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Nettetal
Im Dorf gibt es noch Zusammenhalt

Nettetal: Im Dorf gibt es noch Zusammenhalt
Der Verkehr auf der B 221 zwischen Leuth und Kaldenkirchen hat stark zugenommen. Zu bestimmten Zeiten reicht der Rückstau von der Ampel aus bis auf die A 61. Die Stadt, dass eine andere Ampelschaltung für Entspannung sorgt. FOTO: Busch
Nettetal. In der "Nette-Runde" mit Bürgermeister Christian Wagner und Vertretern der Stadtverwaltung diskutierten Leuther Bürger über Versäumnisse nicht nur der Stadt, einige positive Entwicklungen, und sie äußerten zahlreiche Wünsche. Von Ludger Peters

Man ist im Dorf aufgewachsen, hat hier Kindergarten und Schule besucht und steht nach dem Abitur vor der Wahl, den Ort zu verlassen. Viele entscheiden sich so, andere hält etwas zurück. Marvin Genent, beispielsweise, studiert in Düsseldorf und trägt als Vorsitzender dennoch Verantwortung für die katholische Landjugend in Leuth. "Daraus knüpfen sich Verbindungen zu anderen Vereinen, ob Sportfreunde, Bruderschaft oder so", sagt der 20-Jährige.

Äußerlich hält die Leuther Dorfgemeinschaft nur wenig zusammen. Der Einzelhandel hat sich weitgehend verabschiedet. Aber das Vereinsleben funktioniert, es gibt Netzwerke. Das unterstrich Bürgermeister Christian Wagner mit einer gewissen Anerkennung in der "Nette-Runde", diesmal bei Kother-Wessig in Leuth. Etwa 30 Bürger waren gekommen, um sich mit Verwaltungsexperten auszutauschen.

Sie bewegen tatsächliche oder auch nur gefühlte Verkehrsprobleme. Kein Einsehen zeigten einige Bürger darin, dass die Behörden keinen Fußgängerüberweg an der Schule genehmigen. Gerade in den Morgen- und zu bestimmten Nachmittags-/Abendstunden sei viel Verkehr im Ort unterwegs. Wer sich auskennt, umgeht die Einmündung der Hinsbecker in die Geldrische Straße (B 509/B 221). Der Straßenzug von Kaldenkirchen bis dort ist der dichtest befahrene im gesamten Stadtgebiet, berichtete Ordnungsamtsleiter Klaus Ossmann. 16 500 Fahrzeuge, darunter sehr viel Schwerverkehr, sind hier täglich unterwegs. Das wäre zu viel, um einen Kreisverkehr am Hampoel/Dellerweg zu bauen. Die Stadt hofft, dass der zuständige Straßenbetrieb NRW die Ampelschaltung ändert, damit die manchmal elend langen Rückstaus in beide Richtungen abgeschmolzen werden.

Der "größte Schandfleck von Leuth", so ein Bürger, der Petershof, wird vielleicht ein wenig verändert. Die Fronten zwischen den Schützen und allen, die etwas ändern wollen, sind unverändert. Die Schützen wollen ihr Wirtschaftszelt da behalten, wo es immer steht. Damit ist die Vorstellung von umgebenden Baumreihen nicht zu verwirklichen. Die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche sprach von "Punktpflanzungen" an den Platzecken. Bürger forderten vehement zusätzlich die Eingrünung der Stirnseite an der Dorfstraße - das will Fritzsche gerne wieder aufnehmen. Einem Bürger passt die Kompromisslinie von VVV und Stadt gegenüber den Schützen nicht. "Man kann sich doch von einem kleinen Verein, der alle drei Jahre sein Sauffest feiert, nicht so vorführen lassen." Es gab nachsichtigen Widerspruch der Runde. So klein sei der Verein nicht, und das sei wirklich nicht Sinn und Zweck von Schützenfesten. Nachdrücklich forderte VVV-Vorsitzender Manfred Meis die Stadt auf, eine verbindliche Planung zu machen und zwar "mit Dampf". Von einer Änderung der Platzoberfläche, als Option in die Debatte gebracht, will niemand ernsthaft etwas wissen. "Dann müssten wir Beiträge von den Anliegern erheben", warnte Fritzsche.

Wagner versicherte den Leuthern einmal mehr, ihre Schule als Dependance Kaldenkirchens sei nicht gefährdet. Insgesamt brauche der Schulverbund 92 Kinder und Leuth davon in allen Jahrgängen zusammen 46. Das sei zu schaffen. Gerade darum fördere die Stadt das neue Wohngebiet am Austalsweg, für das sie eine Kampagne startet. Nicht nur die Nettetaler sollen sich hier ansiedeln, die Stadt will (und muss) auswärtige Neubürger gewinnen.

"Hart" eingegriffen hat die Stadt gegenüber der Betreiberin der Nachtbar an der Ecke Hampoel, als die einen bordellähnlichen Betrieb eröffnen wollte. Die einmal erteilte Baugenehmigung eines "Pärchenclubs" vor mehr als 25 Jahren kann die Stadt nicht widerrufen. Dass die unmittelbaren Nachbarn sich nicht nur über den Betrieb, sondern auch über die zunehmende Verwahrlosung der Immobilie maßlos ärgern, kann die Stadtverwaltung nachvollziehen. Aber rechtlich kann sie nur wenig ausrichten.

Wirtschaftsförderer Dietmar Sagel wies die Leuther darauf hin, dass mit dem Zuschlag der Leader-Förderung für Nettetal etwas für Leuth getan werden könne. Projekte ließen sich passgenau auf Dörfer zuschneiden. Leader könnte beispielsweise der Landjugend dabei helfen, ihren Treffpunkt im Keller der Schule herzurichten, zumal sie bereit ist, selbst anzupacken.

Quelle: RP
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