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Nettetal
Humor und Tragik in der Nobelherberge

Nettetal: Humor und Tragik in der Nobelherberge
Kai Pfeifer und Stefanie Kurtenbach sind als Karen und Sam Nash zu Gast in Zimmer 719. Karen will am Ort der Hochzeitsnacht die Ehe auffrischen und kämpft um ihren Gatten, der ein Verhältnis mit der Sekretärin pflegt. FOTO: Busch
Nettetal. Das Theater unterm Dach entführt die Zuschauer in die "Plaza Suite". Glaubwürdig gelingt es den Darstellern, die unterschiedlichsten Typen zu verkörpern. Das kommt an: Die Vorstellung heute Abend in Lobberich ist ausverkauft. Von Angela Wilms-Adrians

New York als stilisierte Silhouette im Hintergrund gibt es gratis, wenn das Ensemble vom Theater unterm Dach aus Lobberich zu Neil Simons Komödie in die "Plaza Suite" entführt. Die Darsteller zeigten Beziehungen unterschiedlichster Natur im Zimmer 719 der Nobelherberge. Die Besucher erlebten und genossen eine Aufführung mit ein wenig Tragik, zündender Dramatik und viel Humor.

Dieter Fackendahls Bühnenbild schafft die Atmosphäre eines gediegenen Hotelzimmers mit Fensterblick auf die nächtliche Großstadt - im dreiteiligen Stück der immer gleiche Ort von drei Übernachtungen. Die Titel "Besuch aus dem Villenviertel", "Besuch aus Hollywood" und "Besuch aus der Vorstadt" verweisen auf recht unterschiedliche Gästekonstellationen, die das Ensemble lebendig in Szene setzt. Regisseur Axel Dammer ist in kleinen, doch unverzichtbaren Nebenrollen auch darstellerisch das Bindeglied der Trilogie.

Beim ersten Besuch scheint die Zimmernummer 719 die Traumzahl für Karen Nash zu sein, die am Ort der Hochzeitsnacht vor 23 Jahren die Ehe auffrischen will. Doch am Ende entlockt sie dem schlecht aufgelegten, mitunter cholerisch veranlagten und egozentrischen Gatten das Geständnis, ein Verhältnis mit der jüngeren Sekretärin zu haben. Die Darstellung des Ehepaares ist bei Stefanie Kurtenbach und Kai Pfeiffer bestens aufgehoben. Kurtenbach gibt authentisch die vielen Nuancen von Karens Verfassung, ihren Wunsch, noch einmal Erotik und Koketterie aufflackern zu lassen, sowie deren Enttäuschung und den stillen Kampf um den Gatten. Ihr, wie auch Pfeiffer, gelingt glaubwürdig die Balance von Tragik und Komik, etwa im Umgang mit der eitlen Schwäche des Sam Nash auf Diät. Zur Erregung des Sam legt sich tatsächlich Zornesröte auf Pfeiffers Gesicht. Echt sind sogar Augentropfen und Kaffee, der bis in die vorderen Reihen duftet.

In der Begegnung des Hollywood-Produzenten Jesse Kiplinger mit der alten Jugendliebe Kate Tate entwickeln Björn Rudakowski und Petra Höckels-Groos, das Bild zweier Menschen, die allmählich einen Blick hinter die vordergründige Fassade freigeben. Passend zur Region wird die zitierte amerikanische Zeitung zum "Grenzlandkurier".

Zum köstlichen Abschluss gerät die dritte Erzählung über eine junge Frau, die am Hochzeitstag Zweifel bekommt und bei den Eltern ein Gefühlschaos auslöst. Hier glänzen, streiten und ereifern sich Katrin Steuten und Fabian Matussek als Brauteltern Norma und Roy Hubley. Höchst amüsant in der stetig wachsenden Verzweiflung ihrer Protagonisten spielen sie sich die Pointen zu. Glaubwürdig geben Steuten und Matussek das Ringen um Fassung, die Explosion von Emotionen und kleine Scharmützel, die sich zuweilen an Kleinigkeiten entzünden. Hier ist Annika Angendohr die zurückhaltende Braut, während sie im Part zur ersten Szene unterkühlte Distanz mimt.

Das Publikum dankte mit langem Beifall.

Quelle: RP
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