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Nettetal
Hoffen auf ein Bleiben in Deutschland

Nettetal: Hoffen auf ein Bleiben in Deutschland
Die Moschee hatte zum Opferfest Flüchtlinge und Helfer eingeladen. Das Angebot nahmen vor allem Flüchtlinge wahr, die seit rund drei Monaten im einstigen Hotel Majestic in Breyell untergebracht sind. FOTO: Busch
Nettetal. Anlässlich des islamischen Opferfestes bewirtete der türkische Kulturverein Nettetal Flüchtlinge in der früheren Hauptschule Lobberich und lud in die Moschee an der Burgstraße ein. Von Manfred Meis

Es war ein Kommen und Gehen. Zuerst erschienen überwiegend junge Männer, dann belegten Familien die Plätze an den Tischen, die auf dem Hof der einstigen Gymnasialen Zubringeschule Lobberich, dem Vorgänger des Werner-Jaeger-Gymnasiums, an der Burgstraße aufgestellt worden waren. Die Türkisch-Islamische Gemeinde Nettetal, die das Gelände an der Burgstraße 3 seit vielen Jahren als Moschee nutzt, hatte anlässlich des islamischen Opferfestes die in Nettetal seit kurzem oder nur vorübergehend lebenden Flüchtlinge aus dem Vorderen Orient und Afrika eingeladen. Denn das Opferfest ist - wie der Fastenmonat Ramadan - ein für alle Muslime gemeinsames Fest, ungeachtet unterschiedlicher theologischer Strömungen. Von einem guten Essen "halten wir einen Teil für uns, einen Teil für den Nachbarn und einen Teil für Bedürftige, in diesem Fall die Flüchtlinge", erläuterte Gemeindevorsteher Tahir Yavuz.

Seit vergangenem Donnerstag steht das Opferfest auf dem Kalender der Muslime, am Samstag haben sie zunächst die Flüchtlinge besucht, die im früheren Hauptschulgebäude in Lobberich untergebracht sind, und ihnen statt des normalerweise vom Krankenhaus Nettetal bereiteten Mittagessens koscher geschlachtetes Lammfleisch mit Reis und Salaten serviert. Das "Gefühl heimischen Essens" habe viele froh gestimmt, sagte Hayfa Kassas vom Moscheeverein. "Dass es auch Yoghurt in Deutschland gibt", habe eine ältere Syrerin gar nicht gewusst. Für rund 300 Personen hatten Yalcin Taker und Mehmet Zengin mit zahlreichen Helfern diese Begegnung organisiert.

Das Angebot des Opferessens nehmen vor allem Flüchtlinge wahr, die seit rund drei Monaten im einstigen Hotel Majestic in Breyell untergebracht sind: Rony hofft darauf, bald weiter Wirtschaftswissenschaften studieren zu können. Der 21-Jährige ist aus der nordsyrischen Stadt Aleppo "vor dem Krieg" geflohen, weil er nicht in der Armee des Diktators Assad dienen wollte. Erste Perspektiven in Deutschland sehen inzwischen die jungen Syrer Manar (26), Anas (24) und Tavek (26), die als Bau-, Elektronik- und Kommunikationsingenieure ein Praktikum beim Architekten Markus Lücker in Aussicht haben, wenn denn die Ausländerbehörde zustimmt. Sie haben schon Deutschkurse absolviert, sind auch schon bei den Fortgeschrittenen.

Über Libyen und Italien ist Angela (35) mit ihrer dreijährigen Tochter von Nigeria her nach Deutschland gekommen. "Kein Hunger mehr" ist das Motiv ihrer über viele Monate laufenden Flucht; sie hofft, dass sie demnächst ihren früheren Beruf als Sekretärin ausfüllen kann.

Ist das einstige Demokratiemusterland Nigeria inzwischen zu einem der unsichersten Staaten in Afrika verkommen, so stieg das einst ultrakommunistische Albanien zu einem "sicheren Staat" in Europa auf. Trotzdem ist die wirtschaftliche Situation alles andere als rosig. Das führt auch Fisnik (42) an, der trotz seines eigentlich sicheren Berufes als Polizeibeamter seinem Land mit Frau und zwei Kindern im Teenageralter den Rücken kehrte: "Wir wissen nicht, wie es wirtschaftlich weiter geht." Unter die Gäste hat sich auch Henri Claas (69) aus Boisheim gemischt. Der frühere Refa-Fachmann, der in der Schule einst Englisch und Französisch gelernt hat, möchte "sich nützlich machen" und irgendwie dabei helfen, dass die Flüchtlinge Deutsch lernen. Die Viersener Freiwilligenzentrale hat ihn nach Nettetal verwiesen, nun wartet er auf ein Echo, doch eine erste Kontaktaufnahme auf eigene Faust erschien ihm wichtig.

Bekannt wurde, dass manche Bürger in Lobberich ihr WLan-Netz freigeschaltet haben, so dass die Flüchtlinge mit ihren Verwandten in der Heimat Kontakt aufnehmen können. Ab Dienstag werden dies neue Flüchtlinge sein, denn die Belegung der Hauptschule wird "ausgetauscht".

Quelle: RP
 
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