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Nettetal
Jede Woche sieben weitere Flüchtlinge

Nettetal: Jede Woche sieben weitere Flüchtlinge
Ali ist 20 Jahre alt. Mit 16 brach er von Afghanistan auf in Richtung Westen. Über seine Beweggründe schweigt er. Er habe Angst, sagt Ali. FOTO: Busch
Nettetal. Die Stadt stößt mit ihrer Strategie der verteilenden Unterbringung allmählich an ihre Grenzen. Private Wohnungen sind weitgehen erschöpft, die Obdachlosenunterkünfte ausgelastet und andere Lösungen ebenfalls stark strapaziert. Von Ludger Peters

Armin Schönfelder neigt nicht zur Dramatisierung. Nettetals Erster Beigeordneter ist ein nüchterner Jurist, zu größeren Gefühlsregungen lässt er sich nicht hinreißen. Umso bedenklicher ist, dass Schönfelder erst gar nicht versucht, seine gegenwärtige Ratlosigkeit zu überspielen. Die Zahl der Flüchtlinge in der Stadt wächst. Ihre Zuweisung können Schönfelder und seine Mitarbeiter im Fachbereich Soziales nicht steuern und auch nicht vorhersehen. "Plötzlich sind dann wieder welche da. Wir müssen zusehen, wie wir sie wenigstens notgedrungen unterbringen", sagt er.

Mehr als 250 Asylbewerber sind mittlerweile in der Stadt. Wöchentlich kommen im Durchschnitt sieben, es gehen gleichzeitig zwei. Fünf zusätzlich - die Zahl klingt nicht einmal bedrohlich. Aber das der Zustrom nicht abreißt und womöglich noch anschwillt, das bereitet der Stadt zunehmend Kopfzerbrechen.

Seit einem Jahr liegt die Hauptschule in Lobberich leer. FOTO: Busch

Vor diesem Hintergrund ist Armin Schönfelder heilfroh darüber, wie engagiert die Fachbereichsleiterin Ina Prümen-Schmitz und ihre Mitarbeiter sich um die Flüchtlinge kümmern. Ungemein hilfreich sei darüber hinaus die Flüchtlingshilfe in der Stadt. Viele Menschen haben sich die ehrenamtliche Aufgabe gestellt zu helfen. "Wir haben den Eindruck, dass immer mehr Bürger uns unterstützen, je mehr Flüchtlinge bei uns ankommen", sagt Schönfelder beeindruckt. Das so oft beschworene Wort der "Willkommenskultur" treffe in Nettetal außerordentlich gut die Aufnahmebereitschaft der Bürger.

Bisher hat die Stadt die Asylbewerber unterbringen können. Gut ein Drittel lebt in angemieteten Wohnungen von Privatleuten oder Wohnungsbauunternehmen. Ein Drittel ist in Gemeinschaftsunterkünften wie dem Neubau am Caudebec-Ring in Lobberich oder der früheren Comeniusschule am Krankenhaus untergekommen. Ein weiteres Drittel musste die Stadt in die Obdachlosenunterkünfte einquartieren. Dabei hat die Stadt bisher darauf geachtet, den Menschen Luft zu lassen, die Belegungsdichte nicht bis zum Äußersten auszureizen. "Ich fürchte, wir müssen diese Strategie demnächst aufgeben und mehr Menschen auf engerem Raum verteilen", berichtet Schönfelder. In der neuen Unterkunft am Caudebec-Ring leben zurzeit 37 Menschen in den sieben Zimmern. Maximal kann die Stadt den Bau mit 60 Menschen belegen. Vielleicht muss sie das schon bald.

Am Caudebec-Ring in Lobberich hat die Stadt bereits eine neue Flüchtlingsunterkunft errichtet. Dort, wo bisher noch Container standen, wird bis Januar ein zweiter Neubau hochgezogen. FOTO: Franz-Heinrich Busch

Bei einem Workshop mit Ehrenamtlern der Flüchtlingshilfe haben die Verwaltungsvertreter dieses Szenario offen angesprochen. "Natürlich stößt es nicht auf Gegenliebe. Aber die Bürger verstehen, dass wir kaum mehr eine andere Wahl haben." Umso dankbarer sei er, dass die Flüchtlingshilfe immer klarere Strukturen und Arbeitsverteilungen gewinne. Die Effizienz der Hilfen steigere sich damit deutlich.

Sehr viel Erleichterung kann der gerade angepackte zweite Neubau für Flüchtlinge am Caudebec-Ring, gleich neben dem ersten Gebäude, nicht bringen. Darin könnten etwa ab Januar nur diejenigen Menschen untergebracht werden, die zurzeit in der ehemaligen Schule am Krankenhaus leben. Sie muss für anderweitige Pläne geräumt werden und wir abgerissen. Im Augenblick leben dort 25 Einzelpersonen, fast nur Männer. Außerdem hat man dort Platz geschaffen für kranke und traumatisierte Flüchtlinge.

Was ist was - Begriffe zum Thema Flüchtlingsunterkünfte

Der Bau ist längst an seine Grenzen gekommen. Mehrfach schon brach die Stromversorgung zusammen, weil das für die Schule ausgelegte Netz zu viele Elektrogeräte verkraften muss. Auch die sanitären Anlagen reichen nicht mehr für noch mehr Zuweisungen.

Quelle: RP
 
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