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Nettetal
Kreative Früchte einer Arbeitswoche

Nettetal. Beim elften Künstlersymposium in Galerie und Atelier Busch 8 in Leuth entstand etwas Besonderes — abseits alltäglicher Arbeitssituationen Von Angela Wilms-Adrians

Im August hatten Barbara und Klaus Schmitz-Becker zum elften Künstlersymposium Atelierprojekt in ihr Domizil Busch 8 gebeten, um erneut mit Gastkünstlern temporär gemeinsam zu leben und zu arbeiten. Beim Tag des offenen Ateliers hatten sie sich über die Schulter blicken lassen. Seitdem hat sich Einiges getan. Das zeigt ab Samstag die Ausstellung in Galerie und Atelier Busch 8.

Veronika Fass' Gurkenfenster wurde von der Künstlerin seit Sommer nicht mehr verändert, aber von der Zeit. Die aufgelegten dünnen Gurkenscheiben haben Sepia-Tuschefärbung angenommen und an Transparenz gewonnen, die die Materialität zusehends negiert. Ergänzend zeigt die Wiesbadenerin in einer Kombination von Distelsamen und kleinen Stecksystemen auf Holzplatten Modellgärten, die von der nahegelegenen Baumschule inspiriert sind. Im alten Edeldruckverfahren der Cyanotypie (bekannt als Blaupause) reflektierte Gaby Baltha hiesige Feldformationen und Bewässerungssystemen der Wüste aus der Luftansicht. Die kreisrunden "Blue Islands" einer Bodeninstallation scheinen zu schweben und so in den Raum zu locken.

Beim Spaziergang am Witt-See wurde Nanni Wagner von 30 Schwänen überrascht, die aus dem Wasser aufstiegen. Den Eindruck hat sie mit gezogenen Netzen zu bewegt anmutenden Strukturen verwandelt, die malerisch und zeichnerisch behutsam ergänzt sind. Hausherrin Barbara Schmitz-Becker spielt mit bewegten Schatten von filigran nachempfundenen Keimlingen. Beispielhaft für eine filmisch festgehaltene Aktion zeigt sie eines ihrer Grenzgänger-Objekte, die auf einer Wasserfläche schwimmend das Umfeld reflektieren und pflanzenartige Triebe tragen. Ein feines Zittern und Schwingen geht von Anja Barmeyer-Grunkes Objekten aus, die über ein Kreisrund Flechtarbeiten variieren und zur Installation kombiniert sind. Mit dem Kontrast von Schwerelosigkeit und Härte jongliert Elisabeth Schink, die Fotos von zarten Libellen mit Betonfarbe übermalt und auch in gestischer Malerei auf Gegenpole setzt. Vor Sigrid Neuwingers Plastiken mag der Betrachter erstaunt innehalten. Die zarten Gebilde thematisieren immer auch die Schwelle eines gefährdet anmutenden Gleichgewichts. Im Projekt Europa 4 hat Klaus Schmitz-Becker ein im Laufe der Symposien von verschiedenen Künstlern verändertes Holzobjekt als Grundform für eine schlichte Betonskulptur verwertet.

Michaela Schneier-Mestrom verwöhnte die Künstler während des Symposiums mit experimenteller Kochkunst und entwickelte dabei ein Kochbuch mit einfachen Gerichten aus lokalen Lebensmitteln.

Die Ausstellung wird am Samstag, 15. Oktober, um 15 Uhr in der Galerie Busch 8 eröffnet. Zu sehen ist sie bis zum 30. Oktober samstags von 15 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr.

Quelle: RP
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