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Nettetal
Herkulesarbeit mit den giftigen Herkulesstauden

Nettetal. Mitarbeiter der Stadtwerke waren am Königsbach tätig.

Frühmorgens um sieben Uhr rücken sie an, bewaffnet mit Spaten und Gartenscheren, dazu durch Sicherheitskleidung von Kopf bis Fuß geschützt: Mitarbeiter der Stadtwerke wollen am Königsbach Herkulesstauden zu entfernen. Das ist gefährlich, denn beim Berühren der riesigen Gewächse drohen Allergien, Vergiftungen und Verbrennungen. "Man hat schon ein bisschen Respekt, wenn man sich mit diesen Pflanzen befasst", gibt Uwe Siegersma zu, der den Einsatz leitet.

An diesem Morgen nieselt es, das abschüssige Gelände ist rutschig. Schon der erste Spatenstich am Fuß einer Pflanze löst Frust aus: Es scheppert, der matschige Grund ist voller Steine. Es wird wohl ein hartes Stück Arbeit, die sieben oder acht Pflanzen niederzumachen. Zweieinhalb bis drei Meter sind die armdicken Stängel. Da sie tiefer stehen fielen sie erst zwei Wochen zuvor auf. Die Köpfe der Pflanzen wurden mit Abfallsäcken verhüllt. Siegersma: "Das haben wir gemacht, damit die Samen sich nicht ausbreiten."

Das ist das Problem mit der eigentlich fremden Pflanze, die sich mehr und mehr ausbreitet: Die bis zu vier Metern hohe Herkulesstaude enthält nicht nur Giftstoffe, die in Verbindung mit Sonnenlicht heftige fototoxische Verbrennungen verursachen können. Sie wuchert derart, dass sie heimischen Gewächsen den Lebensraum nimmt.

Der Königsbach schlängelt sich hier durch eine Senke, am Ufer gedeihen Schilf und Feuchtwiesen, Erlen und Weiden. Behutsam geht Siegersma beim Ausgraben der Wurzeln vor. Er trägt dabei nur Regenkleidung; seine Mitarbeiter, die die Giftpflanzen anfassen, zerkleinern und in Plastiksäcke verstauen, sind völlig vermummt. "Erst kürzlich erlitt ein Kollege bei Grünschnitten durch eine kleine Herkulesstaude, die niemand bemerkt hatte, Verbrennungen am Arm", berichtet Siegersma.

Vor der Aktion machten sich die Stadtwerker sachkundig bei der Landwirtschaftskammer und beim Tiefbauamt: "Wir machen das nicht alle Tage, in Nettetal geht man manuell vor, also ohne den Einsatz von Herbiziden", stellt Siegersma klar. Anderthalb Stunden dauert die Aktion. Die Säcke mit den Pflanzenteilen kommen zum Bauhof und von dort zu Müllverbrennung. Erledigt ist damit die Arbeit nicht: "Wir kontrollieren nun regelmäßig, ob noch Wurzelreste, Ausläufer und neue Triebe da sind, dann müssen wir wieder ran." Herkulesstauden sollten im Rathaus gemeldet werden.

(jobu)
 
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