahlen, dürften ihre Hunde tun und lassen, was sie wollen", sagt er. Vor Jahren habe es mal eine Kampagne mit Warnschildern gegeben. Die hätten allerdings kaum Wirkung gezeigt. "Einige Schilder sind zerstört worden, andere wurden mit Hundekot beschmiert", erzählt Küskens. In Bayern, sagt Annette Forro, achten Hundebesitzer auf solche Warnhinweise. "Allerdings auch, weil dort streng mit dem Thema umgegangen wird. Wer den Hund hinmachen lässt, wo er will, wird zur Kasse gebeten", sagt sie.

Auch der Nettetaler Landwirt sieht die Stadt in der Pflicht. Zwar würde das Ordnungsamt gelegentlich Kontrollen fahren – aber zur falschen Uhrzeit. "In den frühen Morgenstunden und am späten Abend gehen die meisten Besitzer mit ihren Hunden raus", sagt er. Außerdem sollten Hundekotboxen aufgestellt werden, wo sich die Halter mit Tüten versorgen können, um die Haufen ihrer Vierbeiner einzusammeln. "Manche Leute sind ja bereit, den Kot zu beseitigen, denken aber nicht an Tüten", sagt der Juniorchef.

Die neun Fehlgeburten bedeuten auch erhebliche finanzielle Einbußen für den Betrieb. "Der Landwirt muss sich überlegen, ob er die Kosten tragen will, die anfallen, bis die Kuh wieder tragend ist", sagt Annette Forro. Eine Kuh zu halten, kostet zwischen 3,50 und vier Euro pro Tag. Bis die Kuh wieder Milch gibt und dem Betrieb Geld einbringt, vergeht mehr als ein Jahr. Viele Landwirte könnten das finanziell nicht stemmen. Was bleibt, ist der Gang zum Schlachter. Für den Nettetaler Bauern liegt der Verlust bei 2000 bis 4000 Euro pro Kuh.

Dem Kreisveterinäramt Viersen sind keine weiteren Fällen von Neospora bekannt. Annette Forro aber schätzt, dass 60 bis 70 Prozent der Betriebe im Kreisgebiet von dem Problem betroffen sind. "Das ist allerdings eine subjektive Einschätzung", betont sie. Zahlen, die das belegen, gibt es nicht. Das Veterinäramt müsse auch nicht eingeschaltet werden, weil Neosporose keine meldepflichtige Tierseuche sei wie etwa die Schweinpest. Gegen Jahresende sollen in Nettetal die nächsten Kälbchen geboren werden - dann hoffentlich gesund. FRAGE DES TAGES

(RP/top)
 
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