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Nettetal
Junge Forscher erkunden das Gewässer

Nettetal: Junge Forscher erkunden das Gewässer
Das Mädchen hat einen Fang gemacht, den sie vorsichtig in einer Box aufbewahrt. Dann wird unter dem Mikroskop geschaut, was es für ein Tier ist. FOTO: jubu
Nettetal. Das mobile Labor der Natur- und Umweltschutzakademie NRW macht auf Einladung der Biologischen Station Halt an den Krickenbecker Seen. Kinder untersuchen mit Experten die Lebewesen im Uferbereich des Glabbacher Bruchs Von Joachim Burghardt

Wie man sich täuschen kann: "Achtung, eine Riesenlibelle!", ruft ein Junge und weicht respektvoll ein paar Schritte zurück. "Ach was", sagt ein Mädchen lächelnd, "das sind zwei Libellen im Hochzeitsflug." Und tatsächlich führen da zwei Prachtlibellen ihren Paarungstanz in der Luft auf, bestaunt von einer Gruppe junger Naturforscher. Für sie gibt es viel zu entdecken an diesem Nachmittag: Die mobile Forschungsstation Lumbricus macht Halt am Infozentrum der Biologischen Station Krickenbecker Seen, auf dem Programm steht eine Expedition ins Gewässer.

Da stiefeln und stapfen sie durchs seichte Wasser, suchen und sammeln, fischen und fangen, schwenken Kescher und schütteln Siebe. Immer mehr Getier füllen die Jungen und Mädchen in die Behälter am Ufer des Glabbacher Bruchs, beugen die Köpfe darüber und stutzen und staunen: "Da ist eine Muschel und eine Larve", hat Pia erkannt. Und was für eine Larve, und welche Muschel? "Das analysieren wir nachher im Labor", verspricht Dietmar Schruck von der Natur- und Umweltschutzakademie NRW. Doch es dauert, bis die Forschergruppe aus dem Wasser kommt, so eifrig und gebannt sind die rund 20 Kinder zwischen zehn- und zwölf Jahren bei der Sache.

"Genau so hatten wir uns das vorgestellt, dass die Kinder mit Spaß die Natur kennenlernen", zieht Isabelle Lorenz vom Infozentrum der Biologischen Station eine positive Zwischenbilanz. Ihre Idee zur Ferienaktion mit dem Umweltbus Lumbricus kommt bei den Kleinen großartig an - trotz unerwünschter Nebenwirkungen: Hier schüttet ein Mädchen seine Gummistiefel aus, die voll Wasser gelaufen sind, da hat ein Junge zu heftig den Kescher eingetaucht und wischt sich Wasserspritzer aus dem Gesicht.

Der erhoffte spektakuläre Fang eines Flusskrebses gelingt nicht, irgendein Beutegreifer war schneller, hat nur Krebsbeine zurückgelassen. "Aber wir haben viele andere Tiere gefunden, Rückenschwimmer und Würmer", freut sich Leonie. Die Kinder registrieren kaum die vielen Spaziergänger, die verwundert stehen bleiben und zuschauen. "Das hat alles seine Ordnung", erklärt Lorenz, "wir haben für die Aktion die Genehmigung der Unteren Landschaftsbehörde eingeholt."

Nach einer guten Stunde werden die Behältnisse mit den gefangenen Tieren, die hinterher wieder an derselben Stelle im Wasser ausgesetzt werden, vorsichtig zum Bus am Infozentrum transportiert. Dort kommt jedes Tierchen in eine Extraschale, Mikroskope und Bestimmungstafeln aus dem mobilen Labor sollen helfen, die Arten zu bestimmen. Schrunk und Lorenz geben zusätzliche Tipps. "Achtet drauf, ob ein Tier Beine hat und wenn ja, wie viele", empfiehlt Schrunk als Grundmethode.

Der Umweltpädagoge ist mit seinem Bus im ganzen Land unterwegs, außerhalb der Ferien meist an Schulen. "Manche Kinder sind sehr interessiert, wissen auch einiges", hat Schrunk festgestellt. Stadtkinder hingegen haben nach seinen Erfahrungen insgesamt weniger Kenntnisse, wenn ihnen der Zugang zur Natur fehlt, wie er hier im ländlichen Raum eher gegeben ist. "Aber fast immer kommen die Kinder vom 'Ih!' zum 'Ah!', sind erst skeptisch bei Würmern und Flohkrebsen, und dann begeistert", sagt Schrunk. Vor allem, wenn nach den Untersuchungen die Ergebnisse auf dem großen Monitor im Bus präsentiert werden.

In Krickenbeck ist die Begeisterung sehr groß: "Eine Kleinlibellenlarve" hat Joanna nach der Bestimmungstafel in ihrer Schale erkannt. Leonie hat auch ohne Mikroskop den Rückenschwimmer identifiziert. Sorge, dass die auch Wasserbiene genannte Wanzenart die Kinder stechen könnte, hat Schrunk nicht: "Das ist noch nie vorgekommen, wir sind ja auch vorsichtig."

Gefahren drohen also nicht von den Tieren aus dem Glabbacher Buch, und schon gar nicht von Prachtlibellen im Hochzeitflug, auch wenn sie verpaart so aussehen wie eine einzige Riesenlibelle.

Quelle: RP
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