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Nettetal
Gemeinsam ein Netz der Hilfe knüpfen

Nettetal: Gemeinsam ein Netz der Hilfe knüpfen
Sie bilden ein Netzwerk der Hilfe: Wolfgang Winter (l.), Waltraud Wiegers und Erich Both engagieren sich im Kaldenkirchener Netzwerk Nachbarschaft. Sie helfen Menschen, die alleinstehend sind oder die Begleitung brauchen. FOTO: jobu
Nettetal. Im Kaldenkirchener Netzwerk Nachbarschaft kümmern sich 20 Männer und Frauen um andere, die Unterstützung im Alltag brauchen, ob beim Einkaufen oder beim Weg zu Behörden. Es sind kleine Dienste mit großer Wirkung Von Joachim Burghardt

Kleine Angebote, große Wirkung: "Wir besuchen Menschen, die sonst niemanden haben, oder erledigen Einkäufe, wenn jemand nicht mehr so mobil ist", sagt Ehrenamtlerin Waltraud Wiegers (69). Für diejenigen, die Hilfe bekommen, sind es Lichtblicke im Leben, erfahren sie doch, dass jemand für sie da ist, sich um sie sorgt. Diejenigen, die dieses Netz der Hilfe knüpfen und andere auffangen, das sind rund 20 Männer und Frauen aus Kaldenkirchen vom Netzwerk Nachbarschaft. Und das tun sie seit genau zehn Jahren.

"Anderen zu helfen, ist eine Selbstverständlichkeit. Aber sich von anderen helfen zu lassen, das kostet manche Menschen Überwindung", schildert Wiegers ihre Erfahrungen. Zusammen mit zwei Mitgliedern des Netzwerkes, Erich Both und Wolfgang Winter, wirft sie einen Blick auf die vergangenen zehn Jahre praktizierter Nächstenliebe. Sie erinnert sich daran, dass die Anfänge aus der Not geboren wurden: "Damals hörte die Gemeindeschwester in unserer evangelischen Kirchengemeinde Kaldenkirchen auf, und wir standen vor einem Problem." Die Kirchen müssen und mussten sparen, auch am Personal. So fand sich schließlich ein Kreis engagierter Gemeindemitglieder um Waltraud Wiegers, die ehrenamtlich die karitativen Dienste weiterführen wollten.

Wie es funktionieren könnte, wurde in einem Gottesdienst deutlich, wie Wiegers erzählt: "Wir warfen uns gegenseitig ein Wollknäuel zu. Die Fäden symbolisierten das Miteinander, wie ein Netzwerk, und da merkten wir: Unsere Gruppe ist eigentlich auch ein Netzwerk."

Dieses Netzwerk Nachbarschaft hilft nicht nur in der Kirchengemeinde, sondern in ganz Kaldenkirchen: "Wir fragen nicht nach Glauben oder Konfession. In unserem Helferkreis sind Evangelische wie Katholische", ergänzt Ehrenamtler Wolfgang Winter (68). Warum er sich für andere einsetzt: "Wenn man in den Ruhestand geht, hat man mehr Zeit, sich zu engagieren, für andere da zu sein." So übernimmt Winter Fahrdienste und bringt Menschen, die nicht mobil sind, zu Ärzten oder zu Behörden.

Ähnlich sieht es beim 79-jährigen Erich Both aus. Auch er macht mit kleinen Hilfen den Alltag für andere leichter. Einkaufen für einen Schwerstbehinderten, ihm Zeit für Gespräche schenken - das gehört etwa dazu. Oder einer älteren Kaldenkirchenerin beistehen, die aus Russland herzog: "Ich helfe dann beim Ausfüllen von Behörden-Formularen oder wenn etwas in der Wohnung nicht in Ordnung ist." Details oder gar Namen verraten die Netzwerker nicht: "Wer unsere Hilfe in Anspruch nimmt, muss sich auf Vertraulichkeit verlassen können. Man baut ja eine Beziehung auf", macht Wiegers deutlich. Bei allem Engagement der Netzwerker, bei aller Hilfsbereitschaft, bei aller Uneigennützigkeit gehe man aber nicht unbedarft an die Aufgaben, sagt die frühere Krankenschwester. Man habe von Anfang an fachlichen Rat und sachkundige Begleitung gehabt. Auch der Erfahrungsaustausch sei selbstverständlich: "So erfüllend die Erfahrung ist, anderen vielleicht ein bisschen helfen zu können, und so schön es ist, wenn man Dankbarkeit spürt, so sehr geht es einem mitunter auch ans Herz, was wir für Schicksale erleben." Wichtig sei darum auch, dass die Gruppe sich öffne, sich beteilige am kirchlichen und kommunalen Leben.

Deshalb organisiere sie etwa das Café Netzwerk im evangelischen Gemeindehaus. "Und wir haben einmal im Monat unser Netzwerk-Treffen, bei dem jeder willkommen ist", sagt Wiegers. Natürlich hoffe man darauf, so die Ehrenamtlerin, dass sich dabei der eine oder andere finde, der ein bisschen Zeit habe, um im Netzwerk anderen zu helfen, "ob für eine ältere Dame einkaufen zu gehen oder beim Fahrdienst für Flüchtlinge zu besonderen Veranstaltungen mitzumachen". Kleine Dienste eben, aber für die Betroffenen mit großer Wirkung.

Quelle: RP
 
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