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Nettetal
Immer mehr Familien brauchen Hilfe

Nettetal. Das Jugendamt bearbeitet immer häufiger Meldungen, wonach Minderjährige bei ihren Familien in Gefahr seien. Immer häufiger wird der Nachwuchs aus der Familien genommen und bei Pflegefamilien untergebracht. Doch diese fehlen Von Daniela Buschkamp

Immer häufiger muss das Nettetaler Jugendamt eingreifen, damit das Wohl von Kindern und Jugendlichen nicht gefährdet ist. Dies zeigt der jetzt im Jugendhilfeausschuss vorgestellte Jahresbericht 2016 des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie. 134 Mal wurde den Mitarbeitern gemeldet, dass der Nachwuchs bei seiner Familie möglicherweise in Gefahr sei, etwa wegen sexuellen Missbrauchs, körperlicher oder seelischer Vernachlässigung. Im Jahr 2015 gab es lediglich 89 solcher Einsätze. Dazu passt, dass immer mehr Kinder und Jugendliche aus ihren Familien genommen und woanders untergebracht werden mussten: 47 Mal griff das Amt ein, zehn Mal häufiger als im Vergleichszeitraum 2015.

Damit entsprechen die Zahlen in Nettetal dem bundesweiten Durchschnitt - immer häufiger informieren Nachbarn, Mitarbeiter in Kitas oder Schulen das Jugendamt. Die Konsequenz: Immer häufiger wird der Nachwuchs während einer Krise oder längerfristig woanders untergebracht.

Dafür sind laut Claudia Küppers, Sachgebietsleiterin für den Bereich Soziale Dienste und Familienbüro in Nettetal, unterschiedliche Faktoren verantwortlich: "Mittlerweile hat sich das Bundeskinderschutzgesetz etabliert, die Sensibilisierung der Bevölkerung und der Institutionen schreitet voran." In Nettetal setze man gezielt auf Informationen zum Kinderschutz. So würden regelmäßig Fortbildungen zu diesem Thema in Kitas, Schulen und Vereinen angeboten und auch weitere Partner wie Verbände und freie Träger würden seit fünf Jahren beim "Nettetaler Weg - gemeinsam stark im Kinderschutz" zusammenarbeiten und regelmäßig auf Fortbildungen setzen.

Allerdings ist bei den Fällen von Kindeswohlgefährdung auch die Größe der Familie zu berücksichtigen, wie der Erste Beigeordnete Armin Schönfelder erläuterte. "Bei kinderreichen Familien zählt jedes Kind als eigener Fall." Im Jahr 2016 wurden insgesamt 134 Meldungen beim Jugendamt registriert, die sich mit dem Verdacht auf Kindswohlgefährdung beschäftigten. In 28 Fällen handelte es sich um eine akute Gefahr; die Minderjährigen wurden direkt aus den Familien genommen. Außerdem gab es 32 Fälle, bei denen das Jugendamt ein akutes Risiko nicht ausschließen konnte. Die betroffenen Familien wurden danach vom Jugendamt beraten oder erhielten Hilfen zur Erziehung. Bei der Hälfte der Meldungen konnte das Jugendamt-Team keine akute Gefahr feststellen. Doch auch diese Familien wurden beraten oder durch den Allgemeinen Sozialen Dienst unterstützt.

Das Einschätzung, ob der Nachwuchs tatsächlich einer Gefahr ausgesetzt ist, erfolgt dabei nach einem Standard-Verfahren: So schätzen zwei Fachleute die Gefährdung ein, dann wird die Familie zu Hause besucht und über die Herausnahme des Kindes oder der Kinder entschieden. Dies ist nur möglich, wenn Bereitschaftspflegestellen in einer akuten Krise und langfristig Pfegefamilien zur Verfügung stehen. "Wir haben in Nettetal 65 Kinder, die in Pflegefamilien untergebracht sind", erklärte Claudia Küppers. Dies sei für eine Stadt von rund 42.000 Einwohnern durchaus viel. Weitere Pflegefamilien würden immer gesucht. Um sie zu finden, dafür gebe es etwa Informationsabende. Auch wenn danach oft Interessenten in das Bewerbungsverfahren einsteigen, wachse der Pflegefamilien-Pool dadurch nur überschaubar: "Erfahrungsgemäß kommen zwei Familien hinzu", so die Sachgebietsleiterin.

Bei der Zahl der Inobhutnahmen gehen die Mitarbeiter des Fachbereichs davon aus, dass die steigende Tendenz der vergangenen Jahre weiter zu beobachten sein wird. Auch die aktuellen Zahlen, die für 2017 vorliegen, würden dies unterstützen. Generell würden "gesellschaftliche Bedingungen für das Aufwachsen von Kindern schwierig" sein.

Ein Ziel der Arbeit mit Familien ist es, eine Unterbringung in Heimen zu vermeiden. Doch dies sei schwierig. "Oft bringen die Kinder und Jugendlichen derart viele Probleme mit, dass sich geschultes Personal um sie kümmern muss", sagt Claudia Küppers. Dass der Ansatz "Prävention vor Unterbringung" verfolgt wird, zeige sich auch in den Kosten: So wurden 2016 für ambulante Hilfen in den Familien rund 771.000 Euro ausgegeben; im Vorjahr waren es noch rund 639.000 Euro. Die Kosten für stationäre Hilfen von Heranwachsenden konnten 2016 deutlich gesenkt werden: von rund 98.000 Euro im Jahr 2015 auf 17.3000 Euro 2016.

Quelle: RP
 
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