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Nettetal
Im Grenzwald der Geschichten

Nettetal. Heinz-Willi Schmitz, Vorsitzender des Bürgervereins Kaldenkirchen: Das Pony hieß Olga. Die Zügel auf dem kleinen Wagen, den das Pferdchen zog, hielt mein Großvater Wilhelm Schmitz. Der zehn Jahre alte Heinz-Willi saß mit drauf.

Mein Großvater war Zigarrenmacher, er hätte mir auch erzählen können von seinem Urgroßvater, der laut Ratsprotokoll von 1847 für ein weiteres Jahr zum Nachtwächter, zum "Tüter" vom Kaldenkirchen bestellt wurde. Oder von seiner Zeit, als er in der Kapelle Klarinette spielte oder von seiner Mitarbeit im Tabakkollegium.

Es ging also über den Schlangenweg in den Grenzwald. Wir fuhren über die Ravensstraße, um zu unserem Grundstück zu kommen. Es liegt nur etwa 100 Meter vom Grenzwald entfernt. Von unserer Familie wurde es "Tabaksbusch" genannt. Weiter führte der Weg über die Buschstraße an der Sequoiafarm. Übrigens lautete damals noch der Aufdruck an der Grenze im Wald: "Grenzübertritt mit Ausweis möglich." Das war ein großer Fortschritt. Wenige Jahre zuvor hatten wir hier in Malbeck noch Probleme, als wir per Fahrrad die Grenze passieren wollten.

Am Rande des Grenzwaldes befindet sich heute das Musikprobehaus. Unweit des Grenzwaldes ist der TSV-Sportplatz, auf dem ich Jahrzehnte lang spielte. Heute freue ich mich, wenn ich die Fotos vom 50-jährigen Bestehen des Spielvereins 07 aus dem Jahr 1957 sehe. Als 13-Jähriger durfte ich mit der Lininenrichterfahne bei einem Spiel von zwei Fußballjugendmannschaften dabei sein.

Ich habe mich überdurchschnittlich bemüht, in den 39 Jahren, in denen ich in Lobberich gearbeitet habe, auch Nettetaler zu werden, denn Kaldenkirchen gehört zu Nettetal. Deshalb zitiere ich gerne Bernhard Büsges, der seinem Heimatort schöne Verse gewidmet hat. Sie beginnen: "En Koakerke ben ich jebore, ich ben en Koakerker Kenk, an dich hab min Hart ich verlore, op dich alleen ben ich blenk..."

Quelle: RP
 
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