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Nettetal
Griechen feiern "schöne Christi Geburt"

Nettetal: Griechen feiern "schöne Christi Geburt"
Ioannis Dimitriadis, Anthoula Kapnidou, Platon Kapnidis und Athanasios Malliaridis (von links) zeigen Ikonen der griechisch-orthodoxen Gemeinde. Das Bild in der Mitte erzählt die Geschichte von Christi Geburt. Sie wird zum Weihnachtsgottesdienst in Dülken mitgenommen. FOTO: Burghardt
Nettetal. Für die kleine griechisch-orthodoxe Gemeinde Nettetal steht die Göttliche Liturgie im Zentrum des Weihnachtsfestes. In den Familien treffen Traditionen aus der alten Heimat auf mitteleuropäisches Brauchtum. Von Joachim Burghardt

In aller Herrgottsfrühe werden sich die Mitglieder der griechisch-orthodoxen Gemeinde Nettetal am ersten Weihnachtstag auf eine kurze Reise begeben. Sie fahren nach Dülken, wo sie schon um sechs Uhr morgens in der evangelischen Kirche ihre Weihnachtsliturgie feiern werden. Eine eigene Kirche haben sie nicht in der Seenstadt. Sie müssen sich nach freien Zeiten in anderen Gotteshäusern und nach dem Zeitplan ihres Priesters aus Duisburg richten. Die Gemeinde ist klein, doch der Zusammenhalt groß: "Liturgie und Tradition sind uns wichtig, besonders am Festtag der Geburt Christi", sagt Athanasios Malliaridis, ehrenamtlicher Diakon der Gemeinde.

Ehrfürchtig hält Malliaridis eine farbenprächtige Ikone in seinen Händen: Das Bild zeigt in der Mitte das Christuskind mit goldenem Heiligenschein in der Krippe, daneben Maria, drumherum Engel und biblische Szenen. "Das ist unsere Weihnachtsikone", erklärt er mit feierlicher Stimme. Behutsam legt er die bildliche Darstellung der Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zur Geburt des Göttlichen Kindes auf den Altar der evangelischen Kirche in Lobberich.

Hier, wo die orthodoxe Gemeinde sonst ihre Sonntagsgottesdienste feiert, trifft sich Malliaridis mit drei anderen Gemeindemitgliedern. Sie erzählen von weihnachtlichen Bräuchen ihrer griechischen Heimat und vom Versuch, diese Traditionen am Niederrhein weiter zu pflegen. Sie reden zwischendurch viel auf Griechisch, lachen, verstummen und schauen ernst drein: Mal äußert sich Wehmut über das, was verging, mal Freude über das, was blieb.

"Das Fest des heiligen Nikolaus ist uns sehr wichtig. Das haben wir mit vielen Familien hier im Gemeindehaus nebenan gefeiert", erzählt Platon Kapnidis. In der Orthodoxie spielen Heilige eine große Rolle, weshalb auch der Namenstag mehr als der Geburtstag gefeiert wird - eigentlich: "Aber man passt sich allmählich den deutschen Gepflogenheiten an, vor allem jüngere Leute feiern heute mehr den Geburtstag", nennt Ioannis Dimitriadis ein Beispiel dafür, dass nicht nur weihnachtliche Traditionen den Bräuchen der neuen Heimat weichen. Aber die haben sich bei Katholiken im Laufe der Jahrzehnte auch verändert. Früher war auch ihnen der Namenstag wichtiger als der Geburtstag.

So sei das eben mit Christen in der Diaspora, die eine verstreute Minderheit bilden, ergänzt die Breyellerin Anthoula Kapnidou. Aber wenigstens die Heilige Liturgie als Zentrum des Glaubenslebens bleibe unverändert. Sie werde unverändert stets in griechischer Sprache gefeiert.

Knapp 100 Nettetaler Familien zählt die orthodoxe Gemeinde. Bei aller Liebe zur Tradition pflegt man laut Malliaridis vor allem der Kinder wegen längst "europäisches Brauchtum" an Weihnachten, zum Beispiel die Bescherung: "Eigentlich aber bringt bei uns der heilige Basilius erst am 1. Januar die Geschenke. In Griechenland ist das meist noch heute so."

Dabei dienen "die 40 Tage vor Weihnachten der Vorbereitung auf das Fest der Geburt Christi", hebt Kapnidou hervor. Fasten und Besinnung werden durchaus ernst genommen, das sei "schon ein Kontrast zu all den vorweihnachtlichen Leckereien, die hier überall angeboten" würden. Umso üppiger fällt dann das weihnachtliche Festmahl mit der ganzen Familie, mit allen Verwandten aus: Typisch griechische süße Häppchen und pikante Vorspeisen bereiten den Magen vor aufs Hauptgericht, "meist ein Braten, Schwein oder Gans".

Im Mittelpunkt freilich steht die Göttliche Liturgie: "Weihnachten ist ein besonders Hochfest, auch wenn für uns Ostern, die Auferstehung Christi, der höchste Feiertag ist", erläutert Malliaridis. Schon für den normalen Sonntagsgottesdienst in Lobberich wird jeweils der Altar für den orthodoxen Ritus hergerichtet, so werden Ikonen dazu gestellt. In der mehr als zweieinhalbstündigen weihnachtlichen Liturgie, dieses Jahr in Dülken, geht's natürlich noch festlicher zu. Selbstverständlich kommt die Weihnachtsikone zum Altar.

Psalter werden dann gesungen, "Christus ist geboren" heißt's übersetzt im Hymnus. Ähnlich klingt der griechische Weihnachtsgruß, mit dem die Gemeindemitglieder sich nach dem Gottesdienst, dann schon im Tageslicht, "Kala Christougenna!", wörtlich "schöne Christi Geburt", wünschen. Anthoula Kapnidou: "Aber wir sagen natürlich auch: Frohe Weihnachten!"

Quelle: RP
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