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Nettetal
Gesucht: Ein Zuhause auf Zeit

Nettetal: Gesucht: Ein Zuhause auf Zeit
Die Kaldenkirchenerin Beate Steffens (Mitte) sich seit vielen Jahren als Pflegemutter. Meike Gröne und Claudia Seidelmann (rechts) von Sozialdienst katholischer Frauen unterstützen Steffens und ihre Familie bei dieser Aufgabe. Rp-Foto: buschkamp FOTO: engagiert
Nettetal. Beate Steffens und ihr Mann kümmern sich seit Jahren um Pflegekinder. "Solche Familien sind mehr denn je gefragt", sagt Claudia Seidelmann vom Pflegekinderdienst Von Daniela Buschkamp

Beate Steffens aus Kaldenkirchen wollte eigentlich Mutter in einem SOS-Kinderdorf werden. Das ist sie nicht geworden. Dennoch hat sie neben ihren eigenen fünf Kindern vielen anderen Mädchen und Jungen ein Zuhause gegeben - auch, wenn es nur auf Zeit war. Steffens und ihr Mann stellten sich für die Bereitschaftspflege zur Verfügung. Das Paar nahm Kinder auf, die nicht mehr in der eigenen Familien bleiben konnten und vorübergehend ein Zuhause brauchten. "Ich bin sehr sozial eingestellt. Wer mich kennt, weiß, dass Kinder mir und meinem Mann das Wichtigste sind", sagt die 50-Jährige. Auf einem großen Bauernhof in Hülst gibt es genug Platz für Kinder. Langeweile kennt Steffens, die auf dem Kinderbauernhof auch Geburtstage organisiert, nicht.

Benjamin, Yannick, Moritz und Jakob - Beate Steffens könnte noch viele weitere Namen nennen. Für sie alle war die Kaldenkirchenerin kurzfristig und in einer oft schwierigen Situation da. Stets in dem Bewusstsein, dass diese Aufnahme zeitlich begrenzt ist und dass ihre Schützlinge sie wieder verlassen werden - etwa, um in die eigene Familie zurückzukehren, um in eine Wohngruppe zu wechseln oder um dauerhaft bei Pflegeeltern ein neues Zuhause zu finden. "Das ist mir immer bewusst", schildert Beate Steffens. Sie beschreibt sich aber auch als derart pragmatisch, dann Abschied nehmen zu können, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. "Das sind dann fünf Minuten, in denen ich ein Taschentuch brauche. Aber dann geht es weiter", sagt sie.

In der Stadt Nettetal wurde im Jahr 2012 ein eigenes Jugendamt gegründet. Seitdem kümmert sich der Viersener Verein Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) um den Pflegekinderdienst. Claudia Seidelmann ist bereits 20 Jahren mit dieser Aufgabe betraut. "Wir haben in Nettetal einen Pool von 13 Familien wie die Steffens', die für Minderjährige Bereitschaftsbetreuung übernehmen", so Seidelmann Diese müssten sehr flexibel sein, auch Erfahrungen mit Kindern seien vorteilhaft. "Und sie müssen auch bereit sein, die Kinder wieder gehen zu lassen", so die SkF-Mitarbeiterin. Für die Pfleger gibt es eine kleine Entschädigung.

Dazu kämen rund 50 Familien in Nettetal, die Mädchen und Jungen in Vollzeitpflege perspektivisch ein Zuhause bieten würden. Zudem gebe es Pflegestellen, in denen die Pflegeeltern eine pädagogische Ausbildung vorzuweisen haben. "Diese nehmen Kinder auf, die aufgrund ihrer Erfahrungen spezielle Bedürfnisse haben", sagt Seidelmann. Denn viele Pflegekinder hätten schlechte Erfahrungen gemacht und deshalb Schwierigkeiten, wieder Vertrauen zu fassen und eine Bindung aufzubauen. Wichtig insbesondere bei der Vollzeitpflege sei eine behutsame Kontaktaufnahme.

Claudia Seidelmann hat zudem die Erfahrung gemacht, dass "immer mehr Familien gleich mehrere Probleme haben". Zurzeit gibt es in Nettetal 65 Pflegefamilien - doch weitere Pflegeeltern werden gesucht. "Pflegekinder brauchen die Chance, neu anfangen zu können, ihre Vergangenheit zu bewältigen und Versäumtes aufzuholen", meint die SkF-Mitarbeiterin.

Beate Steffens macht seit dem vergangenen Jahr allerdings keine Bereitschaftsbetreuung mehr. Sie hat mit ihren Familienmitgliedern entscheiden, drei Kindern langfristig ein neues Zuhause zu geben. Manchmal wird sie "Mama" genannt, meist beim Vornamen. Ebenso wichtig wie der Geburtstag ist für die Pflegekinder das Datum, an dem sie in der Familie bleiben konnten. Es ist fast wie zweiter Geburtstag.

Quelle: RP
 
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