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Nettetal
Graffiti-Sprayer Julian Seeger verziert Duisburger Kiosk fürs Fernsehen

Nettetal: Graffiti-Sprayer Julian Seeger verziert Duisburger Kiosk fürs Fernsehen
Julian Seeger "bei der Arbeit" in Nettetal. Im Auftrag einer Produktionsfirma war der Sprayer in Duisburg. Der Graffiti-Kiosk ist inzwischen Kult. FOTO: IVB
Nettetal. Sein Vater verfeinert Torten, der Sohn triste Wände. Jetzt hat eine Produktionsfirma den Sohn des Konditors beauftragt, einen Duisburger Kiosk zu verschönern Von Inge von den Bruck

Für Julian Seeger (19) sind Graffiti alles andere als eine Schmiererei. Ihn faszinieren schon seit seinem zehnten Lebensjahr Farben. "Besonders die, die aus der Sprühdose kamen", sagt er. "Für meine Graffiti-Werke gebe ich gern meinen Namen her", erklärt der junge Mann, der gerade Abitur gemacht hat. So manch graues Garagentor hat er schon mit seinen Graffiti-Arbeiten verschönert. Statt Konditorei-Produkte aus der Confiserie Seeger in Lobberich verbindet man jetzt auch Graffiti-Werke mit dem Namen Seeger.

Jüngst war Julian Seeger für die Kölner Produktionsfirma Filmpool Entertainment in Sachen Graffiti unterwegs. Die Firma hatte ihn beauftragt, einen Kiosk in Duisburg für eine Sat.1-Fernsehserie "Auf Streife" zu einem Graffiti-Werk zu gestalten - oder besser gesagt zu sprayen. "Der Kiosk ist so beliebt, dass er jetzt noch in der künstlerischen Graffiti-Form am Standort aufgebaut ist", erzählt Mutter Ulrike mit ein wenig Stolz. Viele Graffiti-Anhänger ziehe der Kiosk seitdem täglich an. Er sei so praktisch zu einem "Graffiti-Kult-Kiosk" geworden, erzählt die Mutter.

Fernseherfahrung kann auch sein Vater Marcel vorweisen. Für den WDR stand der Konditor mehrfach vor der Kamera und zauberte Köstlichkeiten. Die Nettetaler Familie betreibt die Konditorei in vierter Generation. Marcel Seegers Ur-Großmutter eröffnete sie im Jahr 1895.

Die Kunst des Sprayens hat sich im Ansehen der Gesellschaft gewandelt: Wurde Graffiti früher in der öffentlichen Wahrnehmung oft als Schmiererei oder gar als Vandalismus bezeichnet, geben manche Kommunen heute sogar Graffiti-Flächen frei. Graffiti ist inzwischen Kunst, die mittlerweile sogar schon im Fach Kunst an den Schulen unterrichtet wird. Im Internet ist ein großes Lexikon über Graffiti erschienen, und längst sind professionelle Graffiti-Malereien heiß begehrt.

Im vergangenen Jahr nahm man sich in der Alten Kirche des Themas an und zeigte in der Christmette eine andere Krippe: Julian Seeger hatte dort mit seinem Freund Nico Kupschuss zur Weihnachtszeit eine Graffiti-Krippe installiert. "Josef, Maria und Jesus kommen so ganz anders daher, als man das aus den traditionellen Darstellungen kennt. Sie wurden ins Heute gesprayt", sagt der Theologe Bastian Rütten.

Julian Seeger widmet sich auch in seinem Urlaub der Kunst aus der Spraydose. Er hat an Graffiti-Workshops teilgenommen, um seine Technik zu verfeinern. "In meiner Welt sind die Farben knallbunt", sagt er. Klar, dass die Kunst auch weiterhin eine Rolle spielen wird - und das nicht auf Torten und Kuchen. "Das überlasse ich meinem Vater", so Julian Seeger.

Quelle: RP
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