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Nettetal
"Ich bin eine, die selbst anpackt"

Nettetal: "Ich bin eine, die selbst anpackt"
Tanja Jansen will für die SPD in den Landtag einziehen. Die 45-Jährige lebt seit 1982 in Lobberich. Als die Kinder noch klein waren, fuhr sie mit ihnen gern zum Spielplatz auf den Hinsbecker Höhen. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Nettetal. Die Nettetalerin Tanja Jansen gehört seit drei Jahren dem Stadtrat an, nun will sie für die SPD in den NRW-Landtag. Die Themen Gesundheit, Senioren und Inklusion liegen ihr besonders am Herzen Von Daniela Buschkamp

Die Hinsbecker Höhen sind für Tanja Jansen nicht nur ein Stück Heimat: Die Nettetalerin, die für die SPD am 14. Mai neu in den Düsseldorfer Landtag einziehen will, findet dort Ruhe und Erholung. "Früher war ich mit meinen Söhnen oft auf dem Spielplatz. Da dort keine Autos fahren, konnte man sie einfach laufen lassen", erinnert sich Jansen. Ihre beiden Söhne aus erster Ehe sind mit 18 und 20 Jahren längst aus dem Spielplatzalter raus. Der achtjährige Mischlingshund Lennart ist heute derjenige, dem Tanja Jansen beim Toben auf den Hinsbecker Höhen zusieht.

Doch zehn Tage vor der Stimmabgabe hat die 45-Jährige keine Zeit für Spaziergänge in der Natur. Im heimischen Kalender stehe fast nur noch "bin weg", erzählt Jansen beim Treffen an den Hinsbecker Höhen. Sie erzählt es mit einem Lächeln. "Die Entscheidung für die Kandidatur habe ich mit meiner Familie gemeinsam getroffen", sagt die Kandidatin, die in einer eingetragenen Partnerschaft lebt. So ein Schritt sei nur möglich, wenn die Unterstützung da sei - und die habe sie: in der Familie, im Freundes- und im Kollegenkreis. Mehr Zeit für Krimis von Tess Geritsen und Dan Brown oder für Katastrophen- und Scifi-Filme wird Jansen wohl erst nach dem 14. Mai wieder haben. Sich selbst auf Wahlplakaten zu sehen, ein Auto mit dem eigenen Konterfei zu fahren - das waren Momente, als Jansen doch erstmal geschluckt hat. Ist sie jemand, der verhandelt, den Konsens sucht, der bei Problemen aktiv wird? "Ich bin eher jemand, der selbst anpackt", meint sie.

Für Jansen war es nie eine Frage: Wenn sie sich politisch engagieren würde, dann für die SPD. "Das war ganz klar. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Mein Vater war gelernter Dreher, arbeitete später als Computerfachmann", erzählt die gebürtige Düsseldorferin. Ihre Mutter sei Hotelfachfrau gewesen, habe später bei einem Discounter gearbeitet. Mehrfach sei die Familie wegen der Arbeitsstellen umgezogen. Seit 1978 lebt Jansen im Kreis Viersen, seit 1982 in Lobberich und fühlt sich heute "als Nettetalerin". Ihr Wunschberuf schon als Jugendliche: "Ich wollte OP-Schwester werden - und habe die Schwarzwaldklinik geliebt", erzählt sie mit einem Lachen. Ihr Vater sei wenig begeistert gewesen. So begann Jansen zunächst eine Lehre als Postbotin - und erfüllte sich den Berufswunsch später. Seit fünf Jahren arbeitet sie am Krankenhaus in Nettetal in Teilzeit, leitet die Abteilung Zentrale Sterilisation. "Ich liebe meine Arbeit", sagt sie.

Dennoch reizt sie die Aufgabe als Landtagsabgeordnete: Ihre Schwerpunkte sieht sie bei Gesundheit, Senioren und Inklusion. Auch im Landtag wäre Jansen der Kontakt zu den Menschen wichtig - etwa über Bürgersprechstunden oder Stadtteilbesuche. Als wichtig schätzt sie das Förderprogramm für die hausärztliche Versorgung im ländlichen Bereich ein. Auch Senioren sollen im Alltag nicht wegen einer schlechteren Versorgung oder Infrastruktur ihre Heimat aufgeben und in Ballungszentren ziehen müssen. Bei der Inklusion sei noch viel zu tun, etwa in Schulen oder bei der Ausbildung. Was Jansen auch ärgert: "Dass viele öffentliche Gebäude für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator nur schwer zugänglich sind."

Über ein Problem vor der eigenen Haustür ist sie politisch aktiv geworden: An der Kaldenkirchener Realschule waren die Bushaltestellen gefährlich, die Eltern deswegen in Sorge. Jansen setzte sich für eine sicherere Lösung ein - und fand ihre politische Heimat in der SPD. 2008 trat sie ein, wurde vier Jahre später zur Vorsitzenden des Ortsvereins Nettetal gewählt. Seit 2014 ist sie Mitglied des Stadtrats, seit zwei Jahren ist sie auch Vertreterin von Fraktionschefin Renate Dyck.

Und jetzt direkt in den Landtag, denn über den Listenplatz 41 ist dies unrealistisch? "Ich bin zuversichtlich. Und wenn es jetzt nicht gelingt, dann versuche ich es in fünf Jahren erneut", sagt Jansen. Ihre Kraftquelle sind die Hinsbecker Höhen: "In der Natur spürt man sich als kleiner Mensch, als Teil eines Großen."

Quelle: RP
 
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