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Heimat in Nettetal
Heimat aus der Luft neu entdeckt

Heimat in Nettetal: Heimat aus der Luft neu entdeckt
Eine der Luft-Aufnahmen von Lobberich, die Swen Megsner und Tobias Böcker mit der selbst gebauten Drohne gemacht haben. FOTO: dropics
Nettetal. Durch das Kamera-Auge einer Drohne lernt man Bekanntes aus einer neuen Perspektive kennen. Swen Megsner und Tobias Böcker haben ihre Leidenschaft für Modellbau zum Nebenberuf gemacht Von Christina Böttner

"Was machen Sie denn da? Das dürfen Sie doch überhaupt nicht." Mit solchen Sätzen werden Swen Megsner und Tobias Böcker ständig konfrontiert. Sobald die zwei irgendwo auftauchen und ihre Drohne auch nur in Position bringen, taucht mit hoher Wahrscheinlichkeit jemand auf, der Einwände hat. "Das ist völlig in Ordnung für uns", sagt Megsner. "Dann erklären wir den Menschen, oftmals Anwohner, was wir vorhaben und dass wir eine Erlaubnis der Bezirksregierung haben. In den meisten Fällen schwenkt dann die Skepsis in Neugierde um."

Diese Drohne macht die Aufnahmen aus der Luft. Jeder Flug muss aber genehmigt sein. Der Vorteil der Drohne: Es besteht eine direkte Videoverbindung zum Piloten. Man kann also direkt sehen, was gerade aufgenommen wird — und bei Bedarf den Kurs ändern. FOTO: Busch

Auch dieses Mal. Der Nachbar, der gerade noch Laub gefegt hatte, steht noch mit dem Besen in der Hand neben dem 31-Jährigen. Er schaut interessiert, wie die Drohne mit lautem Surren abhebt und sich parallel zum Wasserturm in die Lüfte schraubt. Auf dem Bildschirm kann Megsner verfolgen, was die an der Drohne angebrachte Kamera gerade aufnimmt. Nach wenigen Höhenmetern ist bereits ein schönes Panorama zu bewundern. "So lernt man seine Heimat noch mal von einer ganz anderen Seite kennen", erzählt Mesgner.

Der 31 Jahre alte Lobbericher ist leidenschaftlicher Modellbauer. Seit 16 Jahren bastelt er Fluggeräte. Die Drohne ist sein neuestes Werk. "Ich wollte etwas konstruieren, das senkrecht startet", erläutert Mesgner. An eine angebrachte Kamera dachte er zunächst gar nicht. "Doch als die Drohne in der Luft war, war ich neugierig, was sie wohl alles sieht", sagt der Bastler. Also wurde eine Kamera ergänzt.

Die " Piloten" Tobias Böcker (l.) und Swen Megsner fliegen mit ihrer Drohne auch über den Wasserturm an der Lobbericher Hagelkreuzstraße. FOTO: Busch

Um eine solche Drohne überhaupt fliegen zu lassen, benötigt er eine Versicherung und für jeden Flug eine Genehmigung der Bezirksregierung. Deshalb entschloss sich der 31-Jährige daraus ein Nebengewerbe zu machen. Er gründete 2014 die Dronies Nettetal, die mittlerweile Dropics Nettetal heißen. Mit an Bord ist seit einem halben Jahr sein Schwager Tobias Böcker.

Seitdem bieten die beiden jungen Lobbericher besondere Bilder zu besonderen Anlässen an. Unter anderem werden sie für Hochzeiten und Schützenfeste gebucht. Aber auch Leute, die eine Luftaufnahme von ihrem Grundstück haben wollen, nehmen Kontakt zu den beiden auf. "Dies können Landwirte sein, die Bilder von ihrem Hof mit den Feldern benötigen oder auch ganz normale Privathäuser", sagt Böcker. "In einem Fall hatte derjenige ein historisches Bild von seinem Haus und wollte gerne zum Vergleich nun ein aktuelles haben."

Um ein schönes Bild zu generieren, lassen die beiden Männer die Drohne rund 20 Minuten fliegen. Die Drohne zeichnet während des Fluges einen kompletten Film auf. Daraus suchen die Mesgner und Böcker anschließend das schönste Standbild aus, vergrößern es und verkaufen es inklusive Bildrechte ab 89 Euro. Je nach Aufwand. Ihre Aufstiegserlaubnis gilt für ganz NRW. Mittlerweile haben sie zahlreiche schöne Aufnahmen ihrer Heimat und dem Niederrhein gemacht, dennoch ist Mesgner noch auf der Suche nach "dem schönsten Bild von Lobberich", sagt der 31-Jährige.

Mittlerweile ist die Drohne nur noch klein am Himmel zu entdecken. Den Wasserturm hat sie längst unter sich gelassen. "Wir dürfen auf maximal 100 Meter hochgehen", erläutert Mesgner. "In den meisten Fällen reichen allerdings bereits 30 bis 40 Meter." Übrigens: Sollte die Verbindung zwischen Drohne und Steuerung abbrechen oder sogar komplett ausfallen, dann landet der Flugkörper von alleine und ganz sacht genau auf dem Punkt, von dem er gestartet ist. Aus Sicherheitsgründen.

Quelle: RP
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