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Nettetal
Kraft-Wärme statt Kohlekraft?

Nettetal: Kraft-Wärme statt Kohlekraft?
Das vom schwedischen Vattenfall-Konzern betrieben Atomkraftwerk Brunsbüttel ist durch eine Kette von Störungen sehr umstritten. Hier will die Süd-West-Strom ein modernes Kohlekraftwerk errichten. FOTO: RPO
Nettetal. Das Energiekonzept der Bundesregierung stärkt die vier Großkonzerne und schwächt Stadtwerke. Das Nettetaler Unternehmen prüft, ob sich die Beteiligung am Kohlekraftwerk Brunsbüttel überhaupt noch lohnt. Von Ludger Peters

Die Stadtwerke Nettetal setzen nach der Entscheidung der Bundesregierung über die künftige Energiepolitik verstärkt auf das Instrument der Kraft-Wärme-Kopplung. Dagegen steht die Beteiligung am geplanten Kohlekraftwerk in Brunsbüttel auf dem Prüfstand. Im ungünstigsten Fall wollen die Stadtwerke Anteile am Projekt abstoßen.

Dieling begrüßt prinzipiell die Strategie der Bundesregierung, in deren Mittelpunkt die Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken (AKW) steht und die langfristig auf erneuerbare Energien setzt: "Die energiepolitische Geisterfahrt der Vergangenheit ist beendet, die Bundesregierung versucht jetzt, Eckpunkte zu definieren." Er teilt aber auch die zum Teil heftige Kritik anderer Stadtwerke. "Unser Handlungsspielraum gerade in der Energieerzeugung ist krass eingeschränkt worden. Die Verständigung mit den großen Vier, Eon, Vattenfall, RWE und EnBW, über die Atomkraft hat ein Geschmäckle."

Ungewisse Zukunft

Er hegt Zweifel, dass Einnahmen der Brennelementesteuer tatsächlich so verteilt werden, dass Stadtwerke ihre Projekte kofinanzieren können. Nettetals Stadtwerke haben sich "guten Glaubens" dem Engagement der Stadtwerke zum Bau des Kohlekraftwerks in Brunsbüttel angeschlossen. Es war die Chance, in der Stromerzeugung direkt mitreden zu können.

Brunsbüttel ist ein Vattenfall-AKW, das als störanfällig gilt und ohne den Kompromiss schon bald vom Netz genommen würde. Da der Bereich direkt von Schiffen angesteuert werden kann und die Netz-Infrastruktur (von Eon) vorhanden ist, erschien der Plan eines Kohlekraftwerks schlüssig. Ob das so bleibt, ist eher fraglich. Womöglich könnten beide Kraftwerke nebeneinander betrieben werden, aber dann dürfte das vorhandene Netz überfordert sein.

Etliche Fragen des Projektes müssen neu geklärt werden. Weitere Zusatzlasten sind zu erwarten, da die Regierung auf die aufwändige CCS-Technologie setzt. Sie reduziert zwar den Ausstoß von CO2, mindert aber den Wirkungsgrad – für Kohle ohnehin umstritten. "Es ist fraglich, ob die Rendite reicht", räumt Dieling ein. Im November sollen Zahlen für Klarheit sorgen.

Die Absicht, dass Stadtwerke-Konsortien moderne Kohlekraftwerke errichten und alte ersetzen, ist in weite Ferne gerückt. Da die Einspeisung erneuerbarer Energien privilegiert bleibt, ist die Absicht, selbst im Verbund an Energie zu erzeugen, unterlaufen worden. "Der Weg zur Markttransparenz ist versperrt. Die marktbeherrschende Position der großen Vier ist deutlich gestärkt worden", sagt Dieling und bastelt nun an Konzepten zur Ausschöpfung erneuerbarer Energien und Kraft-Wärme-Kopplung auf lokaler Ebene. FRAGE DES TAGES

Quelle: RP
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